Digitalisierung

Schule ist kein Status quo: Lambertus-Grundschule zieht aus Schulpreis-Teilnahme neue Ideen

Kreidetafeln hängen hier schon lange nicht mehr. Lehrerin Antje Goldbeck unterrichtet einen Teil der Erstklässler der Lambertus-Grundschule in Walstedde am Activ Panel.
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Kreidetafeln hängen hier schon lange nicht mehr. Lehrerin Antje Goldbeck unterrichtet einen Teil der Erstklässler der Lambertus-Grundschule in Walstedde am Activ Panel.

Die Lambertus-Grundschule war im vergangenen Jahr für den Deutschen Schulpreis empfohlen worden – und hatte sich prompt unter 366 Bewerbern für die nächste Runde qualifiziert.

Walstedde – Das digitale Konzept, das in der Walstedder Grundschule schon lange vor der Pandemie vorangetrieben wurde, ist auf großes Interesse gestoßen. Nun stehen die 18 Finalisten fest. In die Endrunde sind die Walstedder zwar nicht gekommen, Rektorin Birgitta von Rosenstiel sieht für sich und die Schule aber schon die Teilnahme als Gewinn an.

„Insbesondere in der Runde mit den 120 ausgewählten Schulen haben wie im Rahmen der Konzeptvorstellungen viel Neues erfahren und wieder dazu gelernt“, berichtet die Schulleiterin. Aufgeteilt in sieben Gruppen kamen die Teilnehmer ihrer jeweiligen Kategorie Ende Februar in digitalen Workshops zusammen und stellten ihre Schulkonzepte vor. Die Lambertus-Schule hatte sich für die Kategorie „Digitale Lösungen umsetzen“ beworben.

Konzepte, die das Lehren und Lernen verändern

Mit dem Deutschen Schulpreis zeichnen die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung – gemeinsam mit der ARD und der ZEIT Verlagsgruppe – seit 2006 gute Schulen und ihre innovativen Schulkonzepte aus. Aus dem Wettbewerb ist mittlerweile ein bundesweites Netzwerk von exzellenten Schulen, Schulpraktikern und Bildungswissenschaftlern entstanden, die gemeinsam das Ziel verfolgen, gute Arbeit sichtbar zu machen und damit die Schulentwicklung in Deutschland voranzutreiben.

Mit dem Deutschen Schulpreis 20/21 Spezial werden in diesem Jahr Konzepte ausgezeichnet, die Schulen im Umgang mit der Corona-Krise entwickelt haben und die das Lernen und Lehren langfristig verändern können.

Diese Sonderausgabe des Deutschen Schulpreises im Corona-Jahr macht deutlich, dass sieben Themen die Bewerberschulen derzeit besonders beschäftigen: Beziehungen gestalten, Bildungsgerechtigkeit fördern, digitale Lösungen umsetzen, individuell fördern, Netzwerke knüpfen, selbstorganisiertes Lernen ermöglichen und Zusammenarbeit in Teams stärken.

Ab dieser Woche gibt es zu jeder Kategorie eine digitale Themenwoche, in der die Konzepte der für die Endrunde nominierten Schulen im Mittelpunkt stehen. Am 10. Mai werden die Preisträger von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausgezeichnet.

Kreative digitale Lösungen

Das digital gestützte Lernen und Lehren zählt für viele Schulen während der Pandemie zu den größten Herausforderungen, erklärt dazu die Schulpreis-Jury: „Eine funktionierende technische Infrastruktur zu realisieren, stand dabei meist im Fokus. Zahlreiche Schulen haben darüber hinausgedacht und kreative digitale Lösungen für den Unterricht in Zeiten von Corona entwickelt.“

Digitale Schule musste in Walstedde im vergangenen Jahr nicht erst entwickelt werden – auf dem Feld sind Birgitta von Rosenstiel und ihr Lehrerkollegium schon lange unterwegs und entsprechend versiert. „Computer für den Unterricht und zum Lernen setzen wir seit einigen Jahren ein“, berichtet die Rektorin rückblickend.

