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Grundschulen müssen Corona-Verdachtsfälle plötzlich per Schnelltest prüfen

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Von: Mechthild Wiesrecker

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Lollitest
Nur noch ein Lolli-Test: Grundschüler dürften nur noch ein Teststäbchen für den Pool-Test abgeben. Die Rückstellprobe für den zweiten Lolli-Test hat das NRW-Schulministerium abgeschafft. © Roland Weihrauch/dpa (Symbolbild)

Gerade hatten sich die Grundschulen an die vom Schulministerium vor zwei Wochen angeordneten Rückstellungstests bei einem positiven „Lolli“-PCR-Pooltest gewöhnt, da wurden sie schon wieder abgesetzt. Hintergrund sind die knappen Laborkapazitäten. Ab sofort übernehmen Eltern oder Lehrer die Aufgabe, Kinder aus einer positiven Poolklasse mittels eines Schnelltests zu kontrollieren. Nur dann dürfen die Kinder am Präsenzunterricht teilnehmen.

Drensteinfurt/Rinkerode - Die Kardinal-von-Galen-Grundschule ist mit mehreren positiv getesteten Pool-Klassen besonders betroffen, und doch hat Schulleiterin Claudia Voß auf pragmatische Weise die Lage unter Kontrolle. Auch wenn nicht alles läuft, wie es soll, macht das Schulkollegium alles, was nötig und erforderlich ist, um die Omikronwelle einzudämmen.

Die Meldung des NRW-Schulministeriums überraschte Claudia Voß am Dienstagabend. „Das System mit den Rückstellungstest fand ich richtig gut“, erklärt sie. Es sei schade, dass es nicht mehr funktioniert, gleichwohl verstehe sie, dass es Berufsgruppen gebe, die die PCR-Tests nötiger brauchen. Natürlich habe es in den letzten Tagen auch vermehrt Kinder gegeben, die zuhause saßen, gerne zur Schule kommen wollten und auf das Einzeltestergebnis warteten, das dann nicht gekommen sei.

Lehrer mussten unvorbereitet agieren

Für die Lehrer betroffener Klassen begann der Unterricht am Mittwoch völlig unvorbereitet mit den Schnelltests. „Es war unbefriedigend, zu wissen, dass Kinder hier sitzen, die wieder nach Hause geschickt werden müssen“, versucht Voß ihre Gefühle zu erklären.

Glücklicherweise liegen in der Schule genügend Schnelltests vor und, so versichert die Schulleiterin: „Wir können auch schon wieder Tests nachbestellen.“ Das scheint auch erforderlich zu sein, denn die Kinder aus einem positiven Klassen-Pool müssen so lange getestet werden, bis der gesamte Klassen-Pool negativ ist. „Es kann ja gut sein, dass ein weiteres Kind positiv ist, sodass auch der Pool erneut positiv ist“, verdeutlicht Voß. In der Folge könnte es passieren, dass Kinder eine Zeit lang jeden Tag getestet werden. „Wir haben gesehen, wenn erst einmal ein Kind positiv ist, sind es oft später auch andere Kinder.“

Das System mit den Rückstellungstest fand ich richtig gut, schade, dass es nicht mehr funktioniert.

Claudia Voß Leiterin der Kardinal-Von-Galen-Grundschule

Positiv hob sie hervor, dass vom Labor schon früh der Hinweis kam, nun keine Einzeltests mehr auswerten zu dürfen. So habe sie die Eltern schon am Nachmittag per Mail darüber informiert und gebeten, mit ihrem Kind einen Schnelltest im Testzentrum zu machen. „Eine Reihe von Eltern hat davon Gebrauch gemacht“, erklärt sie dankbar. Jedes Kind, das mit einem negativen Test in die Schule kommt, braucht nicht mehr getestet werden und entlastet die Lehrer. Ist der Schnelltest erst in der Schule positiv, müssen die Eltern oder eine Vertrauensperson das Kind abholen. Bis zur Abholung warten die Kinder im Verwaltungstrakt.

