Allesfresser ohne Feinde

Nicht nur niedlich: Immer mehr Waschbären auch in Walstedde

Waschbär
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Gute Kletterer: Waschbären räubern Vogelnester auch in hohen Bäumen aus. Die Allesfresser sind damit eine Gefahr für zahlreiche Vogel- und Greifvogelarten sowie Fledermäuse.

Nach Schätzungen von Experten leben heutzutage mehr als eine Million Waschbären in Deutschland. Der Verbreitung des putzigen Pelztieres steht nichts im Wege, denn es hat in unserer Region keine natürlichen Feinde. Auch in Walstedde und Umgebung steigt die Anzahl der Allesfresser. In Mersch wurde sogar schon eine ganze Waschbärenfamilie gesichtet.

Walstedde – Zur Gefahr wird der Waschbär für die heimische Vogelwelt, denn als Allesfresser sind die Eier für ihn eine willkommene Delikatesse. „Als gute Kletterer sind auch Nester in großen Höhen nicht vor ihnen sicher“, berichtet Hannah Feldmann, Pressesprecherin des Hegerings Drensteinfurt-Walstedde. Damit gefährden sie zahlreiche Vogel- und Greifvogelarten sowie Fledermäuse.

Auch wenn im Moment noch nicht von einer Plage gesprochen werden könne, seien sich die Revierpächter einig, dass die Zahl der Waschbären, die zur Familie der Kleinbären gehört, stetig ansteige.

Das belegen auch die offiziellen Zahlen der unteren Jagdbehörde des Kreis Warendorfs. 2012 wurden in ganz Deutschland erstmals mehr als 100.000 Waschbären erlegt. 2016/2017 waren es 134.098 Tiere und 2018/2019 waren es bereits 166.554 Exemplare.

Nicht nur in Deutschland, auch international findet der Waschbär Beachtung. 2015 trat eine EU-Verordnung in Kraft, die Prävention statt Beseitigung bereits etablierter Arten fordert. Für die übermäßige Vermehrung der invasiven Arten – wie auch des ursprünglich nicht in Mitteleuropa heimischen Waschbären – sollten Jäger die Verantwortung übernehmen, so die Forderung. Neben der Zunahme der Waschbären ist auch die steil ansteigende Zahl der Nutrias ein Problem.

Die ursprüngliche Heimat der Waschbären liegt auf dem nordamerikanischen Kontinent. Aufgrund ihres dichten Fells waren sie für die Pelzzucht beliebt. So gelangten erste Tiere Mitte des 20. Jahrhunderts durch Ausbruch ins Freie. Von Hessen und Brandenburg aus starteten sie ihren Siegeszug quer durch Deutschland, ja sogar durch Europa. Dabei kommt den Wald- und Wiesenbewohnern ihre Anpassungsfähigkeit zu Hilfe. Der Waschbär frisst alles, was er mit seinen flinken Händen greifen kann, egal ob Obst, Gemüse oder fleischliche Nahrung.

Das nur scheinbar putzige Pelztier hat zudem, anders als in seiner Heimat, wo ihm Luchse, Bären und Wölfe bedrohen, keine natürlichen Feinde.

Waschbären plündern Mülltonnen

Nicht lustig ist es nämlich, wenn das Nagetier auf der Suche nach Nahrung bis in die Städte kommt und Mülltonnen plündert. Auf ungenutzten Dachböden können Waschbären sogar ihre Kinderstube einrichten. Daher sollten Hausbesitzer ihr Haus sorgfältig beobachten. Waschbären nutzen Dachrinnen, an denen sie hochklettern, und heben sogar Dachziegel beiseite. Neben dem Lärm, den sie erzeugen, sind es oft der Gestank der Tiere oder angefressene Isolierungen, die zum Problem werden.

Zu einem echten Problem geworden ist der clevere Räuber bereits im benachbarten Kreis Unna, mit einer Jagdstrecke von 400 Waschbären, Tendenz steigend. Auch die von der Kreisjägerschaft Hamm ermittelt Zahlen zeigen eine bemerkenswerte Entwicklung auf: 2005/2006 wurde in Hammer Wäldern ein Waschbär abgeschossen, zehn Jahre später waren es bereits 95. Danach stiegen die Zahlen sprunghaft an: 266, 329, 429 und zuletzt rund 600 Waschbären wurden in den vergangenen Jahren zur Strecke gebracht.

Nicht alle wollen dem Neubürger an den Kragen. So gibt es laut Nabu durchaus Vertreter, die für eine friedliche Koexistenz des nachtaktiven Waschbären plädieren, der mittlerweile zu unserer heimischen Tierwelt dazugehöre.

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