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Mehrere Gründe: Haus Volking soll verkauft werden

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Von: Mechthild Wiesrecker

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Dunkle Wolken über dem Hotel-Restaurant Haus Volking: Wie es mit dem Betrieb weitergeht, ist unklar.
Dunkle Wolken über dem Hotel-Restaurant Haus Volking: Wie es mit dem Betrieb weitergeht, ist unklar. © Wiesrecker

Benno und Bernd Ingmar Volking leiden unter dem Fachkräftemangel. Steigende Energie- und Lebensmittelkosten verschärfen die Situation zusätzlich. Da eine Besserung nicht in Sicht ist, scheint der Verkauf von Hotel und Restaurant für Vater und Sohn die einzig richtige Lösung.

Walstedde – Die Hotels und Gaststätten haben im Jahr 2020 laut einer Studie des Institutes der deutschen Wirtschaft (IW) durch die Pandemie rund 216.000 Beschäftigte verloren. Auch Benno und Bernd Ingmar Volking leiden unter dem Fachkräftemangel. Hinzu kommt die Sorge um die Zukunft und die Frage, was im Herbst sein wird. Steigende Energie- und Lebensmittelkosten verschärfen die Situation. Da eine Besserung nicht in Sicht ist, scheint der Verkauf von Hotel und Restaurant für Vater und Sohn die einzig richtige Lösung.

„Man findet keine geeigneten Aushilfen“, verdeutlicht Benno Volking das Problem. Waren im Haus Volking vor Corona noch 16 bis 18 Aushilfen beschäftigt, sind es aktuell gerade mal sechs. Bewirbt sich mal jemand, könne es passieren, dass der Bewerber noch nicht mal ein Tablett tragen kann. Selbst auf Annoncen bekomme man keine Bewerbungen, beklagt der Gastronom. Diejenigen, die geblieben sind, arbeiteten 60 bis 65 Stunden von Donnerstag bis Sonntag. „Das geht auf Dauer nicht, ich möchte die Kräfte doch behalten.“

Ich möchte nicht bis 85 hinter der Theke stehen und irgendwann einfach umfallen.

Benno Volking

Benno Volking wird 70 Jahre alt, das Hotel und Restaurant wollte er im Januar 2021 an seinen Sohn Bernd Ingmar und dessen Frau Mareike übergeben. Corona machte einen Strich durch die Rechnung.

Ihnen fehlt die Perspektive: Benno und Sohn Bernd Ingmar Volking.
Ihnen fehlt die Perspektive: Benno und Sohn Bernd Ingmar Volking. © Wiesrecker

„Ich möchte nicht bis 85 hinter der Theke stehen und irgendwann einfach umfallen“, stellt er klar. „Keiner weiß, was uns die Corona-Jahre an Kraft gekostet haben“, erklärt Bernd Ingmar Volking, der als gelernter Koch in der Küche das Sagen hat. Jetzt fehle zusätzlich die Perspektive. „Wer weiß, was im Herbst ist“, fragt er. Die Mitarbeiter bräuchten feste Strukturen, Sicherheit und Verlässlichkeit. „Die haben Kinder und vielleicht ein Haus“, fügt Bernd Ingmar Volking an. Im Sommer arbeiteten sie 200 Stunden oder mehr und im Herbst gehen sie in Kurzarbeit. „Ohne ausreichend gute Mitarbeiter geht es nicht“, sagt er klar. Dann fügt er an: „Haus Volking ist immer das gesamte Team.“

Entscheidung fällt nicht leicht

Was auch negativ in der Waagschale liegt, sind die gestiegenen Kosten für Energie, Lebensmittel und den Lohn. „Wird der Mindestlohn angehoben, fragt mich keiner, ob ich mir das auch leisten kann“, erklärt er. Wird Haus Volking verkauft, braucht Bernd Ingmar Volking vor einer Arbeitslosigkeit keine Angst haben. „Es gibt im Umkreis bestimmt 150 offene Kochstellen“, sagt er.

Die Entscheidung, das seit 1848 bestehende und in fünfter Generation geführte Familienunternehmen aufzugeben, fällt Vater und Sohn nicht leicht. Und doch wird das Tagesgeschäft, das ohnehin nur noch an Wochenenden geöffnet ist, zum 1. August geschlossen. Alle bereits verabredeten Termine würden abgearbeitet. Auch Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und Beerdigungen sind weiter möglich, und der Hotelbetrieb mit Frühstück und Abendessen läuft weiter.

Keiner weiß, was uns die Corona-Jahre an Kraft gekostet haben.

Benno Volking

Das Auftragsbuch für 2023 ist voll. „Alles, was wir angenommen haben, findet auch statt“, versichert Benno Volking. Dann erklärt er: „Aber für 2024 nehme ich keine Termine an.“ Anders wäre es, wenn er bereits einen Käufer gefunden hätte. „Ich würde ihm natürlich für 2024 gerne ein volles Auftragsbuch übergeben“, sagt er.

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