Bewunderung die für Kinder

Für Claudia Voß ist es immer wieder bemerkenswert, wie gut die Kinder mit der Situation umgehen. „Es ist schon viel, was den Kindern in dieser Pandemie alles zugemutet wurde“, sagt sie. Natürlich seien die Kinder vom Schnelltest nicht begeistert gewesen. Und doch ergänzt sie bestimmt: „Die Kinder kommen oft besser klar als manche Erwachsene.“

Sie verstehe aber auch die Sorgen der Eltern, auch den Wunsch, weitere Einzeltests durchzuführen; aber das könne sie ja nun mal nicht ändern.

Zunehmender Krankenstand innerhalb des Kollegiums

Was der Schulleiterin jedoch Sorgen bereitet, ist der zunehmende Krankenstand innerhalb des Kollegiums. Bis jetzt findet der Unterricht unverändert statt, vorstellbar ist aber, dass Angebote rund um den Unterricht nicht mehr machbar sind. „Wir haben vom Schulministerium alle Freiheiten, um den Unterricht stemmen zu können.“

„Ich hoffe, dass wir das noch lange schaffen. Wenn wir eines Tages mit fünf Kollegen dastehen, können wir natürlich keine 350 Kinder unterrichten.“ Aber: „Unsere Kollegen versuchen alles, um zur Schule zu kommen“, stellt sie dankbar fest und gibt zu: „Es sind schwierige Zeiten.“

Jutta Nienhaus, Schulleiterin der Rinkeroder Grundschule, sieht in der neuerlichen Änderung der Teststrategie einen ganz anderen Aspekt: „Es scheint jetzt so, als gehörten Schüler nicht zur vulnerablen Gruppe“, sagt sie – und das, obwohl Kinder die Zukunft seien.

Es scheint jetzt so, als gehörten Schüler nicht zur vulnerablen Gruppe, obwohl Kinder die Zukunft sind.

Jutta Nienhaus Schulleiterin der Rinkeroder Grundschule

Für die Kinder und Eltern bedeute das eine weitere Verunsicherung. „Das nimmt die Regierung in Kauf, obwohl man weiß, dass gerade Kinder eine besondere Stabilität und Vorhersehbarkeit brauchen“, resümiert sie.

Dass emotionale und gruppendynamische Bedürfnisse in der Gesellschaft nicht den Stellenwert hätten, den sie sich wünsche, sei sehr traurig.

Auch Jutta Nienhaus hat einen Brief an die Eltern herausgegeben, mit der Empfehlung des Ministeriums, im Falle eines positiven Poolergebnisses, mit dem Kind zum Bürgertest zu gehen. „Damit erreichen wir eine größtmögliche Sicherheit für das Kind, aber auch die ganze Schulgemeinde“, erklärt sie. Würden die Kinder in der Schule getestet, blieben alle Kinder im Klassenzimmer, möglicherweise auch Kinder, die positiv sind und die dann aus der Klasse herausgenommen und abgeholt werden müssen.

Große Belastung für das Kollegium

Vor Weihnachten seien die „Lolli“-Tests 2.0 beworben worden, um einen Tag Quarantäne herauszuholen. „Zehn Tage hat es gehalten, es wäre besser gewesen, es gar nicht einzuführen“, findet sie. Auch wenn sie zugibt: „Mit den sehr sensitiven Lolli-Tests haben wir uns sicher gefühlt.“

Abschließend gewährt sie einen Einblick in ihre und die Verfassung ihrer Kollegen: „Wir sind emotional und kräftemäßig ziemlich auf.“ Nächtliche Arbeitseinsätze, viel Konzentrationskapazität und erhöhte Kommunikation beanspruchen viel Zeit – Zeit, die besser für die Kinder eingesetzt werden müsste.

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