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Nach Cyberattacke auf die Stadt: Keine Hinweise auf Datenabfluss

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Von: Matthias Kleineidam

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Große Fernsehsender waren in Drensteinfurt, um O-Töne zum Thema einzuholen: der Kameramann vom WDR („Aktuelle Stunde“) mit Fachbereichsleiter Jan Schwering (2.v.r), Frank Kronshage sowie Laura Volkmar (2.v.l.) und Corinna Grünewald.
Große Fernsehsender waren in Drensteinfurt, um O-Töne zum Thema einzuholen: der Kameramann vom WDR („Aktuelle Stunde“) mit Fachbereichsleiter Jan Schwering (2.v.r), Frank Kronshage sowie Laura Volkmar (2.v.l.) und Corinna Grünewald. © Wiesrecker

Die Stadt Drensteinfurt beantwortet nach dem Cyberangriff auf die Verwaltung die wichtigsten Fragen. „Bislang liegen keine Hinweise auf einen Datenabfluss vor“, teilt sie mit.

Drensteinfurt – Nach der Cyberattacke ist das mediale Interesse groß. Am Mittwoch waren Sat. 1 und der WDR in Drensteinfurt, um O-Töne zum Thema einzuholen. Die Stadt Drensteinfurt beantwortet WA.de die wichtigsten Fragen.

Wie wurde der Fehler bemerkt?

Wir hatten in unserem Monitoring erste Auffälligkeiten und parallel am Montag gegen 10.30 Uhr einen Anruf der Kriminalpolizei erhalten mit dem Hinweis eines Datenabgriffs. Danach wurden tiefergehende Analysen unseres IT-Systems durchgeführt, bei denen der versuchte Cyberangriff festgestellt wurde.

Welche Auswirkungen hat der Angriff auf den Verwaltungsbetrieb?

Vorsorglich wurden alle IT- Systeme abgeschaltet beziehungsweise vom Internet getrennt, um einen Zugriff von außen und Folgeangriffe zu vermeiden. Dadurch sind alle Verwaltungsdienste in ihrer Funktion eingeschränkt oder nicht möglich.

Wie sehr hat die Cyberattacke die Stadtverwaltung getroffen?

Dieses ist noch nicht absehbar und Gegenstand der Ermittlungen. Die aktuelle Maßnahme der vorsorglichen Abschaltung dient der Sicherheit, um weitreichendere Auswirkungen auszuschließen.

Wie ist die Situation? Was funktioniert noch oder wieder, was gar nicht?

Wir versuchen aktuell, die wichtigsten Dienstleistungen wieder hochzufahren oder durch andere Behörden aufzufangen. Uns haben schon einige Hilfsangebote anderer Behörden erreicht, worüber wir sehr dankbar sind.

Haben sie mit so einem Fall gerechnet?

Unser Tagesgeschäft in der IT-Abteilung besteht darin, möglichen Cyberangriffen vorzubeugen, sie zu erkennen und abzuwehren.

Liegen außer in der Verwaltung am Landsbergplatz weitere Recheneinheiten lahm?

Nach jetzigem Stand nur in der Kläranlage und dem Kulturbahnhof. Dort ist ein manueller Betrieb jedoch möglich.

Wie sieht es mit dem Betrieb der Feuerwehr, des Bauhofs und der Schulen aus?

Die Verwaltung und das Klärwerk sind vom Netz getrennt. Weitere Bereiche sind nach jetzigem Stand nicht betroffen, außer dass die Fernzugänge vorsichtshalber abgeschaltet sind.

Sind auch sensible Daten gestohlen worden? Gab es eventuell auch eine Lösegeldforderung wie zuletzt an der Uni Duisburg-Essen?

Bislang liegen keine Hinweise auf einen Datenabfluss vor. Wir haben den Sachverhalt bei den Ermittlungsbehörden angezeigt. Angaben zum Stand des Ermittlungsverfahrens können wir nicht machen.

Wird es unter Umständen Kassen- beziehungsweise Auszahlungsprobleme geben, etwa bei Sozialleistungen?

Glücklicherweise nicht. Wenn diese erkannt sind, können sie kurzfristig behoben werden. Einzig bei neu aufkommendem Zahlungsverkehr wie Rechnungszahlungen und Abbuchungen kann es Verzögerungen geben. Bei den Sozialleistungen arbeiten wir mit dem Kreis Warendorf an einer kurzfristigen Lösung.

Welche Maßnahmen laufen aktuell, um die Probleme zu beheben?

Alle Systeme werden von der Polizei und von einem externen IT-Dienstleister überprüft und im besten Fall in der kommenden Woche wieder freigegeben.

Gab es Schutzmaßnahmen oder Notfallpläne?

Schutzmaßnahmen durch die genannten Arbeiten, Investitionen und Updates gibt es natürlich. Notfallpläne innerhalb der IT zur Überwachung und Abschaltungen gibt es auch. Krisenerprobt sind wir durch die vergangenen Krisen, sodass es Strukturen dafür gibt, die wir sofort einberufen haben.

Welche Vorsorge wurde bislang für solche Fälle getroffen?

Es wurden erhebliche Beträge in die IT-Infrastruktur, Aktualisierung sowie den Softwareschutz investiert. Einige Maßnahmen sind bereits abgeschlossen, andere sind aktuell in der Umsetzung. Aufgrund des Fachkräftemangels sowie langer Lieferzeiten von Systemen ziehen sich einige Maßnahmen unweigerlich in die Länge.

Was bedeutet die Lage gerade für die Bürger?

Der Normalbetrieb ist nicht möglich und wir sind im „Notfallmodus“. Alle Mitarbeitenden sind bemüht, dringende Angelegenheiten bestmöglich zu priorisieren und abzuarbeiten.

Muss man in Zukunft häufiger mit Attacken rechnen?

Cyberangriffe werden in Zukunft stark zunehmen, und es gibt keinen 100-prozentigen Schutz. Es ist ein ständiges Wettrennen der Technik.

Wann soll über ein neues Datum für die Haushaltseinbringung entschieden werden? Und wird dies gegebenenfalls Folgen für die Terminierung des ersten Sitzungsblocks 2023 haben?

Planungen und Ideen gibt es dazu – in der Hoffnung, kommende Woche eine Tendenz nennen zu können.

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