Paul-Gerhardt-Haus in Walstedde entwidmet

Ein letzter Gottesdienst im Gemeindehaus

Ein Augenblick, der schmerzt. Nach dem Gottesdienst zur Entwidmung des Paul-Gerhardt-Hauses mit Reden von Pfarrer Dr. Tilman Walter-Sollich (links) und Bürgermeister Carsten Grawunder (rechts) tragen Presbyteriumsmitglieder die liturgischen Gegenstände wie Osterkerze, Kreuz und Abendmahlskelch aus dem Gemeindehaus.
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Ein Augenblick, der schmerzt. Nach dem Gottesdienst zur Entwidmung des Paul-Gerhardt-Hauses mit Reden von Pfarrer Dr. Tilman Walter-Sollich (links) und Bürgermeister Carsten Grawunder (rechts) tragen Presbyteriumsmitglieder die liturgischen Gegenstände wie Osterkerze, Kreuz und Abendmahlskelch aus dem Gemeindehaus.

Zum letzten Mal feierten gut 70 Gläubige beider Konfessionen am Sonntagmorgen das Abendmahl im Paul-Gerhardt-Haus. Dann verabschiedeten sie sich in einer feierlichen Entwidmung von den sakralen Gegenständen. 36 Jahre war das Paul-Gerhardt-Haus für die evangelischen Christen in Walstedde Heimat und Gotteshaus.

Walstedde - Zukünftig wird einmal im Monat ein evangelischer Gottesdienst in der Lambertus-Kirche stattfinden.

Von einem traurigen Anlass und einem schmerzlichen Einschnitt sprach Pfarrer Markus Möhl, Vorsitzender des Presbyteriums, in seiner Begrüßungsrede. Der Beschluss, im September 2020 gefasst, sei angesichts der traurigen Konsequenz nicht leicht gefallen. „Immerhin wurden hier im Paul-Gerhard-Haus 36 Jahre lang Gottesdienste gefeiert“, so Möhl.

Ein trauriger Anlass und ein schmerzlicher Einschnitt. Immerhin wurden hier 36 Jahre lang Gottesdienste gefeiert.

Pfarrer Markus Möhl Vorsitzender Presbyterium Kirchengemeinde Ahlen

„Alles hat seine Zeit und alle Zeit liegt in Gottes Händen“, erinnerte der Synodalassessor des Kirchenkreises, Dr. Tilman Walther-Sollich, in seiner Ansprache.

Bei der Eröffnung habe niemand gedacht, dass es schon jetzt enden würde. Darum verstehe er die Trauer und Wehmut.

„Der demografische Wandel und die geänderten Bedürfnisse der Familien und nicht zuletzt die Finanzen haben uns keine andere Wahl gelassen“, sprach er klare Worte. „Sie haben die Entscheidung mitgetragen“, zollte er den Gemeindegliedern seinen Respekt.

Entwidmung des Paul-Gerhardt-Hauses in Walstedde

Entwidmung des Paul-Gerhardt-Hauses in Walstedde
Entwidmung des Paul-Gerhardt-Hauses in Walstedde
Entwidmung des Paul-Gerhardt-Hauses in Walstedde
Entwidmung des Paul-Gerhardt-Hauses in Walstedde
Entwidmung des Paul-Gerhardt-Hauses in Walstedde

Mit der Entwidmung des Gotteshauses mache man nun den Weg frei für eine neue Aufgabe des Hauses. In die Zukunft gedacht, werde der Abschluss leichter. „Dieses Haus, nun im Besitz der Stadt, bleibt ein Haus für die Dorfgemeinschaft“, versprach der Assessor.

Katholischen und evangelischen Christen rücken näher zusammen

Dankbar sei er, dass die katholischen und evangelischen Christen nun näher zusammenrücken. „Es ist Zeit, Mauern einzureißen, sie haben hier in Walstedde die Zeichen der Zeit erkannt“, lobte er die Entscheidung, zukünftig einmal im Monat einen evangelischen Gottesdienst in der Lambertus-Kirche abzuhalten. „Spüren Sie die Verheißung, Gott wird unsere Füße auch weiterhin auf weiten Raum stellen“, forderte er die Menschen auf.

