64-jähriger Architekt aus Drensteinfurt vor Gericht

Mann mal mit BH, mal unten ohne: Selfies vorm Kik sorgen für Ärger

Vor dem Kik-Markt in Drensteinfurt posierte der Angeklagte in Frauenkleidern und mit entblößtem Geschlechtsteil .
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Hier schoss der Angeklagte seine Selbstporträts: Vor dem Kik-Markt in Drensteinfurt posierte er mal in Frauenkleidern und mal mit entblößtem Geschlechtsteil – bis Supermarktkunden einschritten.

Textilarme Selfies am Drensteinfurter Textilmarkt: Ist das Kunstfreiheit oder öffentliches Ärgernis? Damit beschäftigte sich jetzt die 13. Strafkammer des Landgerichts Münster.

Drensteinfurt/Münster – Auf der Anklagebank saß ein 64-jähriger Architekt aus Münster. Der hatte sich am 8. August 2019 in der Mittagszeit mehrfach auf dem Parkplatz des Kik-Marktes selbst fotografiert. Mal in Frauenkleidern mit BH, mal nur im Hemd mit entblößtem Geschlechtsteil. Dazu stellte er eine Kamera neben seinem Auto auf ein Stativ, drückte den Selbstauslöser und flitzte in Positur vor die Linse.

Davon fühlten sich Supermarktkunden belästigt und verscheuchten den Mann. Kurz danach sahen sie ihn erneut auf dem Aldi-Parkplatz, wo seine Kamera durch die Autoscheibe nach außen gerichtet war. Die Zeugen blockierten sein Fahrzeug und riefen die Polizei.

Einige Wochen später bekam der Münsteraner einen Strafbefehl wegen exhibitionistischer Handlungen. Laut Zeugen soll er am Kik-Markt auch öffentlich sexuelle Handlungen an sich vorgenommen haben. Gegen den Strafbefehl ging der 64-Jährige vor. Es kam zur Verhandlung am Amtsgericht Ahlen, wo der Angeklagte die Anschuldigungen zurückwies. Er habe keine sexuellen Absichten verfolgt, sich nur fotografieren wollen. Und das auch nur, als niemand zuschaute.

Ordnungswidrigkeit statt Exhibitionismus

Die sexuellen Handlungen hielt das Amtsgericht nicht für beweisbar und stufte den Strafvorwurf des Exhibitionismus auf eine Ordnungswidrigkeit zurück. Das Urteil: 300 Euro wegen Belästigung der Allgemeinheit.

Doch auch damit war der Münsteraner nicht einverstanden. Er ging in Berufung, über die am Dienstag verhandelt wurde. Zu seiner Verteidigung fuhr er schweres Geschütz auf und berief sich für seine Aktfotos auf Artikel 2 des Grundgesetztes, der die freie Entfaltung der Persönlichkeit schützt. Der Vorsitzende Richter machte ihm aber klar: „Artikel 2 endet für Sie, wo er für andere beginnt.“

Auch Bilder vom Hinterteil einer Frau

Außerdem wollte der Richter wissen, warum der Mann neben den Selfies auch Bilder vom Hinterteil einer Frau in der Kamera hatte. Das seien Begleiterscheinungen der Digitalfotografie, so der Angeklagte: „Man macht halt viele Fotos, die man dann wieder löscht.“

Das Gericht schlug dem Münsteraner schließlich mit Zustimmung der Staatsanwältin vor, das Verfahren gegen eine Zahlung von 300 Euro einzustellen. In der Nähe gebe es einen Bankautomaten, da könne er das Geld sofort holen. Den Vorschlag hatte auch das Amtsgericht schon unterbreitet. Damals vergeblich. Diesmal ging der Angeklagte nach kurzer Beratung mit seinem Verteidiger darauf ein. Zum Geldautomaten musste er nicht. Er holte 300 Euro aus seiner Tasche, um sie schnurstracks zur Gerichtskasse zu bringen.

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