NRW-Start des Regelbetriebs an Grundschulen

Eltern sollen selbst entscheiden: Kein Jubel wegen Regelbetriebs an Grundschulen in Walstedde

In der Lambertusgrundschule in Walstedde sind die Bauarbeiten in vollem Gange und sorgen für Platzprobleme. Schulleiterin Birgitta von Rosenstiel hält nicht nur deshalb wenig davon, dass ab Montag sämtliche Grundschüler wieder täglich zur Schule gehen sollen.
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In der Lambertusgrundschule in Walstedde sind die Bauarbeiten in vollem Gange und sorgen für Platzprobleme. Schulleiterin Birgitta von Rosenstiel hält nicht nur deshalb wenig davon, dass ab Montag sämtliche Grundschüler wieder täglich zur Schule gehen sollen.

Seit Montag, den 15.Juni geht an den Grundschulen in NRW der Regelbetrieb wieder los. An der Lambertusgrundschule geht Schulleiterin Birgitta von Rosenstiel, nicht nur aufgrund der baulichen Situation, weiterhin andere Wege.

Walstedde – Den Eltern ist es freigestellt, ihre Kinder zum Unterricht in das Schulgebäude zu schicken oder das bewährte „Homeschooling“ bis zu den Sommerferien fortzusetzen.

Es war die 23.Mail des Ministeriums für Schule und Weiterbildung in der Corona-Zeit, mit der mitgeteilt wurde, dass der Regelbetrieb ab dem 15.Juni wieder aufgenommen werden soll. Einschränkungen bezüglich der Anzahl der Schüler in der Klasse und Lerngruppe sind dann Geschichte.

Nur noch Abstand halten und Mundschutz tragen

Lediglich das Abstandsgebot und die Mundschutzpflicht in der Pausenhalle, im Sanitärbereich und auf den Wegen erinnern noch an die vielfältigen Corona-Auflagen der letzten Wochen. Damit endete die Notbetreuung zum 12.Juni und die OGS nimmt unter Beachtung des Hygienekonzeptes und ohne die Möglichkeit eines Mittagsessens wieder ihren Betrieb auf.

Bei der Schulleitung, schulischen Verbänden und Elternvertretern löste die Entscheidung des Ministeriums eine „Fassungslosigkeit“ aus. „Ich glaube, wir unterschätzen die Auswirkungen der letzten Wochen auf die Kinder“, teilt Birgitta von Rosenstiel mit. Ihr Ziel sei es, die Kinder behutsam in den normalen Schulalltag einzuführen. Von drei Stunden auf sechs Stunden täglich Unterricht halte sie für unverantwortlich.

Kritik am Staatssekretär

Kritik übt sie an der Einschätzung des Staatssekretärs Mathias Richter, der von keinen oder nur begrenzten Auswirkungen des Coronavirus auf jüngere Kinder sprach. „Es gibt dafür keinerlei fachliche oder wissenschaftliche Belege“, berichtet sie. Sie selber höre über die Eltern von Kindern, die unter Waschzwang leiden oder die von den Masken sogar im Schlaf verfolgt werden. Kinder- und Jugendärzte wünschen sich eine „stärkere Öffnung der Kitas und Grundschulen“, die Rede sei aber nicht von einer schnellstmöglichen Rückkehr zum „Normalbetrieb“.

Auch andere Bundesländer sähen einen Regelbetrieb erst mit dem Beginn des neuen Schuljahres, also nach den Sommerferien vor. Eine Entscheidung, die auch Bundesfamilienministerien Franziska Giffey (SPD) teilt.

Schnelle Lockerungen sorgen für Unsicherheiten

„Die Rückkehr zum Normalbetrieb erfolgt in NRW auf ,Biegen und Brechen’“ stellt von Rosenstiel fest. Dabei ständen nur 80 Prozent der Lehrer zur Verfügung.

Wenn Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) erklärt „Wenn es um die Bildung geht, zählt jeder Tag“, ruft das bei der Walstedder Schulleiterin nur ein müdes Lächeln hervor. „Diese Einsicht mit den entsprechenden Konsequenzen hätten wir uns früher gewünscht“, gibt sie zu und führt weiter aus: „Seit vielen Jahren beobachte ich einen enormen Unterrichtsausfall an den Schulen in NRW, massiven Lehrermangel und das Fehlen von Schulleitern.“ Und sie ergänzt: „Angesichts des Bildungsdesasters halte ich die wenigen Unterrichtstage bis zu den Sommerferien für völlig überschätzt.“

In der Lambertusgrundschule in Walstedde sind die Bauarbeiten im vollen Gange und sorgen für Platzprobleme.

Beendigung der Notbetreuung zu früh

Kritik übte sie auch an der Beendigung der Notbetreuung. „Das stellt Familien vor neue Probleme“, sagt sie. Der Jahresurlaub sei vielfach aufgebraucht und die Arbeitnehmer müssten an ihren Arbeitsplatz zurück. Lösungsvorschläge wurden von Staatssekretär Richter noch vor Beginn der Ferien in Aussicht gestellt. An der Walstedder Grundschule sei die Situation zusätzlich durch die Baumaßnahme erschwert. „Wir haben zurzeit vier Klassenräume, den Schulhof und nur einen Toilettenraum“, zählt sie auf.

Trotzdem könne sie ab Montag 50 Prozent der Schülerschaft unterbringen. Sie sei aber sicher, dass viele Eltern das Angebot nicht annehmen werden. Eine Mutter habe es auf der Elternvertreterversammlung mit der Frage „Warum soll ich etwas, das gut funktioniert, für die wenigen Tage abbrechen?“ auf den Punkt gebracht. Immerhin würden annähernd 100 Prozent der Schüler auf diese Weise unterrichtet.

Würden alle Kinder kommen, sei an einen regulären Unterricht erst mal nicht zu denken.

Abschlusstag für jeden Jahrgang

„Die Schüler haben sich viele Wochen nicht gesehen, sie müssen sich erst wieder annähern“, erklärt sie. In der Lambertusschule sei in der letzten Woche ohnehin geplant, dass jeder Jahrgang seinen eigenen Abschlusstag bekommt. Damit verkürze sich die Zahl der möglichen Unterrichtstage noch weiter. Den Abschluss halte sie aber für wichtig, damit die Kinder sich wohlfühlen und wie von Ministerin Gebauer gefordert mit einem „guten Gefühl“ in die Ferien starten.

Am Ende resümiert sie: „Ich bin froh, dass die Elternschaft und die Mitarbeiter der Schule einsichtig und realistisch mit der Situation umgehen und dabei immer das Interesse der Kinder im Blick haben, auch wenn es für die Familie anstrengend ist.“

Nach den Sommerferien werde der Unterricht regulär starten. Aufgrund der Baumaßnahme werden die Viertklässler jedoch in der Teamschule unterrichtet. Ein Bustransfer wird dazu eingerichtet.

Die anderen Klassen sollen nach bisherigem Stand in der Lambertusgrundschule Platz finden, Änderungen könnten sich aber je nach Baufortschritt ergeben.

Der Offene Ganztag

An der OGS können alle angemeldeten Kinder teilnehmen. Anders als üblich besteht auch für diese Kinder keine Verpflichtung, an jedem Tag zu kommen. Die zeitliche Dauer ist im Moment nicht verpflichtend, die Abholzeiten sind flexibel. Ein Mittagessen gibt es nicht.

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Weitere hilfreiche Informationen erhalten Sie unter www.kreis-warendorf.de. - WA

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