Prozess um Messer-Attacke in Ameke: Beschuldigter fühlt sich verfolgt

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Vor dem Landgericht Münster muss sich ein Asylbewerber verantworten.

Münster/Ameke - Die Messer-Attacke in dem Asylbewerberheim in Ameke kurz vor Weihnachten hat jetzt vor dem Landgericht Münster ein juristisches Nachspiel.

Bei dem Verfahren handelt es sich um ein Sicherungsverfahren. Die zweite Strafkammer muss entscheiden, ob der Beschuldigte für seine Tat gar nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann, weil er sie im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat.

Dafür spricht nach Ansicht von Prof. Dr. Norbert Leygraf einiges. Der Direktor des Instituts für forensische Psychiatrie des LVR-Klinikum Essen hat sich zwei Mal mit dem Täter getroffen und sagte gestern als Gutachter vor Gericht aus. Ihm gegenüber habe der Täter erzählt, dass er sich verfolgt fühle und ihm nach dem Leben getrachtet werde.

Ist der Tunesier schuldunfähig?

Nach seiner Flucht aus Tunesien sei er über Italien nach Frankreich gekommen. Dort habe er Kontakt mit dem Drogenmilieu gehabt und sich auch dort dort mehrmals geschlagen. Man wolle ihm nach dem Leben trachten. Auch der Schwarzafrikaner, den er in Ameke mit einem Messer verletzte, sei seiner Meinung nach „hinter ihm her gewesen“ und aus Frankreich beauftragt worden, ihn umzubringen.

Die Angstgefühle haben sich laut Gutachter Leygraf auch in der JVA Münster, in die er nach seiner Verhaftung überstellt wurde, nicht gelegt. Auch dort hätten ihm andere Häftlinge nach dem Leben getrachtet. Der Beschuldigte berichtete davon, dass sein Essen vergiftet worden sei. Der Arm der französischen Drogenszene reiche sehr weit, habe er zum Ausdruck gebracht.

Die Ausführungen des Täters haben den Gutachter davon überzeugt, dass er einen kranken Menschen vor sich habe. Somit wurde der Täter nach einer Entscheidung des Amtsgerichtes in die forensische Klinik nach Eikelborn verlegt. Dort gehe es ihm jetzt besser, schilderte der Gutachter.

Zur Wort kam gestern Mittag auch der Geschädigte, ein 27-jähriger Asylbewerber aus Guinea. Er schilderte die Tatnacht, in der der Streit um einen WLan-Router eskalierte. Der Beschuldigte habe das Internet ausgeschaltet.

Streit um WLan-Router eskaliert

Das Opfer wollte den Tunesier zur Rede stellen und sei unvermittelt geschlagen worden. Danach sei er wieder auf sein Zimmer gegangen. Nach einer guten Viertelstunde sei es zu einer erneuten Auseinandersetzung gekommen. Im Zuge der Rangelei habe der Beschuldigte direkt mit einem Messer zugestochen und dabei auch die Halsschlagader getroffen. „Ich dachte, das werde ich nicht überleben und bin sofort auf die Straße“, schilderte er vor Gericht. Er habe keine Luft mehr bekommen und starke Schmerzen gehabt. Noch in der Nacht wurde eine Notoperation durchgeführt. Er leide noch heute unter Folgen der Tat und habe beispielsweise Angst, wenn er Messer sehe.

In den Zeugenstand wurden auch Bewohner des Asylbewerberheimes gerufen. Die Befragung zog sich hin, da sie mit Übersetzern vorgenommen werden musste.

An den genauen Tathergang konnten sich einige Zeugen nicht erinnern. Ein Mitbewohner habe wohl den Streit, nicht aber die Messerattacke bemerkt.

„Er war nicht in der Realität“

Deutlich wurde bei der Vernehmung, dass es mehrmals zu Spannungen unter den Bewohnern kam. Der Beschuldigte hatte vor allem vor den Schwarzafrikanern in der Unterkunft Angst. So berichtete ein Zeuge, dass der Messerstecher den Schwarzafrikanern vorwarf, ihm Gift auf sein Kopfkissen gelegt zu haben. „Er hatte etwas gegen die Schwarzafrikaner“, sagte ein Zeuge vor Gericht aus.

Dem Gericht erklärte ein weiterer Zeuge, dass der Beschuldigte nicht ganz richtig im Kopf sei. Er sei sehr misstrauisch und fühle sich verfolgt. „Er war nicht an der Realität“, so der Asylbewerber. Der Prozess wird fortgesetzt.

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