Zwei Grundschulen, zwei Konzepte: Online-Unterricht für Lambertus-, Echtbetrieb für von-Galen-Schüler

Für die Viertklässler der Kardinal-von-Galen-Grundschule hat der Unterricht vor Ort wieder begonnen. Weil sie mit genug Abstand zueinander sitzen, kann der Unterricht – hier mit Lehrerin Silke Schade – ohne Mundschutz erfolgen.
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Für die Viertklässler der Kardinal-von-Galen-Grundschule hat der Unterricht vor Ort wieder begonnen. Weil sie mit genug Abstand zueinander sitzen, kann der Unterricht – hier mit Lehrerin Silke Schade – ohne Mundschutz erfolgen.

Grundschüler der vierten Klassen dürfen seit dem gestrigen Donnerstag wieder zur Schule gehen. Aber sie müssen offenbar nicht. Wir stellen zwei Grundschulen mit zwei Konzepten vor.

Walstedde/Drensteinfurt – „Wir bieten jedem Schüler an, zu kommen, finden es aber nicht sinnvoll“, sagt Birgitta von Rosenstiel, Leiterin der Walstedder Lambertusschule. Mit der Schulschließung Mitte März habe das Schulministerium NRW die Schulen aufgefordert, den Schülern „sinnvolle schulische Aufgaben mit Augenmaß“ an die Hand zu geben.

„Als Unterricht kann man das nicht bezeichnen“, sagt sie. An der Lambertusgrundschule habe es stattdessen von Beginn des Lockdowns sinnvollen Unterricht gegeben.

Mithilfe von Online-Homeschooling wurden die Schüler an jedem Schultag eineinhalb Stunden von ihrem Klassenlehrer unterrichtet. Dabei waren manchmal bis zu 30 Schüler gleichzeitig online. „Die Schüler konnten ihre Mitschüler und den Lehrer sehen, das hat ihnen gut getan“, erklärt sie.

Onlineunterricht an Lambertusschule

Nach dem Online-Unterricht sollten für weitere 90 Minuten Aufgaben und Wochenplanarbeiten erledigt werden. „Das selbstständige Arbeiten haben die Schüler schon vorher bei uns gelernt“, teilt von Rosenstiel mit. Der Lehrer stand zusätzlich für eine Stunde per E-Mail für Fragen zur Verfügung.

Das ganze System habe in Verbindung mit der Schul-Cloud, bei der Lehrer und Eltern in schnellem und gutem Kontakt standen, hervorragend funktioniert. „Die Schüler haben diszipliniert und motiviert gearbeitet und Lernfortschritte erzielt“, versichert die Schulleiterin. Nahezu 100 Prozent der Kinder und Familien seien erreicht worden. Insgesamt habe sie von Lehrern und Eltern, die sich ebenfalls sehr bemüht hätten, durchweg ein positives Feedback zum digitalen Unterricht bekommen.

Was gegen die Wiederaufnahme des normalen Unterrichts spricht

Wenn die vierten Klassen am Donnerstag gekommen wären, hätte sie die 78 Kinder in fünf Gruppen aufteilen müssen, die dann von fünf ihnen fremden Lehrern unterrichtet worden wären. Diese Lehrkräfte hätten wiederum den anderen Klassen nicht mehr für den Online-Unterricht zur Verfügung gestanden. Zudem findet von Rosenstiel einen Unterricht mit Mundschutz und Abstand für „pädagogisch nicht sinnvoll“.

In Absprache mit den Eltern habe sie den bewährten Zustand aufrechterhalten. Lediglich sechs Kinder seien am Donnerstag zur Schule gekommen. Dort haben sie, wie die Kinder zu Hause, am digitalen Homeschooling teilgenommen. Einziger Unterschied sei die Betreuung durch eine Lehrperson in der folgenden Einzelarbeit gewesen. Rein rechtlich, so berichtet sie, dürfe sie Schüler vom Präsenzunterricht befreien, wenn der Unterricht auf andere Art vermittelt werde.

In die Lambertusschule kamen gestern sechs Viertklässler. Sie erhielten – wie ihre Mitschüler zuhause – digitalen Unterricht, in diesem Fall mit Lehrerin Marlene Berstermann. Mit im Klassenraum war die pädagogische Fachkraft Adriane Dreyer.

Wie es in der kommenden Woche, wenn wieder alle Klassen zur Schule kommen dürfen, weitergeht, könne sie im Moment noch nicht sagen. Am Montag und Dienstag laufe alles wie bisher, ab Mittwoch wird neu entschieden. Fest steht für die Schulleiterin: „Im Bildungsministerium herrscht ein Chaos.“ Sie werde versuchen, für die Schüler der Lambertusschule ein Konzept zu finden, das für alle tragbar und nachvollziehbar ist. Das beziehe neben dem Unterricht auch den Bustransfer mit ein.

Zurück in den Alltag bei der von-Galen-Schule

Ganz anders geht es in der Drensteinfurter Kardinal-von-Galen-Grundschule zu: Schulleiter Norbert Bolz hatte mit dem Kollegium für den „Echtbetrieb“ alles akribisch für die 80 Schüler vorbereitet. Das fing bei der Eingangstür an, auf der alle Verhaltensregeln angeheftet waren. „Wir haben eine überschaubare Struktur geschaffen“, so Bolz.

Jede Klasse wurde in zwei Gruppen unterteilt, sodass im Schnitt in jeder Klasse zehn Kinder im nötigen Abstand von 1,5 Meter sitzen konnten. Von den 21 Lehrkräften stehen 14 Lehrer für den Unterricht zur Verfügung. Möglich sei der Unterricht daher nur mit Hilfe der Kräfte des Mütterzentrums. „Es war überschaubar, die Kinder waren sehr diszipliniert, haben sich an die Anordnungen gehalten, fast alle kamen mit Masken“, teilte Bolz anerkennend mit.

Bolz verschiebt seinen Ruhestand

Wie es in der kommenden Woche weitergeht, in der die Schule wieder für alle Jahrgänge geöffnet ist, steht noch nicht fest. „Wir werden das im Lehrerkollegium besprechen und die Eltern am Wochenende informieren“, teilte der Schulleiter mit.

Ursprünglich sollte Bolz zum 1.August in den Ruhestand gehen. Jetzt hat der Schulleiter ein weiteres Schuljahr angehängt. „Das hat nichts mit Corona zu tun, sondern liegt allein daran, dass ich jeden Tag gerne zur Schule gehe“, versichert er. Schon im Oktober habe er nach Rücksprache mit Kollegen und Schulamt diese Entscheidung getroffen. „Hier an der Schule läuft alles toll, ich freue mich, dass ich hier noch ein Jahr Schulleiter sein darf“, erklärte er.

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Weitere hilfreiche Informationen erhalten Sie unter www.kreis-warendorf.de. - WA

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