Stadtgeschichte

Buch über die Drensteinfurter von einst

 Norbert Roling zeigt einen Stadtplan des historischen Drensteinfurt
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Wer hinterließ wo in Drensteinfurt Spuren: Norbert Roling zeigt einen Stadtplan des historischen Drensteinfurt. Der ist auch seinem Buch abgebildet.

Drensteinfurt – Wer waren die Drensteinfurter in längst vergangenen Jahrhunderten? Wer waren die Familien, die Mägde, die Knechte, die Bauern, Handwerker, Kaufleute? Norbert Roling versucht in seinem neuen Buch „Drensteinfurter Steuer- und Personenlisten“, Teil 1, darauf Antworten zu geben.

Es geht um die Menschen, die zwischen 1498 und 1803 in Drensteinfurt lebten. Steuern mussten auch im 16. bis 18. Jahrhundert bezahlt werden. Viele Steuerlisten sind in den Archiven erhalten. Für Rolings Personenlisten wurden sie die wichtigsten Quellen. Für den Autor fing alles damit an, dass er über die Vorfahren seiner Eltern mehr wissen wollte. Nach vierjähriger Arbeit hatte er ein großes Nachschlagewerk geschaffen. Es ist für alle interessant, die sich für die Drensteinfurter interessieren, die vor mehr als 200 Jahren lebten. Das Buch erscheint als Teil 1. In einer Fortsetzung soll es um die Personen des 19. und 20. Jahrhunderts gehen.

Listen ab dem Jahr 1498

In dem Buch lassen sich bis heute bekannte Drensteinfurter Namen finden. In zeitlich aufeinander folgenden Listen ab 1498 präsentiert Roling die Drensteinfurter Personen aus dem Wigbold (später Stadt) und aus den sechs Bauerschaften Natorp, Averdung, Eickendorf, Mersch, Rieth und Ossenbeck. Die Bevölkerungsgruppen in Stadt und Land werden sichtbar. Während in der Stadt eher die „kleinen“ Leute lebten, findet sich in den umliegenden Bauerschaften ein Spektrum von wohlhabenden Bauern mit hohem Steueraufkommen bis zu wenigen Armen.

Auch die große Politik wird sichtbar. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) hatte für manche katastrophale Folgen, wenn ihnen zum Beispiel der Hof durch Brandschatzung verloren gegangen war. Auch der Siebenjährige Krieg (1756–1763) sorgte für zerstörte Existenzen. Auch positive Entwicklungen fallen auf, wie die gesetzliche Verpflichtung von 1769, der landesweit neu geschaffenen Feuerversicherung beizutreten. Dadurch erhielten alle Häuser erstmals eine Nummer. Dies ist hilfreich, wenn man gesichert erkennen will, welche Menschen in welchen Häusern und Höfen lebten.

Arbeitsleben begann im Kindesalter

Zusätzlich zu den Steuerlisten sind in dem Buch weitere Personen- und Abgabenlisten enthalten. Dazu gehören insbesondere die wenigen Gesamtlisten der Bevölkerung für einzelne Jahre. Diese nennen auch alle Kinder und im Haushalt mitwohnenden Bediensteten. Es wird deutlich: Das Arbeitsleben begann für die meisten schon im Kindesalter, oft unter zwölf Jahren. Bewegend sind Schicksale, so die Nennung junger Witwen und Witwer. Einmal werden für einen großen Hof – Suthoff in Ossenbeck – nur Personen unter 30 Jahren genannt. Der Hofinhaber war 19 und frisch verheiratet. Kurz vorher müssen wohl alle älteren Bewohner des Hofes gestorben sein.

„Norbert Roling ist es gelungen, die Listen auch dank der übersichtlichen Gestaltung zum Sprechen zu bringen. Vielen Tabellen und Listen hat er, wenn dies erforderlich war, Erklärungen vorangestellt. Mit verschiedenen Interessen, ob zum Schmökern oder zum Weiterforschen, wird man das Buch gern zur Hand nehmen,“ meint Bürgermeister Carsten Grawunder. „Unser Dank gilt dem Autor und seinen Unterstützern für dieses bedeutende Ergebnis akribischer jahrelanger Arbeit.“ Norbert Rolings Buch ist in der Reihe „Quellen und Forschungen zu Drensteinfurt“, die seit 2011 von der Stadt Drensteinfurt herausgegeben wird, als Band 3 erschienen. Es ist ab sofort bestellbar und ab dem 14. Dezember im Buchhandel erhältlich.

Das Buch
Norbert Roling, Drensteinfurter Steuer- und Personenlisten, Teil 1. Schatzungsregister und andere Listen von Personen und Leistungen 1498–1803 (Quellen und Forschungen zu Drensteinfurt, Band 3), Münster 2020, 440 Seiten, bebildert, Verlag Aschendorff, 29,80 Euro.

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