Radklima-Test des ADFC

Drensteinfurt ist fahrradfreundlich - und doch besteht Verbesserungsbedarf

Radfahrer bescheinigen Drensteinfurt Note von 3+ in Sachen Fahrradfreundlichkeit. Eine Schwäche ist zum Beispiel Vorfahrt an der Raiffeisenstraße zum Parkplatz von Wellnessoase und K+K-Markt, die Autofahrer oft übersehen.
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Radfahrer bescheinigen Drensteinfurt Note von 3+ in Sachen Fahrradfreundlichkeit. Eine Schwäche ist zum Beispiel Vorfahrt an der Raiffeisenstraße zum Parkplatz von Wellnessoase und K+K-Markt, die Autofahrer oft übersehen.

Radfahrer haben der Stadt Fahrradfreundlichkeit bescheinigt, aber auch noch manchen Verbesserungsbedarf gesehen. Im Ranking des ADFC, der das Fahrradklima bundesweit in 418 Städten und Gemeinden mit bis zu 20 000 Einwohnern abgefragt und verglichen hat, bekommt Drensteinfurt die Note 3+ und landet auf dem 15. Platz.

Drensteinfurt - 73 Drensteinfurter haben sich mit dem umfangreichen Fragebogen des ADFC auseinandergesetzt und in unterschiedlichen Kategorien Schulnoten verteilt – darunter naheliegende Fragen wie die nach Erreichbarkeit des Stadtzentrums, Wegbeschreibung, Sicherheit, Radwegebeschaffenheit und Ampelschaltungen. Aber auch Medienberichte übers Radfahren sowie Fahrradförderung durch die Stadt oder Radmitnahme im ÖPNV sind Themen, mit denen der Fragebogen die Fahrradfreundlichkeit der Kommunen abfragt.

Um es vorwegzunehmen: Im Vergleich schneidet Drensteinfurt gut ab, auch im NRW-Landesranking, wo die Stadt Platz 7 von 54 teilnehmenden Kommunen belegt. So werden die Erreichbarkeit des Zentrums und der Winterdienst auf den Radwegen im Stadtgebiet sehr gut bewertet, auch die für Radfahrer geöffneten Einbahnstraßen und die Wegweisung stellen sich als Stärke heraus. Wenn es um Konflikte der Radler mit Fußgängern und Autos geht sowie um das eigene Sicherheitsgefühl, landet Drensteinfurt schon im Dreierbereich, bis hin zur Note 4 in Sachen Zugfahren mit dem Fahrrad und Fahrraddiebstahl.

„Gerade die letzten beiden Punkte können wir als Stadt nur bedingt beeinflussen“, sagt Bürgermeister Carsten Grawunder zu den Ergebnissen des Fahrradklima-Tests. Den Fahrradtransport im ÖPNV zu verbessern, das hätten die Bahn und die Zweckverbände aber bereits auf dem Schirm. Um abgestellte Räder besser vor Diebstahl zu schützen, sollen auch in der Stadt mehr Abstellmöglichkeiten geschaffen werden, an denen Fahrräder angeschlossen werden können. „Und mit den abschließbaren Anlagen versuchen wir, am Bahnhof Diebstähle zu vermeiden.“

Keine Auswirkungen durch Corona

Der ADFC hat für den Fahrradtest abgefragt, inwieweit die Corona-Pandemie zu einer Verbesserung für Radler gesorgt hat. „Dazu muss ich für Drensteinfurt feststellen: gar nicht“, räumt Carsten Grawunder ein. „Zwar haben wir beispielsweise Lastenräder angeschafft, die die Bürger ausleihen können, aber das geschah vor allem im Rahmen von Klimaschutzmaßnahmen.“ Grundsätzlich sieht der Bürgermeister Drensteinfurt für Radler ganz passabel aufgestellt, aber: „Da ist auf jeden Fall Luft nach oben.“

Geht mit gutem Beispiel voran: Bürgermeister Carsten Grawunder fährt selbst viel Rad. 

