Anschlag in Halle verleiht Besuch ungeahnte Aktualität

Mahnende Worte beim Besuch von NRW-Staatssekretär in ehemaliger Synagoge

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Klaus Kaiser, Parlamentarische Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft in NRW (rechts), würdigt die ehemalige Synagoge als Ort der Erinnerung und lobte die Arbeit des Synagogenvereins.

Drensteinfurt – Der Besuch war lange geplant, doch durch den Anschlag auf die Synagoge in Halle mit zwei Toten am vergangenen Mittwoch gewann er ungeahnte Aktualität. Der Parlamentarische Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft in NRW, Klaus Kaiser, machte auf seiner Tour zu den 29 Gedenkstätten im Land, Station in der ehemaligen Synagoge in Drensteinfurt.

„Die ehemalige Synagoge ist ein wichtiger Ort, um sich zu erinnern“, erklärte Kaiser. Es sei ein besonderes Zeichen, dass die Gedenkstätte von der Bürgerschaft und der Kommune getragen werde, was zu einer Verwurzlung in der Gesellschaft führe. 

„Ihre Arbeit ist uns wichtig“, lobte er das Engagement des Synagogenvereins. Das ehrenamtliche Engagement sei so unentbehrlich, dass das Land die Förderung für Gedenkstätten erhöht habe. Das sei gerade jetzt von besonderer Bedeutung, da die Erlebnisgeneration und somit die Zeitzeugen aussterben.

"Das muss uns alle nachdenklich machen"

„Wir müssen das Geschehen weiter aufarbeiten und mit den jungen Menschen diskutieren“, erklärte er und nahm dann Bezug zu den Geschehnissen in Halle. „Was passiert ist, macht mich betroffen, lässt mich schaudern“, teilte er mit. Es erschlage einen förmlich, dass ein Mensch, der antisemitisch orientiert ist, ein Massaker verursachen wollte. Ja sogar Menschen getötet habe, die vollkommen unschuldig waren. „Allein getrieben durch Hass und Unberechenbarkeit“, stellte er fest. „Das muss uns alle nachdenklich machen, Hass und Ausgrenzung dürfen nicht an die Tagesordnung kommen“, forderte er. 

Gerade im Internetzeitalter würden extreme Positionen schneller und weiter verbreitet. Die rechtsradikale Szene sei gut vernetzt, da müsste die Bürgerschaft dagegenhalten. „Machen Sie nicht mit, dass Menschen ausgegrenzt werden“, forderte er die Drensteinfurter auf. Gerade die ehemalige Synagoge sei ein Platz, wo Toleranz, Respekt und das Miteinander von Kulturen und Religionen gelebt werde. 

Freiheitliche Grundwerte

Auch Bürgermeister Carsten Grawunder nahm Bezug auf das antisemitische Attentat in der Synagoge in Halle. „Der aktuelle Anlass bestätigt uns, dass es richtig ist, immer wieder daran zu erinnern, was im Dritten Reich den jüdischen Familien angetan wurde“, sagte Grawunder und betonte: „Der Anschlag in Halle sitzt uns allen noch in den Knochen.“ Umso wichtiger sei es, die Dinge die geschehen sind, in Erinnerung zu rufen, um die zu mahnen, die Verantwortung tragen. „Wir hier in Drensteinfurt stehen fraktionsübergreifend für die freiheitlichen Grundwerte unseres demokratischen Systems ein“, versicherte er.

Dr. Sabine Omland, Vorsitzende des Synagogenvereins, erinnerte in ihrer Ansprache noch einmal an die Geschichte der Alten Synagoge, ihre Restaurierung, aber auch an die jüdischen Mitglieder in der Gemeinde. Besonders dankbar sei sie der Stadt für die gute Wiederherstellung der Synagoge, in der man bewusst darauf verzichtet habe, Bänke und Thora zu platzieren, um nicht den Eindruck zu erwecken, es sei eigentlich gar nichts passiert.

Walter Gröhne, der seinerzeit die Alte Synagoge aus der Vergessenheit geholt hatte, hob die Doktorarbeit von Sabine Omland hervor, in der sie die nationalsozialistischen Schülerzeitschriften aus dem dritten Reich aufgearbeitet hatte. Mithilfe dieser Zeitschriften seien die Seelen der Schüler vergiftet worden, das zeige heute noch seine Wirkung. Durch ihre Arbeit habe Dr. Omland einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte geleistet.

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