Peiniger legt Geständnis ab

Relativ milde Strafe für Vergewaltiger

Drei Jahre und neun Monate Gefängnis wegen Vergewaltigung und vorsätzlicher Körperverletzung. Dieses Urteil verkündete die 8. Große Strafkammer des Landgerichts Münster jetzt gegen einen 35 Jahre alten Mann aus Drensteinfurt.

Drensteinfurt/Münster – Das Opfer war eine 24-jährige polnische Frau, die als Leiharbeiterin in Deutschland arbeitete. Ihr Peiniger legte vor Gericht ein Geständnis ab.

Die Tat geschah in der Nacht vom 28. auf den 29. November 2019 gegen 1 Uhr. Täter und Opfer fuhren mit der Bahn von Münster in Richtung Hamm. Beide verließen den Zug am Bahnhof Mersch. Dort sprach der alkoholisierte 35-Jährige die junge Frau an und fragte, ob sie Sex mit ihm machen wolle. Als sie das ablehnte, packte er die Frau, hielt ihr den Mund zu, schlug ihr mehrfach mit der Faust ins Gesicht, würgte sie und zerrte sie an den Haaren in ein nahes Feld. Das Handy, mit dem die Frau Hilfe rufen wollte, entriss er ihr und warf es weg. Dann kam es zu den sexuellen Übergriffen.

Diese Vorwürfe räumte der Angeklagte gestern weitgehend ein. Lediglich den in der Anklage angenommenen Tatzeitraum von einer halben Stunde wies er zurück. Es habe nur 20 Minuten gedauert. Die junge Frau nahm nicht an dem Prozess teil. Sie ist derzeit in Polen und kann wegen der Corona-Pandemie momentan nicht nach Deutschland kommen. Allerdings hatte sie am Mittwoch mit einem polnisch sprechenden deutschen Polizisten telefoniert. Den Vermerk des Beamten über diese Vernehmung führte die Kammer jetzt in das Verfahren ein.

Moderate Folgen für Vergewaltigungsopfer

Daraus ging hervor, dass die Frau in der Tatnacht um ihr Leben fürchtete. Allerdings, so die 24-Jährige, habe die Todesangst bei ihr nicht zu langfristigen psychischen Folgen geführt. Die Tat, so steht es in dem Vermerk des Polizisten, habe sie nicht traumatisiert. Die durch die Faustschläge und sexuellen Übergriffe verursachten körperlichen Blessuren seien mittlerweile verheilt.

Diese moderaten Folgen für das Opfer und das Geständnis sorgten am Ende für das relativ milde Urteil der Strafkammer. Genau darum hatte der Verteidiger im Plädoyer für seinen nicht vorbestraften Mandanten gebeten. Der Staatsanwalt hatte dagegen wegen der Brutalität der Tat eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren gefordert. Der mögliche Strafrahmen reicht von zwei bis zu 15 Jahren.

Prozess in Corona-Zeit

Nur weil der Angeklagte in Untersuchungshaft sitzt, fand der Vergewaltigungsprozess gestern überhaupt statt. Allerdings unter ungewöhnlichen Umständen mitten in der Corona-Krise. Die meisten Verfahren am Landgericht sind derzeit ausgesetzt. Ausschließlich Haftsachen werden noch verhandelt. Dies allerdings unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen. So saßen Prozessbeteiligte und Zuschauer in gehörigem Abstand im Gerichtssaal. Die Verhandlung wurde von einem ursprünglich vorgesehenen kleineren Raum in den großen Sitzungssaal des Landgerichts verlegt.

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