Da er selbst passionierter Radfahrer ist, kennt er die Schwachstellen in der Stadt nur allzu gut und nennt zum Beispiel die Verbindung vom Aldi und K+K-Markt zur Fußgänger-Unterführung: „Auf dem rot gepflasterten Weg über die Straße haben Radfahrer und Fußgänger Vorrang, aber kaum ein Autofahrer weiß das oder übersieht es einfach.“ Quasi jede Woche gebe es dort Beinahe-Zusammenstöße. Unklar sei die Situation auch mancherorts, wo auf beiden Seiten ein Radweg verläuft, ob diese jeweils in beide Richtungen befahren werden dürfen. „Da gilt es, Klarheiten zu schaffen.“

Auf jeden Fall möchte er das Thema Radfahren in Drensteinfurt voranbringen, ihm sind aber an vielen Stellen die Hände gebunden. „Ich könnte mir gut vorstellen, eine Fahrradstraße vom Bahnhof in die Innenstadt einzurichten – mit Vorrang für Radler nach dem Beispiel von Münster“, nennt Carsten Grawunder ein Beispiel. Auch für den Kerkpatt in Walstedde kann er sich eine Straße vorstellen, auf der Menschen auf dem Rad Vorrang haben. Doch der Kreis halte sich da strikt an gesetzliche Vorhaben und sei wenig offen für versuchsweise Verkehrsänderungen. „Das ist natürlich einerseits richtig, gleichzeitig würde ich mir aber etwas Flexibilität wünschen.“

Es muss sich etwas ändern

In den Köpfen der Bürger sei längst angekommen, dass sich etwas ändern muss, glaubt der Bürgermeister. „In einer Zeit, in der Klimaschutz so wichtig geworden ist, müssen wir mutiger werden und anfangen umzudenken.“ Am besten wäre aus seiner Sicht, hier und da Straßenverkehrsführungen im Sinne der Radfahrer zu wagen, die Entwicklung eine Weile zu beobachten und die Ergebnisse in zukünftige Entwicklungen einfließen zu lassen.

Carsten Grawunder stellt klar: „Gerade im ländlichen Raum können wir aufs Auto nicht verzichten, dennoch muss es möglich sein, Radfahrern mehr Attraktivität zu bieten.“ Dann würden vielleicht mehr Menschen das Auto zugunsten des Fahrrads stehen lassen. Ginge es nach ihm, würde er gern für Drensteinfurt ein Verkehrskonzept mit Blick auf Radfahrer gestalten. Der ADFC-Test liefert dafür sicherlich manchen nützlichen Hinweis.

Stadtradeln

Zum vierten Mal ist Drensteinfurt beim Stadtradeln dabei, das am heutigen Samstag beginnt. In diesem Jahr ist die Stadt Teil des kreisweiten Teilnehmerfeldes, insgesamt sind hier derzeit 193 Teilnehmer in 38 Teams angemeldet. Interessierte können noch mitmachen und sich auf der Seite stadtradeln.de/drensteinfurt anmelden beziehungsweise die App runterladen. Jeder Kilometer zählt. Alessa Dohm ist im Rathaus für das Stadtradeln zuständig und kann Auskunft geben unter Telefon 0 25 08 / 995-10 02.

Wie ist Radfahren in Deiner Stadt?

Macht Radfahren in Deiner Stadt Spaß oder ist es Stress? Der Fahrradklima-Test des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) ist der Zufriedenheits-Index der Radfahrenden in Deutschland. Per Fragebogen haben Teilnehmende 2020 beurteilt, ob sie sich sicher fühlen, wenn sie mit dem Fahrrad unterwegs sind oder ob genug gegen das Parken auf Radwegen und Radfahrstreifen unternommen wird.

Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests geben Verkehrsplaner und politisch Verantwortlichen lebensnahe Rückmeldungen zum Erfolg ihrer Radverkehrsförderung und nützliche Hinweise für Verbesserungen.

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist eine der größten Befragungen zum Radfahrklima weltweit und fand 2020 zum neunten Mal statt. Er ist

wichtige Orientierungshilfe für künftige Maßnahmen: Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests ermöglichen Städten und Gemeinden eine Standortbestimmung zu ihrer Fahrradfreundlichkeit. Identifizierte Stärken und Schwächen im Vergleich zu anderen Orten können für gezielte Maßnahmen und Programme genutzt werden.

Mithilfe eines Fragebogens können Radfahrerinnen und Radfahrer ihre Meinung über „Spaß oder Stress“ beim Radfahren und im Straßenverkehr an ihrem Wohnort zum Ausdruck bringen, indem sie verschiedene Aspekte des Radfahrens auf einer Skala mit sechs Positionen bewerten können. Die Fragen betreffen Sicherheitsgefühl, Komfort, Radverkehrsinfrastruktur und -förderung bis hin zu Abstellmöglichkeiten, Mitnahme des Fahrrades im öffentlichen Nahverkehr und Werbung für das Radfahren.

www.fahrradklima-test.adfc.de

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