Dachlatten 170 Prozent teurer

Mangel an Bauholz hat Auswirkungen auf Betriebe und Preise im Kreis

Viel gebaut wird in Drensteinfurt – wie hier an der Harkortstraße. Holz wird auf den Baustellen langsam zur Mangelware.
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Viel gebaut wird in Drensteinfurt – wie hier an der Harkortstraße. Holz wird auf den Baustellen langsam zur Mangelware.

Schlechte Nachrichten für Bauherren, Handwerksbetriebe und Unternehmen, die mit dem vielseitigen Rohstoff handeln: Holz wird zur Mangelware, die Preise schnellen in die Höhe.

Drensteinfurt – WA.de hat bei heimischen Firmen nachgefragt, ob die Holzknappheit schon bei ihnen angekommen ist und welche Auswirkungen es sonst noch gibt.

Die Wijma GmbH & Co. KG, ansässig im Gewerbegebiet Viehfeld, ist Importeur, Lagerhalter und Distributeur von handelsüblichen (Laub)-Schnitthölzern in Standard-Dimensionen. Dass die Preise deutlich anziehen, kann Niederlassungsleiter Marten Schut bestätigen. „Wir importieren Hölzer aus diversen Kontinenten, das unterscheidet sich ein bisschen von Kontinent zu Kontinent. Aber ich würde grosso modo mal sagen: Die Preise sind im Vergleich zum Vorjahr um fünf bis 25 Prozent angestiegen.“ Das hatte sich zwar Ende 2020 angekündigt. „Aber die Beschleunigung hat in den letzten zwei Monaten eingesetzt.“ In denen sei die Entwicklung rasant gewesen, sagt Schut.

Rohstoffmangel: Preiserhöhung

Für die Firma Wijma, die in Drensteinfurt 16 Mitarbeiter beschäftigt, sind speziell die Hölzer aus den USA und Asien teurer geworden. „Die Preise von inländischen Hölzern, von Eiche und Nadelhölzern, sind zum Teil auch angestiegen“, berichtet Schut. Auch die Verfügbarkeit sei merkbar schmaler geworden.

„Die Lieferzeiten sind deutlich verlängert“, allerdings auch vom Einzelfall abhängig. „Aus Asien kann es auch mal noch länger dauern, weil die Nachfrage weltweit groß ist und einfach Containerkapazitäten fehlen. Die Verschiffungszeit an sich ist nicht länger geworden, aber die Zeit, bis es verschifft wird.“ Das Gleiche gelte auch für die USA, aber weniger extrem. „Da merkt man, dass die Frachtpreise deutlich gestiegen sind“, sagt Schut. Und die seien eine Komponente der allgemein steigenden Holzpreise.

Noch sei Wijma gut aufgestellt, betont der Niederlassungsleiter. „Wir haben ein relativ gut bestücktes Lager, aber ich kann nicht leugnen, dass es auch hier in der einen oder anderen Position anfängt zu bröckeln.“ Für Schut ist die Situation „spannend“ und in dem Ausmaß „nicht vorhersehbar“ gewesen. „Das ist das Interessanteste an der Sache.“

Auch der Dachdeckermeisterfachbetrieb Bauer & Kunz muss sich mit gestiegenen Preisen und verlängerten Lieferzeiten auseinandersetzen. „Die Dachlatten sind 170 Prozent teurer geworden – und das innerhalb von nur sechs Monaten“, sagt Alexander Kunz, der seit 2012 alleiniger Inhaber und Geschäftsführer der Firma ist. Bei Mischholz sei das ähnlich. „OSB-Platten sind teilweise gar nicht mehr verfügbar, und die Preise sind um 100 Prozent gestiegen.“

Der Preis für Dachlatten sei explodiert. Das sagt Dachdeckermeister Alexander Kunz.

Rohstoffmangel: Lieferzeit bis zu einem Monat

Kunz und seine vier Mitarbeiter können die Aufträge zeitlich noch wie versprochen ausführen. „Im Dachdeckerbereich geht es noch, aber bei den Zimmerleuten, die zu 80 Prozent mit Holz arbeiten, da verschieben sich die Aufträge, weil kein Material mehr vorhanden ist“. Bei Bestellungen betrage die Lieferzeit bis zu einem Monat. „Wenn der Großhandel das Material kriegt“, betont Kunz.

Mechtild Eickholt von der Firma Fensterbau und Schreinerei Klaus Kröger hat die Befürchtung, dass die Lage schlimmer wird. „Natürlich kommen Lieferschwierigkeiten auf uns zu. Das bekommen wir von allen Lieferanten gesagt“, sagt die Angestellte. Der elf Mitarbeiter zählende Betrieb an der Gildestraße verarbeitet in erster Linie Kunststoff. Die gestiegenen Kosten hätten natürlich ebenfalls Auswirkungen. „Es wird schwieriger zu kalkulieren, da ständige Preiserhöhungen bevorstehen“, berichtet Eickholt.

Olaf Kurzhals von der gleichnamigen Tischlerei in Drensteinfurt sieht die Situation noch recht gelassen. „So schlimm wie es berichtet wird, ist es bei uns noch nicht. Unsere Händler sind scheinbar noch gut ausgestattet. Wir werden bislang also nicht blockiert bei unserer Arbeit“, sagt er. Aber es zeichne sich ab, dass es Probleme geben könnte. „Die Lieferzeiten verzögern sich.“ Genaue Vergleiche bei den Preisen hat Kurzhals noch nicht gezogen. „Wir hatten Anfang des Jahres sowieso eine Kostenerhöhung in vielen Produktsparten.“

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