Bislang kein Lehrer infiziert

Ohne Internet nützt Tablet wenig: Schulen sind auf Distanzunterricht vorbereitet

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Ab Montag kommen sie zuhause zum Einsatz: Die iPads, mit denen die Schüler ausgestattet worden sind. Nächste Woche beginnt zwar die Schule wieder, allerdings sollen die Schüler möglichst nicht in der Schule, sondern zuhause lernen, so die Vorgabe vom Land. 

Es wird nicht langweilig für die Schulen, die Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar stellt einmal mehr Schulleiter, Lehrer, Schüler und Eltern vor Herausforderungen.

Drensteinfurt – Auch wenn mittlerweile das Distanzlernen beispielsweise weitgehend eingespielt ist, stellen sich mit der Entscheidung, die Schulen weiterhin zu schließen, neue Fragen.

Zum Beispiel nach der Notbetreuung. „Die Schulministerin rät dazu, dass möglichst alle Kinder zuhause bleiben“, sagt die Leiterin der Drensteinfurter Teamschule Anja Sachsenhausen, „wenn aber Schüler aus den Jahrgängen 5 und 6 für die Notbetreuung angemeldet werden, können sie natürlich kommen.“

Lehrer kann sie für die Betreuung allerdings nicht einsetzen, „die geben ja Distanzunterricht und haben damit auch alle Hände voll zu tun“. Sie werde also anderes Schulpersonal einsetzen und ist gerade Corona-bedingt im Gespräch mit den Mensa- und Sekretariatsmitarbeiterinnen sowie mit den beiden Schulsozialarbeitern.

Distanzunterricht: 100 iPads an der Teamschule

Konkret kann Anja Sachsenhausen erst in die Planung gehen, wenn die Bezirksregierung sich mit ihrem „Fahrplan“ an die Schulen wendet. Schon jetzt kümmert sich die Teamschule darum, dass die Eltern informiert werden – und zum Beispiel auf eines der 100 iPads zugreifen können, die die Schule in den Jahrgängen 5 bis 7 denjenigen Schülern zur Verfügung stellt, die kein eigenes haben. „Sollten Schüler der höheren Jahrgänge keine technischen Möglichkeiten zuhause haben, geben ihnen die Lehrer analoges Material zum Lernen an die Hand“, sagt die Schulleiterin. „Darüber hinaus kümmern die Förderlehrer sich intensiv um ihre Förderschüler.“

Besonders liegt den 55 Lehrerinnen und Lehrern der Teamschule am Herzen, dass durch den langen Lockdown kein Kind den Anschluss verliert – „in schulischer wie in sozialer Hinsicht“, wie Sachsenhausen betont. Sie werde nämlich durchaus mit Ängsten konfrontiert, die Schüler und Eltern haben, schließlich falle derzeit mit der Schule für so manchen der komplette soziale Lebensraum ersatzlos weg. „Unsere Schulsozialbarbeiter sind in diesen Wochen sehr aktiv und darauf bedacht, dass kein Schüler untergeht.“ Dankbar fügt sie hinzu: „Wir sind in der glücklichen Lage, gleich zwei Schulsozialarbeiter zu haben.“

Distanzunterricht: Abschlussprüfungen und Stoffübermittlung

Einen Anstieg von Verweigerungshaltung unter den Schülern haben die Lehrer durch den Distanzunterricht bislang nicht festgestellt, auch liege man mit der Stoffübermittlung noch gut in den Jahresplänen. Die Abschlussschüler bereiten wenig Sorgen: „Sie haben ihren eigenen Ansporn.“ Mit den Klausuren hinken sie allerdings hinterher, da müssten noch Lösungen gefunden werden, so die Schulleiterin. „Englisch kann man ja noch online mündlich prüfen, bei Mathe wird das schon schwierig.“ Die Abschlussprüfungen sind bereits vor einiger Zeit nach hinten geschoben worden: Am 19., 20. und 27. Mai wird es für die Teamschüler ernst, bevor sie am 1. Juli ihre Abschlusszeugnisse überreicht bekommen.

Krankheitsfälle hat es im Lehrerkollegium bisher nicht gegeben, schätzt sich Anja Sachsenhausen glücklich. „Von den Testmöglichkeiten haben wir durchaus Gebrauch gemacht – bislang gab es keinen positiv getesteten Fall“, sagt sie und hofft natürlich sehr, dass das in Zukunft so bleibt.

