1. wa.de
  2. Lokales
  3. Drensteinfurt

Gotteshaus wird verschönert – für 400.000 Euro

Erstellt:

Von: Mechthild Wiesrecker

Kommentare

Wie vom Verpackungskünstler Christo verhüllt: die Kirche St. Lambertus in Walstedde. Foto: Wiesrecker
Wie vom Verpackungskünstler Christo verhüllt: die Kirche St. Lambertus in Walstedde. © Wiesrecker

Seit Ende September sind die Arbeiten an der Kirche St. Lambertus im vollen Gang. Für alle sichtbar erscheint die Kirche im Moment noch wie das Werk des berühmten Verpackungskünstlers Christo. Schon bald wird das Gerüst am Langhaus abgebaut, um dann im Inneren wieder aufgebaut zu werden.

Walstedde – Am Turm bleibt das Gerüst noch weiter stehen, dort gehen die Arbeiten erst im Frühjahr weiter. Frühestens zu Ostern wird die 400.000 Euro teure Renovierung abgeschlossen sein.

Dreimal ist das Langhaus mittlerweile von außen gestrichen worden, sodass das Gerüst dort nicht mehr gebraucht wird. Es wird jedoch dringend im Inneren benötigt, um das Gotteshaus auch dort zu verschönern. In den 20 Jahren seit der letzten Renovierung sind die Wände vom Ruß der brennenden Kerzen grau geworden. An den Deckenübergängen von Alt- und Neubau – 1883 wurde das Langhaus um 12,70 Meter verlängert – haben sich Risse gebildet, von denen der Putz abbröckelt. Die Kirche, die aus dem Jahr 1780 stammt, ist bereits ausgeräumt. Es ist ein ungewohnter Anblick, lediglich die bunten Glasfenster, durch die das Licht der Sonne scheint, erstrahlen wie eh und je.

Heiligen-Figuren Maria und Anna

Alle wertvollen Teile sind ausgelagert und werden ebenfalls gereinigt und restauriert. Unter anderem die beiden Heiligen-Figuren Maria und Anna sowie die Pieta, die Bilder und der Kreuzweg, der nach seiner Reinigung noch mit Firnis als Schutz überzogen wird. Ebenfalls gereinigt werden die Fenster.

Die wertvolle Orgel aus dem Jahr 1876 von Fleiter ist verhüllt, um sie vor Schmutz zu schützen. Der Turm, das älteste Teil des Gebäudes, bedarf einer besonderen Behandlung. Die Arbeiten werden im kommenden Frühjahr beginnen.

Gilt als außergewöhnlich selten: der romanische Christus aus Eichenholz.
Gilt als außergewöhnlich selten: der romanische Christus aus Eichenholz. © Kirchengemeinde

Noch älter als Kirche und Turm ist der Korpus des großen Triumphkreuzes mit einer Breite von 2,25 Metern und einer Höhe von 3,50 Metern. Die dicken Eichenbohlen des Kreuzes sind vermutlich erst im 20. Jahrhundert angebracht worden. Anders als der Korpus, der allein 2,20 Meter hoch ist. Der romanische Christus aus Eichenholz gilt als außergewöhnlich selten, seine „Geburt“ wird auf die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts geschätzt. Aber so genau weiß das niemand. Aus diesem Grund wird eine technologische Untersuchung durchgeführt, anschließend wird das Kreuz konserviert.

Dafür verantwortlich ist die Restauratorin Marita Schlüter aus Everswinkel. Eine erste Inspektion ergab, dass der Korpus zwar gut erhalten, aber schon einmal abgebeizt und überarbeitet wurde. Aktuell scheint ein kleiner Teil an der Fußhalterung von Insekten befallen zu sein, auch zeigte sich neben dem Staub Schimmelbefall.

Informierten über den Stand der Bauarbeiten: Pfarrer Jörg Schlummer (links) und Küster Alfons Wrocklage.
Informierten über den Stand der Bauarbeiten: Pfarrer Jörg Schlummer (links) und Küster Alfons Wrocklage. © Wiesrecker

Um den Korpus kunsthistorisch zu bestimmen, wird er gereinigt, mit Auflicht, Streiflicht und UV-Strahlung untersucht und thermisch gegen Insektenbefall behandelt. Eine computertomografische Untersuchung erfolgt im Anschluss. Zusätzlich wird eine dendrochronologische Holzaltersbestimmung durchgeführt. Das heißt, anhand einer genauen Analyse der Jahresringe kann das Alter des Holzes ermittelt werden. Die Gesamtkosten für die Arbeiten am Kreuz betragen 6500 Euro.

Schon am Freitagmorgen der vergangenen Woche wurde das Kruzifix aus dem Chorraum der Lambertus-Kirche abgebaut. Im Rahmen der genauen Untersuchung soll auch geklärt werden, ob das Kreuz möglicherweise eine Reliquie enthält.

16.500 Euro sind gespendet

400.000 Euro betragen die Gesamtkosten der Renovierung. Einen sehr großen Teil trägt das Bistum, weiter fließt Geld aus Denkmalpflegemitteln. 17.500 Euro muss die Gemeinde aufbringen. Immerhin 16.500 Euro sind bereits gespendet worden. „Es wäre schön, wenn die komplette Summe bis zur Fertigstellung zusammengekommen ist“, so Pfarrer Jörg Schlummer.

Der Bauzaun rund um die Kirche kann noch nicht abgebaut werden. „Die Abwasserrohre der Dachrinnen müssen renoviert werden“, berichtete Küster Alfons Wrocklage. Man wisse gar nicht genau, wo die Leitungen verlaufen, daher müssen die Pflastersteine zum Teil aufgenommen werden.

Kindergottesdienst auf dem Kirchplatz

Auch wenn die Pfarrkirche in Walstedde zu Weihnachten noch nicht genutzt werden kann, braucht niemand auf einen Gottesdienst zu verzichten. „Geplant ist ein kurzer Kindergottesdienst draußen auf dem Kirchplatz, dazu Gottesdienste in Ameke und im Pfarrheim und natürlich kann jeder in die St.-Regina-Kirche kommen“, so Pfarrer Schlummer. Die genauen Zeiten werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Auch interessant

Kommentare