Weniger Eltern zahlen Unterhalt zurück - Kreis bleibt auf Millionen sitzen

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Die Quote der Rückzahler ist gesunken.

Kreis Warendorf – Auf 2,5 Millionen Euro ist der Kreis Warendorf sitzen geblieben: Nur die wenigsten unterhaltspflichtigen Elternteile zahlen den staatlichen Unterhaltsvorschuss zurück.

Von den 3.278.355,30 Euro, die über das Jugendamt an Unterhalt vorgeschossen wurden, konnten lediglich 642.678,54 Euro zurückgeholt werden. Das ist eine Quote von 19,6 Prozent. Diese Zahlen nannte der Kreis auf Anfrage.

Alleinerziehende Mütter und Väter erhalten die staatliche Finanzhilfe, wenn der andere Elternteil seinen Unterhaltspflichten nicht nachkommt. Nach Möglichkeit soll das Geld aber von den säumigen Zahlern – in der Praxis zumeist Väter – wieder zurückgeholt werden.

Zum Vergleich: Im Jahr 2017 zahlte der Kreis 1.797.232,10 Euro an Unterhaltsvorschuss, 475.635,50 Euro wurden zurückgezahlt. Damit lag die Rückholquote 2017 noch bei 26,46 Prozent. Dass die Höhe des ausgezahlten Unterhaltsvorschusses so stark angestiegen ist, liegt an einer Gesetzesänderung von Mitte 2017: Vor der Reform bestand ein Anspruch nur für Kinder bis 12 Jahren und für maximal 72 Monate.

Gesetzesänderung: Mehr Kinder profitieren

Seit dem 1. Juli 2017 wird der Unterhaltszuschuss bis zum 18. Geburtstag des Kindes und ohne zeitliche Begrenzung gezahlt. Dadurch sind die Fallzahlen auch im Kreis enorm gestiegen. Zum Stichtag 30. Juni 2017 (vor der Reform) erhielten 630 Kinder Unterhaltsvorschuss. Zum Stichtag 31. Dezember 2017 lag die Zahl der Leistungsbezieher bei 974. Ein Jahr später waren es schon 1281 Kinder. Davon stammten 77 aus Drensteinfurt.

Gleichwohl steht der Kreis mit einer Rückholquote von 19,6 Prozent im Jahr 2018 sogar noch vergleichsweise gut dar: Bundesweit sank die Quote von 19 auf 13 Prozent, in der Stadt Hamm von 19 auf 12,3 Prozent. Einige Fachleute hatten eine Überlastung der Jugendämter als Grund dafür genannt, dass es nur unzureichend gelinge, Geld von den säumigen Elternteilen zurückzuholen. Das gelte nicht für das Jugendamt des Kreises, erklärte eine Sprecherin.

Der Kreis Warendorf hat im Zuge der Unterhaltsvorschuss-Reform sowohl in dem Bereich der Bewilligung als auch im Bereich der Heranziehung jeweils eine Vollzeitstelle neu eingerichtet und besetzt, sodass die große Zahl der Anträge in angemessener Zeit habe bearbeitet werden können. Es gibt 1,6 Vollzeitstellen für die Bewilligung des Unterhaltsvorschusses, drei für die Heranziehung und 1,5 für die Unterhaltsvollstreckung.

„Die gesunkene Rückholquote ist beim Kreis Warendorf nicht auf die Überlastung zurückzuführen. Vielmehr hängt es damit zusammen, dass die Ausgaben enorm gestiegen sind und die Rückzahlung der Unterhaltspflichtigen zeitverzögert erfolgt“, erklärt die Kreis-Pressesprecherin.

Sie kennt auch die Gründe, die zahlungsunwillige Elternteile nennen, weshalb sie nicht bereit sind, Unterhalt für ihre Kinder zu zahlen:

  • Sie dürften ihr Kinder nicht sehen und der andere Elternteil stelle Bedingungen, die nicht zumutbar seien.
  • Das gezahlt Geld würde den Kindern nicht zu Gute kommen, sondern vom anderen Elternteil verbraucht.
  • Sie würden schon andere Leistungen direkt gegeben, die nicht angerechnet werden (zum Beispiel Übernachtung, Kleidung etc.).
  • Sie sähen nicht ein, dass der andere Elternteil nicht arbeiten gehe und auf Kosten anderer lebe.

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