Notbetreuung in Kitas: Fast schon Normalbetrieb

Alle Gruppen in der Zwergenburg spielen derzeit streng getrennt. Fürs Foto steigen Lea und Johannes ausnahmsweise zusammen aufs Pferd – „geritten“ wird natürlich mit Abstand. Das Team trägt Maske, wie hier Leiterin Petra Wrede (hinten links) und Erzieherin Laura.
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Alle Gruppen in der Zwergenburg spielen derzeit streng getrennt. Fürs Foto steigen Lea und Johannes ausnahmsweise zusammen aufs Pferd – „geritten“ wird natürlich mit Abstand. Das Team trägt Maske, wie hier Leiterin Petra Wrede (hinten links) und Erzieherin Laura.

Die vom Bund gezogene Corona-Notbremse sieht bei einer Inzidenz von 165 die Notbetreuung in den Kindertageseinrichtungen vor, im Kreis Warendorf sind die Kitas davon betroffen.


Drensteinfurt – In einem Brief appelliert NRW-Familienminister Joachim Stamp zwar an Eltern, ihre Kinder möglichst zuhause zu betreuen. Dass der FDP-Minister aber nicht wirklich hinter der Corona-Notbremse steht, wird in zahlreichen Ausnahmen deutlich, die den Kitabesuch ermöglichen. So manche Kindertageseinrichtung arbeitet daher nahezu im Normalbetrieb. Zum Beispiel in Walstedde.

„Für uns hat sich nicht wirklich viel geändert“, erklärt Sabine Bäcker unumwunden. Die Leiterin der Kindertageseinrichtung St. Lambertus zuckt fast resignierend mit den Schultern. Von insgesamt 68 Kindern, die die Kita zählt, sind am Montag 44, am Dienstag sogar 52 gebracht worden. Fast wie immer also. „Unsere Arbeit gestaltet sich allerdings in Corona-Zeiten ganz und gar nicht wie immer.“

Mehr Aufwand in Kitas wegen Corona-Maßnahmen

Allein der Einlass ist aufwendig, denn die Kinder werden draußen an verschiedenen Eingängen abgeholt und in ihre Gruppen begleitet. Bei jedem Toilettengang geht ebenfalls eine Erzieherin mit, um zu gewährleisten, dass die Kinder im Umgang mit den Hygieneregeln angeleitet werden und alles einhalten. „In dieser Zeit kann die Erzieherin die Gruppe ja nicht allein lassen, schon deshalb müssen immer zwei Kräfte da sein.“

Im Informationsblatt des NRW-Familienministeriums steht, wer Anspruch auf die bedarfsorientierte Notbetreuung hat:

  • Kinder, für die der Besuch aus Gründen des Kinderschutzes erforderlich ist
  • besondere Härtefälle in Absprache mit dem Jugendamt
  • Kinder aus belasteten Lebenslagen
  • Kinder mit Behinderungen sowie Kinder im letzten Jahr vor der Einschulung
  • Kinder, deren Eltern die Betreuung nicht anders sicherstellen können, insbesondere, wenn sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen müssen (Nachweis per Eigenerklärung).

Corona-Maßnahmen: Kita-Personal und Eltern am Limit

Sabine Bäcker und ihr Team beschweren sich nicht über zusätzliche Maßnahmen und Aufgaben, „das gehört zu unserer Arbeit und muss geleistet werden“. Doch sie würden sich angesichts der dritten Coronawelle wünschen, dass auch der Kita-Betrieb deutlich zurückgefahren wird. Schulen zu, Kitas offen – das verstehen sie nicht.

Dabei mangelt es den Erzieherinnen nicht am Verständnis für die Situation der Eltern, das betont auch Marion Fritz, die als Verbundleitung für die vier Katholischen Tageseinrichtungen St. Marien, St. Regina, St. Lambertus und St. Pankratius zuständig ist. „Viele Familien sind am Limit“, erklärt sie. Berufstätigkeit, Homeoffice, Homeschooling – das ist mit kleinen Kindern eine starke Belastungsprobe. „Und weil sie nicht mehr können, nehmen Mütter und Väter natürlich die Möglichkeit der Notbetreuung in Anspruch, die sie sich lediglich selbst per Vordruck bescheinigen müssen.“

Spagat zwischen Familie, Beruf und Corona-Maßnahmen

Viele Erzieherinnen und Erzieher seien aber ebenfalls erschöpft, gibt Marion Fritz zu Bedenken. Corona verlangt allen einiges ab, „neben der veränderten Arbeitsweise und der Umsetzung von Auflagen müssen manche von ihnen ebenfalls Familie und Beruf unter einen Hut bringen“. Und den Unmut der Eltern auffangen, wie Sabine Bäcker hinzufügt. „Es wird viel diskutiert, die Unzufriedenheit ist groß“, sagt die Kita-Leiterin. „Dennoch würde ich mir wünschen, dass Familien weiterhin andere Möglichkeiten ausschöpfen, beispielsweise die Kinderkrankentage in Anspruch nehmen, die der Gesetzgeber dazu gibt.“ Ihr ist bewusst, dass die meisten von ihrem Arbeitgeber keinen Applaus bekommen – „unsere Kolleginnen und Kollegen machen von dieser Möglichkeit ja auch Gebrauch“.

Positiv stimmt, dass endlich die Schnelltests da sind. Diese hat Marion Fritz Ende vergangener Woche in die katholischen Kitas gebracht, von dort aus wurden sie ans Team sowie an die Familien weiterverteilt. „Das gibt zusätzliche Sicherheit, und wir hoffen, dass die meisten ihre Kinder tatsächlich zuhause testen, es ist ja freiwillig.“

Corona-Maßnahmen in Kitas: Gemeinsam da durch

In der Zwergenburg sind die Tests erst am Montag angekommen, wie Kita-Leiterin Petra Wrede berichtet. Auch hier ist die Freude groß, obwohl die Verteilung an die Familien viel Arbeit macht. Im Gegensatz zu Walstedde wird die Notbetreuung in den Drensteinfurter Tageseinrichtungen insgesamt weniger stark in Anspruch genommen; rund 40 von 102 Kindern besuchen diese Woche die Zwergenburg.

Wie ihre Kolleginnen kritisiert auch Petra Wrede die Politik, die hier nicht wirklich regulierend wirkt: „Mit den vielen Ausnahmen kann im Prinzip jeder sein Kind in die Kita bringen.“ Gleichzeitig lobt sie „ihre“ Eltern, die zum Teil die Kinderkrankentage in Anspruch nehmen und sehr solidarisch mit der Situation umgehen.

Sabine Bäcker bringt die Stimmung ihrer Kollegen und Kolleginnen auf den Punkt – sie appelliert: „Die Situation ist für alle schwierig, doch wir müssen uns als Gesellschaft klar machen: Wir schaffen das nur gemeinsam.“

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