Hoffnung geplatzt: Meisen meiden EPS-Brennhaare

So sollte es natürlich nicht sein: Die Raupen des Eichenprozessionsspinners bevorzugen für ihre Nester die Ecken und Kanten der Nistkästen, in denen eigentlich die natürlichen Feinde der Raupen, die Meisen, nisten sollten.
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So sollte es natürlich nicht sein: Die Raupen des Eichenprozessionsspinners bevorzugen für ihre Nester die Ecken und Kanten der Nistkästen, in denen eigentlich die natürlichen Feinde der Raupen, die Meisen, nisten sollten.

Nach dem massiven Auftreten des Eichenprozessionsspinners (EPS) im vergangenen Jahr haben viele Städte, Gemeinden und auch Privatleute Meisen-Nistkästen aufgehängt – mit mäßigem Erfolg.

Drensteinfurt – Mit den Nistkästen sollten die natürlichen Feinde der Raupen, die Meisen, unterstützt werden. Doch viele Kästen bleiben leer. Statt junger Meisen, die hungrig piepsend aus den Kästen schauen, sieht man häufig große Nester voller Raupen rund um den Kasten gesponnen.

Das wundert nicht, denn Meisen meiden Kästen an befallenen Eichen und die Raupen lieben die Ecken und Kanten der Kästen. Diese Beobachtung machen nicht nur aufmerksame Fußgänger, sondern auch Mitarbeiter der Naturschutzstation (NABU). Ihre Empfehlung: „Wenn schon Nistkästen, dann bitte nicht an befallenen Bäumen aufhängen.“

Meisen fressen EPS nur ohne Haare

Nicht nur die Stadt Drensteinfurt, auch viele private Grundstücksbesitzer setzten auf die Idee der natürlichen EPS-Bekämpfung. Fast alle Kästen wurden mit guter Absicht extra an befallenen Bäumen befestigt. Man wollte es den Meisen leicht machen.

Marc Möllers baute Anfang des Jahres 36 Meisen-Nistkästen aus unbehandeltem Fichtenholz. Damit die auch gut aussehen, hatte seine Frau Conny Möllers die Kinder ihrer Reitschule eingeladen, um sie zu bemalen. Rund 30 Kinder waren hier mit Feuereifer und Spaß bei der Sache.

„Nicht bedacht wurde dabei, dass die Vögel die Raupen nur zu dem Zeitpunkt fressen, wenn die Brennhaare noch nicht ausgebildet sind“, erklärt Anuschka Trecker, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Naturschutzstation im Haus Heithorn. Sind die Brennhaare da, meiden die Vögel die Raupen. Nur vereinzelt beobachte man mal eine Meise, die eine solche Raupe verfüttert. Man könne also davon ausgehen, dass die Brennhaare auch für Vögel gefährlich werden können.

Biologische Mittel zur Bekämpfung kaum eine Lösung

Für Anuschka Trecker sind wilde und strukturreiche Gärten die bessere Wahl: „Sie bilden die Grundlage für eine hohe Artenvielfalt.“ Es sind nur wenige Wochen im Jahr, in denen die EPS-Raupen für die Vögel genießbar sind. „Vögel brauchen aber das ganze Jahr über Nahrung, die finden sie nur in Gärten mit wilden, naturbelassenen Ecken ausreichend.“ Auf diese Weise leiste man einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der natürlichen Feinde der Raupe.

Von der Idee, die Raupen mit biologischen Mitteln wie dem Bacillus thuringiensis zu behandeln, ist Trecker nicht begeistert: „Es werden nicht nur die Eichenprozessionsspinner abgetötet, sondern alle Schmetterlingsraupen.“ Daher empfehle der NABU diese Art der Bekämpfung nicht.

Stadt saugt lieber EPS ab

Aus diesem Grund möchte auch Bürgermeister Carsten Grawunder in diesem Jahr von biologischen Mitteln Abstand nehmen. Stattdessen setzt die Stadt auf punktuelles Absaugen befallener Bäume, bevorzugt an sensiblen Plätzen durch Schädlingsbekämpfer. Bleibt Treckers Appell an alle Grundstücksbesitzer, in Gärten und Vorgärten Lebensräume für Amsel, Drossel, Fink und Meisen zu schaffen.

Wochenenden bestehen für Lukas Billermann und Jonas Angelkort derzeit nur aus dem Sonntag. Sie sind im Auftrag der Firma Angelkort unterwegs, um hier in Drensteinfurt, Walstedde und Rinkerode dem Eichenprozessionsspinner den Kampf anzusagen.

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