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Landwirte klagen über hohe Kosten und geringe Einnahmen

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Von: Mechthild Wiesrecker

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Ein Feld wird abgeerntet
Es hätte alles so schön sein können: Das Wetter spielte mit, es gab wenig Schädlinge und die Ernteerträge waren zumindest durchschnittlich. Die hohen Preise, die für Getreide und Mais erzielt wurden, machen den viehhaltenden Bauern zu schaffen. © Wiesrecker, Mechthild

Das Jahr 2021 brachte den Landwirten durchschnittliche Ernteerträge, und doch sind etliche Bauern am Limit. „Geht die Preisentwicklung so weiter, werden einige von ihnen ihren Betrieb aufgeben“, berichtet Sebastian Bachtrop, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins.

Walstedde - Großartige Wetterkapriolen, wie etwa die lange Trockenheit in den letzten Jahren, habe es nicht gegeben, erklärt Bachtrop und spricht von eher unauffälligem Wetter. Das habe dazu geführt, dass es kaum Schädlingsbefall gab und die Ernte zufriedenstellend war. Die durchschnittlichen Ernteerträge konnten auch gut eingefahren werden.

Eigentlich dürften die Landwirte zufrieden sein; und doch ist die Stimmung im Keller, wie Sebastian Bachtrop versichert. Schuld sei die Preisentwicklung. Die Preise für Getreide und Mais seien nach der Ernte zwar in die Höhe geschnellt, doch die Bauern konnten davon nicht profitieren. Gerade für viehhaltende Betriebe bedeuten die hohen Getreide- und Rapspreise höhere Futterkosten. Der Landwirt hätte mehr Geld für das Fleisch bekommen müssen, um die Mehrkosten auszugleichen. „Tatsächlich sind die Mastschweinepreise so gering wie schon lange nicht mehr“, erklärt Sebastian Bachtrop.

Gewinn für Bauern so schlecht wie nie

In der Folge sei der Gewinn für die Bauern so schlecht wie noch nie. Hinzu kämen Umbauten an den Ställen, die getätigt werden müssen, um die neuen Gesetze zu erfüllen. Ob die Kosten über den Verbraucher wieder reinkommen, steht in den Sternen. „Alle schreien nach Tierwohl, nur bezahlen möchte es keiner“, so der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins. Für die Erzeuger sei besonders frustrierend, dass der Lebensmittelhandel durch Corona so viel Geld eingefahren habe wie noch nie, denn viele Leute waren zuhause und haben auch dort gegessen, erklärt Bachtrop. Das Plus sei aber nicht an die Landwirtschaft weitergegeben worden.

Für ihn steht fest: Wenn es keine positive Preisentwicklung gebe, werden einige Landwirte ihren Betrieb schließen müssen. „Das haben mir schon mehrere Bauern mitgeteilt“, berichtet Bachtrop. Das Ansehen der Bauern habe sich zumindest auf dem Land verbessert. „Die Leute haben hier mehr Verständnis für uns.“ In der Großstadt sehe das schon anders aus. Damit sich die Situation für die Landwirtschaft verbessert, müssen jetzt die Verbraucher aktiv werden. „Jeder sollte darauf achten, regional zu kaufen“, bittet Bachtrop.

Noch habe man zudem Hoffnung, dass der Einzelhandel beim Schweinefleischverkauf die Forderung der Bauernverbände auf „Fünf mal D“ umsetzt. Konkret bedeutet das: Die Tiere sind in Deutschland geboren, sie wachsen in Deutschland auf, werden mit Futter aus Deutschland gefüttert und werden auch hier geschlachtet und verarbeitet. „Wird es im nächsten halben Jahr nicht besser, muss der eine oder andere Landwirt das Handtuch schmeißen“, so Bachtrops düstere Prognose. Die zuletzt warmen Temperaturen beunruhigen den Landwirt übrigens nicht. Für das Getreide sei es kein Problem. „Es gab bereits einmal Frost, sodass das Wachstum entsprechend gebremst wurde“, versichert er.

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