Auf den Spuren von Greta Thunberg

Mädchen sammeln hunderte Unterschriften gegen Plastik

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Rike Kröger (links) und Marie Rosendahl wollen ihre Unterschriftenlisten an Bürgermeister Carsten Grawunder überreichen.

Drensteinfurt – Auf den Spuren von Greta Thunberg: Zwei Drensteinfurter Kinder sammeln 564 Unterschriften gegen Plastikverpackungen.

Die Schwedin Greta Thunberg setzt sich für eine konsequente Klimapolitik ein. Die von ihr inszenierte Bewegung „Fridays for Future“, der Schulstreik für das Klima, findet weltweit Beachtung und Nachahmer. In Drensteinfurt hat die Klimaaktivistin zwei zehnjährige Mädchen inspiriert: Rike Kröger und Marie Rosendahl schwänzen zwar nicht die Schule – stattdessen sammeln sie Unterschriften für den Umweltschutz.

Vor den Supermärkten K+K und Rewe baten sie jene Bürger um ihre Unterschrift, die sich vorstellen können, auf Plastikverpackungen, insbesondere bei Obst und Gemüse, zu verzichten. Innerhalb von vier Tagen sammelten sie 564 Unterschriften, die sie am Donnerstag Bürgermeister Carsten Grawunder überreichen wollen.

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Erdbeeren, die in Plastik eingepackt sind

Durch Greta Thunberg, die Kindernachrichten Logo, die Lehrer in der Schule und nicht zuletzt durch das, was sie in den Lebensmittelläden tagtäglich sehen, fühlen sich die beiden Viertklässlerinnen aufgefordert, selber aktiv zu werden. „Viele Läden verkaufen Erdbeeren, die in Plastik eingepackt sind“, sagt Rike Kröger. Erdbeeren könnten in Pappschälchen verkauft werden, anderes Obst und Gemüse auch lose. Viele Lebensmitteln würden nur in Plastik verpackt angeboten, kritisieren die Mädchen.

Wollen auch andere Drensteinfurter versuchen, Plastikmüll zu vermeiden? Das wollten die beiden herausfinden und starteten zunächst mit einer Unterschriftensammlung in der Nachbarschaft. „Ich war sehr überrascht, dass die beiden innerhalb kurzer Zeit 200 Unterschriften gesammelt haben“, erinnert sich Rikes Mutter Barbara Kröger. Die Eltern der beiden Zehnjährigen unterstützen die Aktivitäten ihrer Kinder. Es sei erstaunlich, wie viel Ausdauer und Mut Rike und Marie aufgebracht haben, finden sie.

Unverpacktes Obst oft teurer

Beim K+K und bei Rewe holten sich die Schülerinnen die Erlaubnis, vor dem Laden Kunden befragen zu dürfen. Überrascht hätten sie festgestellt, dass die meisten Kunden sich vorstellen konnten, auf Plastikverpackungen zu verzichten. Sie trafen aber auch Menschen, für die das gar nicht in Frage kommt. Eine Frau habe sogar berichtet, dass ihr unverpacktes Obst nicht schmecke. In diesen Fällen hätten sie versucht zu erklären, was Plastik mit der Umwelt und den Tieren anrichtet.

In den Geschäften sei ihnen aufgefallen, dass unverpacktes Obst oft teurer sei. „Manche Menschen haben wenig Geld und kaufen daher lieber billiger, andere wollen was für den Umweltschutz tun – er darf aber nichts kosten“, resümiert Rike.

Wunsch einer schöneren Welt

Sie und Marie möchten für sich und ihre Kinder eine schöne Welt. „Unsere Lehrerin hat gesagt, dass das nur möglich ist, wenn wir schon jetzt etwas dafür tun“, sagt Marie. „Wenn wir viele davon überzeugen, kann uns das gelingen“, glaubt die Zehnjährige.

Darum wollen sie die gesammelten Unterschriften, zu denen übrigens noch 100 durch die beiden Klassenkameradinnen Anni Tillmann und Anna Südhoff hinzugekommen sind, in der offenen Sprechstunde des Bürgermeisters abgeben. Von Bürgermeister Carsten Grawunder erhoffen sie sich, dass er die Ladeninhaber auffordert, auf Plastik bei Obst und Gemüse zu verzichten – und wenn er das nicht kann, die gesammelten Unterschriften an die Stellen weiterzuleiten, die darauf Einfluss nehmen können.

Für die Zeit vom Unterricht befreit

Damit sie morgen auch zur Sprechstunde auf dem Wochenmarkt gehen können, hat sie Schulleiter Norbert Bolz für die Zeit vom Unterricht befreit, denn auch die Schule unterstützt das Engagement der Viertklässler. Für die beiden Freundinnen soll das aber eine Ausnahme bleiben. Dass Greta Thunberg für ihren Protest die Schule ausfallen lässt, finden sie nicht so gut. „Vielleicht macht sie das aber, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen“, glaubt Rike.

„Möglicherweise schaffen es die Kinder, uns Erwachsene mit ins Boot zu holen für eine gute Zukunft der kommenden Generationen“, hofft Barbara Kröger. Immerhin sei es ihnen gelungen, mehr als 600 Leute zum Nachdenken zu bringen.

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