Während Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulen teilweise noch Angst haben, dass die Grundschüler mit der Technik überfordert sein könnten, sieht Birgitta von Rosenstiel für ihre Schüler nur einen Gewinn. „Die Digitalisierung ist hier Unterrichtsgegenstand, Lehrer können trockenen Stoff durch interaktive Herangehensweisen aufpeppen und die Schüler mit unterschiedlichen Lehrmaterialien dort abholen, wo sie stehen.“ Damit sei der Lehrer kein langweiliger Erklärer mehr, was den Schülern wiederum zugutekommt: „Sie können sich fast immer länger und besser konzentrieren, weil wir weg sind vom ermüdenden Frontalunterricht.“

Aufgeladen: Schulleiterin Birgitta von Rosenstiel steht vor der Ladestation für die iPads – mit denen alle 157 Kinder und die Lehrer ausgestattet sind.

Lehrer-Teams in den Jahrgängen

Stattdessen würde in Gruppen gelernt, alle am selben Thema, aber jeder auf seinem Niveau. Während einige einen Text mit ihrer Lehrerin an der Tafel lesen, erarbeiten andere sich die Wörter mit Bildern, wieder andere schauen Lernvideos. Einen weiteren Vorteil genießen die Schüler durch die Aufteilung der Lehrer in Teams. „Wir haben keine Klassenlehrer, die die Tür hinter sich zu machen und dann mit vielen Schülern unterschiedlicher Lernniveaus zurechtkommen müssen“, erläutert die Schulleiterin. Stattdessen arbeiten die Lehrer eines Jahrgangs im Team zusammen, entwickeln gemeinsam Strategien und fördern und fordern die Mädchen und Jungen des Jahrgangs individuell.

„Dabei pflegen wir das Prinzip der offenen Türen.“ Soll heißen, dass die Jahrgänge in Gruppen aufgeteilt in verschiedenen Räumen lernen. Die Türen sind meist offen – und wenn nicht, kann dennoch jeder jederzeit reinkommen. Diese Arbeitsweise ist den Lehrern im Distanzunterricht ebenfalls zugutegekommen. „Weil der Unterricht im Team vorbereitet und teilweise sogar gemeinsam gehalten wird, gibt es auch keine Probleme damit, neben den Schülern gegebenenfalls noch 35 Eltern mit ins virtuelle Klassenzimmer zu lassen – die den Kollegen ja nun alle auf die Finger gucken.“

Zurück zum Schulpreis: Zwar ist die Lambertus-Schule nicht mehr im Rennen um einen ersten Platz, aber: „Das Lernen geht für uns weiter.“ Viel zu interessant ist das, was die anderen Schulen erarbeitet und vorgestellt haben, sodass das Walstedder Kollegium sich gern inspirieren lässt. Das sei das Tolle an diesem Wettbewerb, schwärmt Birgitta von Rosenstiel. Die Teilnehmer haben großes Interesse, sich positive Entwicklungen voneinander abzugucken und gute Erfahrungen breit zu streuen.

Weiterbildung durch Hospitationen

So sind Hospitationen angedacht, die Grundschule hat hier bereits Anfragen. Mit ihren digitalisierten Schulbüchern beispielsweise ist sie sehr gefragt. Diese werden mit den Verlagen und Wissenschaftlern derzeit entwickelt und sollen den Schülern noch mehr Interaktion bieten. Die Entwicklung an den Schulen gehe weiter, und das sei wichtig, denn Schule sei ein ständiger Prozess – kein Status quo, formuliert die Rektorin ihren Standpunkt. „Sie verändert sich permanent, genauso wie die Gesellschaft. Wir müssen offenbleiben für Neues.“

Also treibt Birgitta von Rosenstiel die Bildungsmaßnahmen voran, die sie für zeitgemäß hält. Der Erfolg gibt ihr Recht, das zeigt derzeit die Pandemie-Situation. Die Lehrer sind nicht nur Lehrende, sondern Begleiter. „Dadurch haben wir es geschafft, im Lehrplan zu bleiben – und keinen Schüler zu verlieren.“

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