Landwirtschaft

Schwieriges Jahr für Bauern in Drensteinfurt

Schweine in einem Stall
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Neugierig: Schweine auf Stroh. Der Preis pro Kilogramm Schwein lag zu Jahresbeginn 2020 bei knapp zwei Euro, mittlerweile sei man bei 1,19 Euro pro Kilogramm angekommen, berichtet Sebastian Bachtrop.

Walstedde – Das Jahr 2020 war für die Landwirte aus vielerlei Hinsicht ein schwieriges Jahr. Die lange Trockenheit, die Afrikanische Schweinepest und Corona waren allesamt für die Landwirte eine große Herausforderung.

Zusätzlich sahen sich die Landwirte mit neuen und immer strengeren Verordnungen und Auflagen konfrontiert. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Walstedde, Sebastian Bachtrop, berichtet von den vielfältigen Problemen, die die Bauern im vergangenen Jahr bewältigen mussten.

Ernte
„Bereits das Frühjahr war zu trocken, Gras und Getreide konnten nicht gut wachsen“, berichtete Bachtrop angesichts der fehlenden Niederschläge von Februar bis Juli, der Zeit des Hauptwachstums. Die daraus resultierenden Ernteeinbußen bezifferte er mit rund 20 Prozent. Der Mais in Walstedde jedoch habe vom Starkregenereignis profitiert. „Wäre das Wasser nicht gekommen, hätten wir eine katastrophale Ernte gehabt“, resümiert er. Niemand habe damals noch mit einer guten Ernte gerechnet.

Corona
Corona habe besonders die Gemüsebauern getroffen, da die Erntehelfer nicht einreisen durften. Zusätzliche Kosten entstanden durch eine coronagerechte Unterbringung und vermehrte Desinfektion. Der Skandal um Westfleisch sei auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen worden, so Bachtrop. Die Preise seien seinerzeit um die Hälfte abgesenkt worden. Dies habe sowohl die Schweine- als auch die Rinderzüchter getroffen.

Besonders unter den Schweinbauern, die schon unter der Bedrohung durch die Schweinpest zu leiden hätten, herrsche eine schlechte Stimmung. Anfang des vergangenen Jahres lag der Preis pro Kilogramm Schwein bei knapp zwei Euro, mittlerweile sei man bei 1,19 Euro pro Kilogramm angekommen. „Für den Preis kann man nicht produzieren“, machte Bachtrop deutlich.

Hier verhalte sich der Lebensmitteleinzelhandel nicht fair. „Er hat 2020 Bombenumsätze gemacht, gibt den Gewinn aber nicht weiter.“ Auf Dauer werden viele Landwirte auf der Strecke bleiben. Auch wenn die Arbeit auf den Höfen normal weitergehe, habe Corona durch die Marktlage eigentlich alle landwirtschaftlichen Betriebe, egal ob Milchbetrieb, Schweine- oder Geflügelhaltung, getroffen.

Ansehen der Landwirte
Das Ansehen der Landwirte in der Bevölkerung, so die Wahrnehmung Bachtrops, habe sich verbessert. Besonders die Aktion Blühstreifen, die von vielen Kollegen umgesetzt wurde, sei gut angekommen. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv, sodass auch 2021 wieder Blühstreifen angelegt werden. Gut in der Bevölkerung angekommen sei auch die Trecker-Lichterfahrt im Dezember. „Die Resonanz war durchweg positiv“, so Bachtrop.

Auflagen der Politik
„Alle wollen heimische Produkte, aber die Politik arbeitet gegen die heimische Landwirtschaft“, erklärt Bachtrop. Als Beispiele nennt er die strengeren Regeln für die Tierhaltung und die verschärfte Düngeverordnung. Die Auflagen würden ständig mehr, sodass der eine oder andere Betrieb darüber nachdenke, die Arbeit einzustellen. Gerade hier in Wal-stedde und Drensteinfurt gebe es viele kleinere Familienbetriebe. In China hingegen würden Betriebe mit über zwei Millionen Schweinen gebaut. „Wenn die Auflagen so weitergehen, kommt das Fleisch zukünftig nur noch aus dem Ausland“, glaubt er.

Wald
Den Zustand des Waldes sieht der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsvereins kritisch. Neben dem Borkenkäferbefall sei die Trockenheit das größte Problem. Nach drei trockenen Sommern würden nicht nur die Kiefern absterben, mittlerweile litten sogar Mischwälder darunter. „Es gibt auch schon Buchen, die absterben“, sagt er.

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