Ende einer Ära: Rektor geht in Ruhestand

Schulleiter Norbert Bolz geht nach 35 Jahren an der KVG in den Ruhestand

Ein letztes Mal am Tor zum Schulgelände: Schuleiter Norbert Bolz hatte am Freitag wie die Viertklässler seinen letzten Schultag an der Kardinal-von-Galen-Schule. Er geht mit 66 Jahren in den Ruhestand.
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Ein letztes Mal am Tor zum Schulgelände: Schuleiter Norbert Bolz hatte am Freitag wie die Viertklässler seinen letzten Schultag an der Kardinal-von-Galen-Schule. Er geht mit 66 Jahren in den Ruhestand.

 Nach 42 Jahren im Schuldienst, davon 35 Jahre an der Kardinal-von-Galen- Grundschule, endet für Norbert Bolz jetzt eine Ära. Der Schulleiter geht in den Ruhestand. Eigentlich wäre es schon 2020 so weit gewesen, doch er entschied sich, seine Dienstzeit um ein Jahr zu verlängern. „Ich fahre bis heute jeden Tag gerne und mit Freude zur Schule“, erklärt er mit leuchtenden Augen seine damalige Entscheidung.

Drensteinfurt - All die schönen Feste, die Norbert Bolz so liebt, wie das Frühjahrskonzert, das Weihnachtssingen, Sommerfeste und Sportveranstaltungen, wollte er gerne ein letztes Mal erleben, doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung.

Das letzte Schuljahr war noch einmal eine große Herausforderung, und die habe die Schule hervorragend gemeistert, glaubt er. „Alle sind gesund durch die Pandemie gekommen.“ Das sei erst einmal das Wichtigste. Dankbar sei Bolz für die großartige neue mediale Ausstattung der Schule in dieser Zeit und für die Bereitschaft der Lehrer, den Weg mitzugehen. Ebenso dankbar sei er, dass er an dieser Schule so viele Jahre unterrichten durfte. „Hier in Drensteinfurt ist alles sehr entspannt“, lobt er.

Nach seinem Abitur im Jahr 1974 trat Bolz sein Lehramtsstudium an, das er 1978 mit dem Referendariat in Gütersloh beendete. Zunächst unterrichtete er ein halbes Jahr an einer kaufmännischen Berufsschule, dann ein Jahr an einer Hauptschule in Oberhausen und fünf Jahre an der Ludgerischule in Ahlen, ehe er 1986 an der Kardinal-von-Galen-Grundschule die Stelle als Konrektor annahm. 2005 trat er die Nachfolge von Rektor Peter Wohlrab an.

Norbert Bolz unterrichtete die Fächer Deutsch, Katholische Religion und Sport. Später legte er nach einer Weiterbildung den Schwerpunkt auf Musik.

Erinnerungen bleiben

In den langen Jahren hat der 66-jährige Schulleiter viel erlebt. Gerne erinnert er sich an Übernachtungen in der Schule („Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen“) und Fahrten ins Schullandheim.

„Solche Erinnerungen bleiben“, fügt er an und schwärmt: „Es war eine tolle Zeit.“ Schule bleibe auch in Zukunft eine Herausforderung, denn sie sei ständig im Wandel – was aktuell besonders die Digitalisierung zeige. Außerdem sei in der Schule ständig was los.

Verlässt seinen Schreibtisch mit etwas Wehmut: Norbert Bolz hatte am Freitag nach 35 Jahren seinen letzten Tag an der Kardinal-von-Galen-Grundschule.

Ein Blick in die Schulchronik gibt davon einen kleinen Eindruck. In Bolz‘ Ära fallen der erste Herbstmarkt, der Beginn der Bis-Mittag- und Über-Mittag-Betreuung, die Gründung des Fördervereins und des Schülerparlaments, die Spiel- und Sportfeste, die Neugestaltung des Schulhofs und das grüne Klassenzimmer. Die Erweiterung der Schule, aufgestellte Container, ein ausgedehnter Wasserschaden und ständig Platzprobleme.

Unter seiner Leitung bewältigte die Schule die Flüchtlingskrise, bekam beim 50-jährigen Schuljubiläum eine eigene Schulhymne und kürzlich ein neues Schullogo. Wie schnell die Zeit bei all den vielen Veränderungen und Anforderungen vergangen ist, wird Norbert Bolz deutlich, wenn er zur Einschulung auf seine ersten Schüler als Eltern trifft, die nun ihre Kinder anmelden.

Das Wort Ruhestand mag der Pädagoge eigentlich gar nicht gerne hören und, auch wenn er die Zeit danach noch nicht akribisch verplant hat, fürchtet er nicht, in ein Loch zu fallen.

„Ich möchte die freie Zeit nicht sofort füllen, sondern erst einmal erspüren, wie es ist, keine Termine zu haben“, sagt er. Erst danach wolle er sich neu orientieren. Neben seiner Band „MarziPan“, in der er als Gitarrist aktiv ist, spielt er gerne Boule. Außerdem freue er sich darauf, Zeit für Freunde und die Familie zu haben.

Im Sommer steht eine Fahrt nach Frankreich zur Familie seiner Frau auf dem Programm. Besuche bei der Tochter, die in Paris lebt, und dem Sohn in Köln sind obligatorisch. Und dann gebe es auch noch immer Arbeit in seinem Garten in Ottmarsbochholt.

Begegnungen werden fehlen

Und doch ist sich Bolz sicher: Die Kinder und die Begegnungen mit dem gesamten Schulteam werden ihm fehlen. Die Schule weiß er nach seinem Weggang in guten Händen. „Die Stelle ist ausgeschrieben, Frau Voß hat sich darauf beworben und das Eignungsverfahren erfolgreich absolviert“, informiert er. Auch wenn es noch nicht spruchreif ist, gehe er davon aus, dass sie seine Nachfolge antreten werde. Konrektorin Claudia Voß kenne sich aus, führt sie die Schule doch seit 2005 gemeinsam mit Bolz.

Der Abschied vom scheidenden Schulleiter erfolgte coronabedingt in Häppchen: Am Donnerstag hat er sich von den Kindern verabschiedet und einen letzten Brief an die Eltern geschrieben. Das Lehrerkollegium bereitete ihrem Chef abends in Ottmarsbochholt eine besondere Überraschung. Gemeinsam waren sie gekommen, um mit dem überraschten Schulleiter eine Runde Boule zu spielen.

Am Freitag folgte dann der Abschied von den vierten Klassen und der Besuch des Schulrats. „Und dann ist Feierabend“, sagt Bolz. Ein wenig Wehmut klingt dabei mit.

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