Vorbereitet auf die Zukunft

Lambertus-Schule ist Vorreiter bei der Digitalisierung

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An der Lambertus-Grundschule arbeiten Lehrer und Schüler nicht mehr mit der klassischen Tafel, sondern am Smartboard. Lehrer Niklas Dietrich und Lenia Vögeling schauen Stella Heimann beim Schreiben mit dem digitalen Stift über die Schulter.

Walstedde – Die Digitalisierung hat mittlerweile alle Lebensbereiche erobert. Für die nachwachsende Generation bedeutet das, sich möglichst früh mit den digitalen Medien vertraut zu machen. Die digitale Schule, im europäischen Ausland vielfach Standard, scheint in Deutschland noch eine Ausnahme. Die Lambertus-Grundschule ist hier Vorreiter.

Schon vor zehn Jahren hat sich das Lehrerkollegium Schritt für Schritt eine Medienkompetenz angeeignet, von der Schüler und Eltern nach Angaben von Schulleiterin Birgitta von Rosenstiel gleichermaßen profitieren. Zum neuen Schuljahr wird erstmals ein erstes Schuljahr als iPad-Klasse beginnen. 

An der Lambertus-Grundschule ist es Niklas Dietrich, bei dem alle „digitalen Fäden“ zusammenlaufen. „Verwaltung, Lehrer, Schüler-Tablets, 60 Schüler-Laptops und zukünftig die neuen iPads: Bei Fragen, Problemen, neuer Software ist der Grundschullehrer erster Ansprechpartner. Die IT-Abteilung der Stadt übernimmt die technischen Arbeiten wie Server und Internet.

Spielen und Surfen und vieles mehr

Für Dietrich bedeutet das viele Stunden Arbeit und das nicht nur im Dienst, sondern auch in seiner Freizeit. „Es macht mir Spaß und die Schulleiterin und das Kollegium stehen zu 100 Prozent dahinter“, sagt er. Das nötige Know-how habe er sich selbst beigebracht durch viel Lesen und Ausprobieren, denn der Lehrer ist davon überzeugt: „Digitalisierung ist die Zukunft und darauf müssen die Kinder vorbereitet werden.“ Die Schüler müssten lernen, dass man mit Tablets und PC mehr machen kann, als nur Spielen und Surfen.

Damit die digitale Schule funktionieren kann, braucht sie eine gute Ausstattung. In allen Jahrgängen sind Laptops im Klassensatz, Smartboards, Beamer mit Leinwand und Dokumentenkameras im Einsatz. Die Mitarbeiter der Schule nutzen Dienst-Tablets, um Unterricht und Organisation digital zu gestalten. Diese funktionieren nur mit dem vorhandenen flächendeckenden WLAN und Glasfaserinternet.

"Neues erproben"

An der Lambertus-Schule sind in den vergangenen Jahren alle Mitarbeiter schrittweise mit dem Einsatz digitaler Unterrichtsmaterialien vertraut gemacht worden. „Wir haben uns Zeit genommen, Neues zu erproben, zu evaluieren und es in einem Gesamtkonzept zu verankern“, so Dietrich. Für jeden Jahrgang gibt es einen verantwortlichen Kollegen. In regelmäßigen Treffen bildet der Profi die unerfahrenen Kollegen so weit aus, dass sie kleinere Probleme selbst beheben können.

Auch die Eltern profitieren von der drahtlosen Kommunikation. Über den speziell für Schulen entwickelten Messenger-Dienst „schul.cloud“ können Krankmeldungen, Schulinformation, Elternbriefe und Terminabsprachen schnell und verlässlich ausgetauscht werden. 

Ganzer iPad-Jahrgang geht an den Start 

In den vergangenen zwei Jahren wurde das Arbeiten mit dem iPad immer weiter optimiert, sodass jetzt mit dem Schuljahr 2019/2020 erstmals ein ganzer iPad-Jahrgang an den Start geht. Jedes Kind bekommt ein iPad, das aber in der Schule bleibt. Printmedien wie Schulbücher, Arbeits- und Schreibhefte werden in digitaler Form auf dem Tablett bereitstehen. Mit dem Tablet-Stift ist ein handschriftliches Arbeiten möglich. Zusätzlich erweitern Audios, Videos und Bilder das Material. 

„Die Schüler haben eine ,digitale Schultasche‘, in der die Eltern und wir Lehrer passwortgeschützt online Einsicht nehmen können“, macht Dietrich deutlich. Letztere haben die Möglichkeit, Arbeiten mit einer Sprachnachricht zu kommentieren.

Wie beim normalen Schreiben

Die Sorge, das Schreiben mit dem Stift werde vernachlässigt, sei unbegründet, denn auch dieses wird parallel zum Tablet gefördert. Dazu hat Niklas Dietrich eine gummierte Stiftspitze für den Tablet-Stift aus dem 3D-Drucker erstellt. Mithilfe dieser Spitze und einer auf dem Tablet angebrachten papierartigen Schreibfolie entstehe ein ähnlich realistisches Gefühl wie beim normalen Schreiben auf Papier. „Weil wir uns auf unerforschtem Terrain bewegen, ist es gut, dass uns das Deutsche Schreibmotorik-Institut mit wissenschaftlichem Rat begleitet“, macht der Experte deutlich. 

Für Dietrich bedeutet der Einsatz des iPads einen enormen Mehrwert. „Wir setzten es immer dann ein, wenn es eine Bereicherung ist.“ Die im iPad integrierte Kamera und das Mikrofon böten nie da gewesene Möglichkeiten. So könnten Fotos erstellt werden, zum Beispiel von der täglichen Entwicklung einer Pflanze, die später zu einer Art Daumenkino zusammengestellt würden. Mikroskopier-Arbeit mit USB-Mikroskop sei ebenso möglich. Mit dem Google-Übersetzer könnten Vokabeln in Sekundenschnelle übersetzt werden, Lern-Apps bringen Spaß am Lernen.

Menge Papier wird gespart

Videos, Fotos und Autos helfen, Zusammenhänge zu veranschaulichen und im Zeitalter der Ressourcenknappheit und wachsender Müllberge versichert Dietrich: „Wir sparen dazu eine Menge Papier für Arbeitsblätter.“

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