Corona

Quarantäne: Wer geht jetzt mit dem Hund Gassi?

Ilona Seifert sitzt während ihrer Quarantäne mit ihrem Hund auf dem Sofa
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Und jetzt? Das fragt sich Ilona Seifert, als sie erfährt, dass sie als Kontaktperson eines Corona-Infizierten in Quarantäne muss. Wer geht mit ihrem zwölfjährigen Mischlingshund Bruno Gassi, der sehr auf sie fixiert ist?

Wer sich in Corona-Quarantäne begeben muss, darf das Haus nicht mehr verlassen. Für alleinstehende Hundebesitzer ist das oftmals ein Problem, denn der Hund muss täglich raus.

Walstedde - Ilona Seifert traf die Quarantäne unvorbereitet. Wer sollte jetzt mit ihrem zwölf Jahre alten Mischlingshund Bruno Gassi gehen? Ihren Vorschlag, mit Mundschutz, negativem Corona-Test und auf Abstand zu Menschen in den Morgen- und Abendstunden mit dem Hund kurz rauszugehen, lehnte das Ordnungsamt der Stadt Drensteinfurt kategorisch ab.

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An einem Donnerstag hatte Ilona Seifert ihren Termin bei einem Physiotherapeuten in Ahlen wahrgenommen; niemand wusste, dass dieser später ein Corona-positives Ergebnis erhalten würde. Als sie den schriftlichen Bescheid über die Quarantäne erhielt, die noch bis zum kommenden Donnerstag dauert, dachte Ilona Seifert zuerst nicht an sich selbst, sondern an ihr Tier. „Für mich stellte sich sofort die Frage: Wer geht mit dem Hund?“, sagt sie. Nachbarn, die in Frage kämen, seien beruflich sehr eingespannt, die möchte sie nicht belästigen. Jeden Tag müsse sie nun neu eine Lösung finden. „Ich bin frustriert und ich fühle mich machtlos“, schildert sie ihre Gefühle.

Corona-Quarantäne: Wer geht mit dem Hund Gassi?

Bei ihrer telefonischen Anfrage beim Ordnungsamt habe man ihr mitgeteilt, sie solle den Hund in den Garten lassen oder einen Bekannten oder Nachbarn bitten, mit dem Hund zu gehen. „Mein Hund ist zwölf Jahre und hat noch nie im Garten gemacht, ehe er dort sein Geschäft erledigt, wird er krank“, befürchtet Ilona Seifert. Sie habe dem Ordnungsamtsleiter auch mitgeteilt, dass sie bereits zweimal einen negativen Corona-Test vorweisen könne und auch bereit sei, sich jeden Tag neu testen zu lassen. Das alles habe nichts geholfen. „Verlasse ich das Haus mit dem Hund, muss ich ein Bußgeld zahlen“, berichtet sie weiter.

Einen Lichtblick erhielt die Walstedderin, als sie von ihrem Sohn erfuhr, dass es in einigen Bundesländern während der Quarantäne erlaubt sei, mit Mundschutz und ohne mit Menschen in Kontakt zu treten, in den Morgen- und Abendstunden mit dem Hund kurz Gassi zu gehen. Doch diese Möglichkeit, so erfuhr sie nach einem Anruf im Gesundheitsamt Warendorf und in der Verwaltung in Drensteinfurt, bestehe im Kreis Warendorf nicht.

Quarantäne? Negativer Corona-Test ist kein Freifahrtschein

Das bestätigt auch Kerstin Butz, Pressesprecherin des Kreises Warendorf. „Personen, die in Quarantäne sind, müssen externe Personen finden, die mit dem Hund Gassi gehen“, informiert sie, „dass ist sehr klar geregelt.“ Selbst wenn der Hundespaziergänger jeden Kontakt mit anderen meide, könnte er immer noch stürzen, und andere Personen würden helfen und könnten sich möglicherweise dabei anstecken. Auch ein negativer Corona-Test sei kein Freifahrschein. Lediglich aus dringenden medizinischen Gründen dürfe im Einzelfall die Quarantäne verlassen werden.

Für die Einhaltung der Corona-Regeln sei das Ordnungsamt zuständig. „Diese Aufgabe übernehmen wir sehr gewissenhaft“, berichtet Martin Brinkötter, Leiter des Ordnungsamtes Drensteinfurt. Nachdem der Kreis die Quarantäne angeordnet hat, liege die Verantwortung bei der Stadt. Die Stadt biete mit Unterstützung einer Organisation die Versorgung mit Lebensmitteln an, dazu gehöre auch das Hundefutter für den Hund. Für das Gassi-Gehen sei das Ordnungsamt nicht zuständig. Der Hundehalter müsse selbst eine Person finden oder ein externes Unternehmen beauftragen, das mit dem Hund spazieren geht, am Ende sogar die Überlegung anstellen, den Hund vorübergehend in ein Hundeasyl zu geben. Eine Ausnahme für die Quarantäne könne das Ordnungsamt nicht zulassen, auch wenn rein emotional betrachtet das Dilemma der Hundehalterin nachvollziehbar sei.

Quarantäne: Bei Verstößen droht Bußgeld

Bei Verstößen gegen die Quarantäne-Vorschriften drohe ein Bußgeld im vierstelligen Bereich, bei mehrfachen Verstößen sogar eine Ersatzzwangsunterbringung, informiert der Ordnungsamtsleiter und versichert: „Das Ordnungsamt kontrolliert jede Quarantäne. Alle Personen unter Quarantäne müssen sich dem Ordnungsamtsmitarbeitern zeigen“, erklärt Brinkötter und fügt an: „Die Mitarbeiter kommen unangekündigt und eventuell auch mehrmals am Tag. Wir nehmen unsere Sache ernst.“

Ilona Seifert hat überraschend eine Lösung gefunden. Ihr Sohn Martin wird den Hund für die Zeit der Quarantäne übernehmen. Eine Option, die aufgrund der Schwangerschaft der Schwiegertochter zunächst nicht im Blick stand. „Ich wollte meiner hochschwangeren Frau keinen Hund zumuten“, sagt Martin Seifert. Seine Frau sei aber entschlossen, den Hund für die Zeit zu nehmen. „Für Bruno und für meine Mutter ist das jetzt die beste Lösung“, erklärt er. Doch er sei sicher, dass nicht jeder Hundehalter einen Ausweg findet. Hier wünsche er sich mehr Verständnis und individuelle Lösungen.

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