Rosenaufzucht ohne Chemie

150.000 Helfer im Gewächshaus: Jörg Kronshage setzt auf natürliche Schädlingsbekämpfung

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Tüten mit Raubmilben verteilt Jörg Kronshage in seinen Gewächshäusern, um Thripse auf natürliche Weise zu bekämpfen.

Jeder Gärtner fürchtet die kleinen Schädlinge im Garten, die so manche Blume welken lassen. Manch einer setzt bei Befall auf Chemie, um Blattläuse, Spinnmilben und Co. zu vertreiben. In den Rosengewächshäusern von Jörg Kronshage ist der Einsatz von Chemie eher eine Seltenheit.

Drensteinfurt – Stattdessen setzt der Drensteinfurter auf Nützlinge, die das Gleichgewicht auf natürliche Art wieder herstellen. „Meine Mitarbeiter und ich halten uns lange Zeit in den Gewächshäusern auf. Wenn ich Chemie aufbringe, schadet uns das auch“, ist sich der Gärtner bewusst.

Wenn er überhaupt chemische Mittel einsetze, dann ganz gezielt, um keine Nützlinge zu töten. Außerdem seien die gesetzlichen Bestimmungen für den Einsatz von Chemie in Deutschland – anders als in anderen Ländern – sehr streng. Darum enthielten Rosen aus Kenia und Ecuador wesentlich mehr Schadstoffe als deutsche Rosen.

Die stärksten Feinde

Die größten Feinde in den Gewächshäusern in Natorp sind im Moment Blattläuse, Gallmücken, Thripse und Spinnmilben. Bei ihrer Bekämpfung macht Kronshage seit einigen Jahren gute Erfahrungen mit den natürlichen Feinden der Schädlinge. Alle zwei Wochen bestellt er verschiedene Insektenarten als kleine lebende Helfer, die per Express und gekühlt in Styropor-Isolierkästen direkt aus Spanien geliefert werden.

600 Euro kosten die insgesamt 150 000 Exemplare. Wenn die Lieferung kommt, ist es wichtig, die Millimeter großen Insekten zügig aufzubringen. Das Zeitfenster beträgt maximal 18 Stunden. Anfangs habe es Mut gebraucht, sich an diese Art der Schädlingsbekämpfung heranzutrauen. „Man muss sich halt ausprobieren“, macht der Gärtner deutlich. Der Erfolg beruhe auch auf Erfahrung.

Mit warmen Temperaturen steigt die Zahl der Schädlinge

Im Moment sei der Befall mit Schädlingen noch überschaubar, aber mit steigender Temperatur im Mai nehme die Zahl rasant zu: „Dann will ich gewappnet sein.“ Dabei setzt er auf die Taktik, dass der Bestand an Nützlingen den der Schädlinge übersteigt. Das erfordere Fingerspitzengefühl, denn wenn es zu viele sind, fressen sich die Nützlinge gegenseitig auf.

Obwohl diese sich auch vermehren, gehe ihre Zahl nach und nach zurück, sodass er regelmäßig für Nachschub sorgen müsse. Verantwortlich seien verschiedene Faktoren wie zum Beispiel das Wetter.

Blattläuse

Blattläuse tauchen quasi mit den ersten Blättern auf. Sie saugen daran und schädigen die Pflanze. Durch die Ausscheidungen bilden sie zudem einen optimalen Nährboden für Pilze.

Die Gallmücke (Aphidoletes aphidimyza) ist der Feind der Blattläuse. Für jedes Treibhaus hat Kronshage eine Dose mit je 1000 Puppen der Gallmücke gekauft, die er auf den Boden legt. Schlüpfen die Puppen, legen die jungen Gallmücken ihre Eier direkt in die Lauskolonie, nach nur zwei Tagen schlüpfen die kleinen Larven und saugen die Blattläuse leer.

Spinnmilben

Spinnmilben vermehren sich in großer Zahl. Sie saugen den Pflanzensaft der Blätter und färben diese gelb. Das 0,5 Millimeter kleine Insekt kann die Pflanze sogar zum Absterben bringen. Mit der Raubmilbe (Phytoseiulus persimilis), die sowohl die Spinnmilben als auch deren Eier frisst, kann diese effektiv bekämpft werden. Sie wird in den Rosenbeständen verteilt.

Hühner halten auch das Unkraut in Schach.

Thripse

Mehr und mehr bereiten dem Rosenzüchter die ein bis zwei Millimeter kleinen Thripse Sorgen, die besonders gern die großen Blüten befallen. Zuerst ist das Insekt nur ein stecknadelkopfgroßer Punkt an der Blüte. Dann vermehrt sich der Schädling explosionsartig, die ganze Blüte verfärbt sich und ist nicht mehr zu vermarkten.

Chemisch gebe es nichts Wirksames, sagt Kronshage: „Es gibt Kollegen, die das nicht in den Griff bekommen und ihre Gewächshäuser aufgegeben haben.“

Er selbst setzt auch bei den Thripsen auf Raubmilben, genauer auf die Transeius montdorensis. Diese Art der Raubmilben frisst sowohl das erste als auch das zweite Larvenstadium der Thripse und hat sich als besonders effektiv herausgestellt. Pro Meter wird eine Tüte mit je 350 Tieren in den Bestand gehängt.

Hühner gut für Rosen

Ganz nebenbei laufen in den Rosenhäusern übrigens noch Hühner frei herum. Auch diese picken Insekten und halten dazu das Unkraut in Schach. Fünf Hühner braucht er pro 100 Quadratmeter.

Im Moment sind es 60 Hühner, die in den fünf Gewächshäusern ein freies Leben genießen. Übrigens gibt es für jede Hühnergruppe einen Hahn.

Rosenzucht ist viel mehr als ein Beruf

Für Jörg Kronshage ist der Verkauf und die Zucht von Rosen nicht einfach nur ein Beruf, sondern eine Leidenschaft. Besonders stolz ist er auf seine ältesten Rosenstämme, die es auf mittlerweile 48 Jahre bringen.

Seit Mitte April ist der Rosenverkauf im Gange, denn der Drensteinfurter nutzt die natürliche Vegetation. Das bedeutet: Im Winter wird nicht geheizt. „So dämmt auch der Frost viele Schädlinge ein“, berichtet er.

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