Der Retter aus dem Kühlschrank

Ärztehelfer: Dose im Kühlschrank mit Infos zu Erkrankungen hilft im Notfall

Maria-Luise Schoster verkauft in der Maximilian-Apotheke die Notfalldose.
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Maria-Luise Schoster verkauft in der Maximilian-Apotheke die Notfalldose.

Bei einem Notfall bleibt oftmals nicht viel Zeit, schnelles Handeln ist erforderlich. Gerade wenn Menschen alleine leben, stehen Helfer oft ohne Informationen da. Die Notfalldose kann diese Lücke schließen. Hildegard Kreickmann wurde von ihrer Freundin auf den „Retter aus dem Kühlschrank“ aufmerksam gemacht. Seitdem steht die kleine Dose mit Informationen, unter anderem über Medikation und Erkrankungen, in der Innenseite ihres Kühlschranks.

Walstedde – Ruth Kuretitsch aus Ahlen hörte von der Notfalldose, als ihre Mutter einen Notfallknopf bekam. Sie war sofort begeistert und teilte ihr Wissen mit Hildegard Kreickmann. Die Walstedderin war von der einfachen, aber wirkungsvollen Dose sofort überzeugt. „Ich musste auch schon mal gerettet werden“, erinnert sie sich. Damals war sie bei Bewusstsein, aber wie schnell könne man stürzen und bewusstlos werden, sagt sie. Bei der 76-Jährigen können sich die Rettungskräfte schnell einen Überblick verschaffen. An der Innenseite der Haustür klebt ein Aufkleber, der sofort verrät, dass die Bewohnerin eine Notfalldose besitzt. Und die steht immer in der Innentür des Kühlschranks. Ein weiterer Aufkleber befindet sich zur schnelleren Sichtung auf der Kühlschranktür.

„Einen Kühlschrank hat jeder und der steht in der Regel in der Küche“, erklärt Apothekerin Marie-Luise Schoster den ungewöhnlichen Ort. Genau hier müssen auch einige Medikamente gelagert werden. Sie ist vom Prinzip der Notfalldose ebenfalls überzeugt. 2014 habe sie zum ersten Mal davon gehört. Im Dezember 2018 habe die Apothekenkammer Westfalen- Lippe im Rahmen einer Aktion jeder Apotheke 20 Dosen kostenlos zur Verfügung gestellt, damit die Menschen sie kennenlernen. „Gerade im Notfall sind auch Angehörige oft kopflos“, stellt sie fest. Dann fällt der Name des Medikamentes nicht ein oder welche Vorerkrankungen vorliegen. „Manchmal kommt es auf Sekunden an“, sagt sie.

Notfall-Infoblatt im Kühlschrank

Auch ein Pflegedienst könne bei alleinlebenden Patienten von der Dose, gefüllt mit Informationen, profitieren. Im Innern der Dose befindet sich ein Notfall-Infoblatt, das vom Bewohner ausgefüllt werden muss. Darin macht er Angaben zum Gesundheitszustand, Allergien und Medikamenten. Es soll aber auch die Adresse und Telefonnummer der Kontaktperson, die benachrichtigt werden soll, des Hausarztes, gegebenenfalls des Pflegedienstes dort eingetragen werden. Auch ein Hinweis auf eine Patientenverfügung oder einen Organspendeausweis und wo diese zu finden sind, sollte auftauchen.

Gerade für ältere alleinstehende Menschen ist eine gepackte Kliniktasche eine Erleichterung. Doch wo die steht, weiß der Rettungsdienst nicht. Darum kann auch diese Information in das Notfall-Blatt eingetragen werden.

Angaben aktuell halten

„Wichtig ist es aber, die Angaben immer wieder zu aktualisieren sobald sich etwas verändert hat“, macht Schoster deutlich.

Empfehlenswert sei es, so die Apothekerin, für jede im Haushalt lebende Person eine eigene Notfalldose anzuschaffen und auch wenn ältere alleinlebende Menschen scheinbar die wichtigste Zielgruppe sind, glaubt Marie-Luise Schoster, dass alle davon profitieren.

Das findet auch Hildegard Kreickmann, die schon in ihrem Bekanntenkreis für die lebensrettende Dose geworben hat. „Sie stört nicht im Kühlschrank und kostet nicht viel Geld“, erklärt sie.

Hildegard Kreickmann (links) zeigt den Platz ihrer Notfalldose im Kühlschrank, rechts Marianne Möllers.

Marianne Möllers (80) hat seitdem ebenfalls eine Notfalldose im Kühlschrank stehen. „Passieren kann immer was und die Dose beruhigt mich“, gibt sie zu.

Die Notfalldose kann in der Maximilianapotheke erworben werden. Man kann sie auch im Internet oder in jeder anderen Apotheke kaufen.

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