Mit den Elternvertretern und Eltern ist die Schule im engen Kontakt, vor allem über die schuleigene Plattform IServ: „Wir geben darüber jede Entwicklung und Planung umgehend weiter.“

Distanzunterricht: Schüler in Rinkerode erarbeiten Wochenplan

Um 12.38 Uhr am Donnerstag empfing Jutta Nienhaus die E-Mail des Schulministeriums. „Diesen Erlass brauchen wir, um konkrete Maßnahmen einzuleiten“, erklärt die Schulleiterin der Grundschule Rinkerode. Jetzt erst könne sie die Rahmenbedingungen für den Unterricht und die Betreuung ab dem 11. Januar schaffen. Dabei arbeitet sie eng mit einer Steuerungsgruppe und einem Krisenteam zusammen, „diese beiden Gremien sind eine enorme Unterstützung“.

Auch in Rinkerode seien in Sachen Distanzlernen mittlerweile alle erprobt und vorbereitet. „In der Lockdownwoche vor Weihnachten haben wir einen Wochenplan für die Schüler eingeführt, den sie ortsunabhängig erarbeiten konnten“, erläutert Jutta Nienhaus. Das habe inhaltlich ganz gut funktioniert und war in der Mischung mit analogem Arbeitsmaterial und digitaler Ergänzung zum Beispiel durch Erklärvideos machbar.

Tablets für den Schulunterricht: Mit Blick auf den bevorstehenden digitalen Unterricht wird weiter digital aufgestockt.

Distanzunterricht: Internet, Fortbildungen und Notbetreuung

„Überhaupt sind wir jetzt viel besser aufgestellt als noch im März“, stellt die Schulleiterin fest. „Wir wurden mit den entsprechenden Geräten ausgestattet und haben uns fortbilden lassen, so dass wir auch die Software kennen.“ Das bedeute jedoch nicht automatisch, dass alle Schüler gleich gut damit zurechtkommen: „Mit der Aushändigung eines iPads ist es ja nicht getan, sie müssen es bedienen können, brauchen im besten Fall einen Drucker im Haus und vor allem: Internet.“ Sobald es ländlich wird, gibt es hierbei Probleme. Und die kennt das Rinkeroder Kollegium, denn schon im September haben die Lehrerinnen die Voraussetzungen, die jeder einzelne Schüler zuhause hat, abgefragt, um sich ein Bild zu machen.

„Dieses Wissen kommt uns jetzt zugute, wir können individuell unterstützen und so hoffentlich vermeiden, dass Schüler in dieser Zeit den Anschluss verlieren“, nennt Jutta Nienhaus ihr wichtigstes Ziel. Sie ist froh, ihr komplettes Kollegium im Rücken zu haben, einen positiven Covid-Fall habe es glücklicherweise die ganze Zeit ebenfalls nicht gegeben. Kürzlich hat sie noch einen Elternbrief auf den Weg gebracht – auch um den Bedarf an Betreuung in der Schule für die nächsten Wochen abzufragen.

Wer Not hat, eine Betreuung des Kindes oder der Kinder zuhause zu gewährleisten, kann sich dafür anmelden, die OGS-Mitarbeiter des Mütterzentrums in Beckum stellen die Betreuung sicher. Jutta Nienhaus stellt aber eindringlich klar, dass dieses Angebot wirklich nur einen Notnagel darstellt: „Alle Eltern sollten intensiv prüfen, ob die Kinder nicht doch zuhause bleiben können und zum Beispiel von dem Angebot Gebrauch machen, die zusätzlichen Krankentage zu nutzen. Das ist ja im Sinne der gesamtgesellschaftlichen Zielsetzung dieses Lockdowns.“

Distanzunterricht: KvG informiert Eltern auch über IServ

In der Kardinal-von-Galen-Grundschule (KvG) schätzt auch Schulleiter Norbert Bolz, dass sich die digitale Ausstattung mittlerweile sehen lassen kann. Digitale Tafeln und iPads sind da, nutzbar sind sie aber quasi nur in der Pausenhalle – „fast der einzige Raum, in dem wir WLan haben“, sagt das Schulleiter. Lichtblick für ihn sei Donnerstagmorgen die Nachricht gewesen, dass nächste Woche die Klassenräume des dritten und vierten Jahrgangs mit WLan versorgt werden.

Donnerstag und Freitag waren sechs Kinder in der Schule, um betreut zu werden, Norbert Bolz hofft, dass es – wenn überhaupt nötig – bei einer kleinen Zahl bleibt. Die Information für die Eltern unter anderem zu diesem Thema fließt auch hier über die Schulplattform iServ, mit der fast alle Drensteinfurter Schulen arbeiten. Darüber erfahren Eltern zeitnah mehr über die aktuellen Entwicklungen und über die Maßnahmen, die an der jeweiligen Schule umgesetzt werden.

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