1. wa.de
  2. Lokales
  3. Drensteinfurt

Landwirt mit Leib und Seele : Heinrich Borgschulte mit 95 Jahren immer noch aktiv und interessiert

Erstellt:

Von: Mechthild Wiesrecker

Kommentare

Ein Leben lang Landwirt: Heinrich Borgschulte feierte am 8.  Mai seinen 95. Geburtstag.
Ein Leben lang Landwirt: Heinrich Borgschulte feierte am 8. Mai seinen 95. Geburtstag. © Wiesrecker, Mechthild

Heinrich Borgschulte war in seinem langen Leben immer für die Familie und seine Mitmenschen da. Am vergangenen Sonntag feierte der Jubilar im Kreise der Familie seinen 95. Geburtstag. Blickt er auf die Jahre zurück, so sagt er: „Ich bin zufrieden mit meinem Leben, könnte ich noch einmal anfangen, ich würde nichts anders machen.“

Walstedde - Geboren wurde Heinrich Borgschulte wie auch seine 13 Geschwister auf dem elterlichen Hof in Burbach. Hier wohnt er noch heute und hier im Garten inmitten der Natur erinnert er sich lebhaft an seine Vergangenheit. „Ich hatte eine gute Kindheit mit vielen Freiheiten“, sagt er. Dass alle bei der vielen Arbeit mit anpackten, war selbstverständlich. Er besuchte die Volksschule in Brockhausen und nach dem Krieg die Landwirtschaftsschule, anschließend absolvierte er eine landwirtschaftliche Ausbildung auf einem Hof in Westkirchen. Dass er als Soldat im Krieg ausgerechnet an seinem 18. Geburtstag in britische Gefangenschaft kam, ist ihm besonders in Erinnerung geblieben.

Mit 26 Jahren habe ihm das Schicksal durch den plötzlichen Tod des Vaters eine große Verantwortung übertragen. „Ich war der älteste Sohn und musste den Hof übernehmen und damit die Sorge für die Mutter und die Geschwister“, erinnert er sich. Dann sagt er schlicht: „Das war damals so üblich.“ Die Verantwortung abzulehnen, sei ihm nicht eine Minute in den Sinn gekommen. „Ich bin mit Leib und Seele Bauer und ich wusste, dass der Hof dann zugrunde gehen würde.“

Nur vier Jahre später heiratete er in der Lambertuskirche Christa Zumloh. Das Paar bekam sechs Kinder. Vieles auf dem Hof wurde noch in Handarbeit gemacht, wie zum Beispiel das Melken. „Wir hatten 16 Kühe und haben mit drei Mann gemolken“, berichtet er.

Zeit für Urlaub blieb, bis auf die Hochzeitsreise zum Bodensee und selten mal ein Wochenende, nicht. Und doch nahm sich Heinrich Borgschulte Zeit, um sich in der Gesellschaft einzubringen – selbst für Feiern wie das Schützenfest. Auch wenn er zwischenzeitlich zum Melken auf den Hof fahren musste. „Ich habe sogar einmal danach den Vogel abgeschossen“, sagt er schmunzelnd.

Engagiert im Ort, im Rat und in der Kirche

„Der Betrieb ging immer vor, sonst hätte ich noch mehr machen können“, resümiert der Landwirt. Dabei war er fast 30 Jahre Vorsitzender des Heimatvereins Walstedde, und ebenso lange für die CDU im Rat aktiv. Dazu über Jahre Ortsvorsteher. In der Kirche übernahm er für lange Zeit den Lektorendienst.

Seine große Leidenschaft sei das Lesen. „Ich habe schon als Junge jede freie Minute gelesen“, gibt er zu. Und dann hat er sogar im Alter, mit Unterstützung einer erfahrenen Schriftstellerin, selbst ein Buch geschrieben: die Biografie seiner Familie. „Ich wollte das schon lange, aber erst mein Enkel Michael gab dann den entscheidenden Anstoß“, erklärt er. Er habe damals gesagt: „Opa, wenn du stirbst, ist all dein Wissen, wie es damals war, verloren.“

Mit seiner Frau Christa war er 40 Jahre verheiratet, seit ihrem Tod im Jahr 2001 lebt er allein auf dem Hof, den mittlerweile sein Sohn Hermann übernommen hat. Bis zum Alter von 80 Jahren hat er selbst bei der landwirtschaftlichen Arbeit mitgeholfen. In den letzten Jahren trifft er sich regelmäßig mit Gleichaltrigen im Seniorenverein Freckenhorst und in der Seniorengemeinschaft Walstedde.

Dass nach 75 Jahren wieder Krieg in Europa ist, versteht er nicht. „Das hätte nie wieder passieren dürfen“, macht er deutlich. Krieg sei immer schlimm, aber heute seien die Waffen noch gefährlicher. „Ich bete jeden Tag, dass der Krieg beendet wird.“

Auf Gott habe er sich immer verlassen. „Das hat geholfen, ich hatte immer Glück, auch im Krieg“, ist er überzeugt.

14 Enkelkinder und zwei Urenkel

Seinen Kindern, den 14 Enkelkindern und zwei Urenkeln gibt er eine Empfehlung, die für ihn selbst Orientierung war, mit auf den Weg: „Man muss großzügig sein und auf andere Rücksicht nehmen.“

Auch interessant

Kommentare