Für Bürgermeister Carsten Grawunder war es bereits die zweite Entwidmung in seiner Amtszeit. Es müsse gelingen, die Jugend zu gewinnen, teilte er mit Blick auf die überwiegend älteren Kirchenbesucher mit. Gerade in der Kirche gebe es viele engagierte Menschen, dafür brauchen wir Nachwuchs.

„Ich finde es schade“, betonte er, denn eine Gemeinde brauche einen Ort. Im Paul-Gerhardt-Haus soll, sofern realisierbar, eine Mensa für die Kitas und die Grundschule eingerichtet werden. Dies könnte auch von älteren und alleinstehenden Menschen genutzt werden. „Es wäre eine wunderbare Lösung und eine angemessene Nachnutzung“, so der Bürgermeister.

Es erfüllt uns mit Freude, dass in unserer katholischen Kirche zukünftig evangelische Gottesdienste stattfinden.

Pater Johny

„Eine Ära geht zu Ende, wir können mitempfinden, was sie bewegt“, teilte Pater Johny mit. Ausdrücklich lobte er die christliche und soziale Arbeit, die im Paul-Gerhardt-Haus als geistlichem Zentrum geleistet wurde. „Wir werden das Paul-Gerhardt-Haus vermissen, finden aber Trost in der segensreichen säkularen Nachnutzung“, machte er deutlich.

Mit Blick auf die Zukunft versicherte er: „Es erfüllt uns mit Freude, dass in unserer katholischen Kirche zukünftig evangelische Gottesdienste stattfinden.“ Es gelte, den ökumenischen Gedanken weiterzutragen, damit jeder dort eine Heimat findet.

Lange Jahre aktives Gemeindeleben

Presbyterin Helga Hintzke-Hartwig ließ die vergangenen Jahre des Paul-Gerhard-Hauses noch einmal lebendig werden. Es habe hier lange Jahre ein lebendiges, aktives Gemeindeleben stattgefunden. „Jeden Tag war eine andere Gruppe dort, jedes Wochenende gab es einen Gottesdienst“, sagte sie.

Sie erinnerte an den Kirchenchor, den Posaunenchor, die Seniorengemeinschaft, die Jugend- und Kindergruppe, Frauenhilfe, Konfirmandenunterricht und Schulgottesdienst.

Auch außerhalb des Hauses sei die Gemeinde sehr aktiv gewesen: Die „Kirche auf Rädern“, Sommerfahrten und Osterfeuer habe sie in guter Erinnerung. Mit dem Wegfall der Pfarrstelle von Pfarrer Wilfried Voß und der Zugehörigkeit zum Kirchenkreis Hamm änderte sich vieles. „Es war keine schlechte Lösung und der Kontakt zu den Ahlener Pfarrern war gut, und trotzdem brachen mehr und mehr Gruppen hier weg“, bedauerte sie. „Die Kirche steht leider nicht mehr im Fokus vieler Menschen“, so ihre Erkenntnis. Auch wenn heute viele traurig wären, in Ahlen könne jeder in den Kirchen und den verschiedenen Gruppen eine neue Heimat finden.

Pfarrerin Dorothea Helling machte deutlich: „Wir verabschieden uns von einem Haus, nicht vom Wort Gottes.“ Dieser habe gesagt: „Fürchtet euch nicht“, es sei ein Satz aus der Tiefe und gelte noch heute.

Nach dem letzten Abendmahl im evangelischen Gemeindehaus trugen Mitglieder des Presbyteriums die Osterkerze, das Kreuz, die Bibel, die Taufschale und das Altartuch feierlich aus dem Paul-Gerhardt-Haus.

In einer Truhe verstaut: Die liturgischen Gegenstände aus dem Paul-Gerhardt-Haus in Walstedde sollen später einmal in einer anderen Kirche erneut Verwendung finden.

Im Garten des Paul-Gerhardt-Hauses fand noch eine kurze Verabschiedung statt und einige Lieder wurden gesungen, ehe die liturgischen Gegenstände, in einer großen Holzkiste verstaut, ihren Platz fanden. Dort werden sie so lange sicher verwahrt, bis sie in einer anderen Kirche erneut Verwendung finden.

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