Coronavirus

Läden wieder geöffnet: Inhaber zwischen Freude und Unverständnis

Desinfizieren und Kontakt hinterlassen: Mit großer Freude und unter Einhaltung aller Hygieneregeln beraten Annette Dortmann und ihr Team nun wieder im Geschäft rund ums Fahrrad.
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Desinfizieren und Kontakt hinterlassen: Mit großer Freude und unter Einhaltung aller Hygieneregeln beraten Annette Dortmann und ihr Team nun wieder im Geschäft rund ums Fahrrad.

Darauf haben alle gewartet: Die Läden dürfen wieder öffnen, und das Terminshopping wird reichlich nachgefragt. Bei aller Euphorie unter Geschäftsleuten und Kunden über diese Lockerung sind aber auch einige kritische Töne zu hören. Über das fehlende Shoppingerlebnis und über die ungerechte Handhabung der Verordnung.

Drensteinfurt - Heinz Gaßmöller freut sich über die Corona-Lockerung und blickt in ein gut gefülltes Terminbuch. „Diese Form des Terminshoppings ist für uns sehr gut, denn wir praktizieren das ohnehin überwiegend, wenn es darum geht, dass jemand beraten werden muss.“

Die Ladenfläche des Möbelhauses würde nach der Verordnung den Besuch von 65 Kunden gleichzeitig ermöglichen, „das nutzen wir natürlich nicht, es sind ja nur zwischen vier und sechs Berater im Einsatz“, erklärt Heinz Gaßmöller. Und die holen jeden Kunden persönlich an der Tür ab, bitten um Händedesinfektion, kontaktloses Fiebermessen und Ausfüllen des Kontaktformulars.

Anmelden per App, shoppen im Geschäft

Bei Heinz Gaßmöller ist zudem die Luca-App des Kreises im Einsatz: „Wir haben zehn Plätze angelegt, an denen Kunden sich per Luca ein- und wieder ausscannen können, wenn sie es per App machen möchten.“ Die Kunden kommen ebenfalls erfreut ins Möbelhaus, insbesondere für Menschen, die umziehen und beispielsweise eine Küche brauchen, ist es von Vorteil, sich vor Ort zu informieren und inspirieren zu lassen.

Insofern ist die neue Verordnung für den Geschäftsmann ein Gewinn. Problemetisch sieht er in dieser Lockerung aber einmal mehr die Vergleichbarkeit. „Warum dürfen bestimmte Anbieter öffnen und andere nicht?“ Das erschließt sich ihm nicht. Dennoch: „Es ist alles besser als geschlossen zu haben.“

Zwischen Unverständnis und Freude

Petra Scheffer vom Schuhhaus Step In ist über die Ungerechtigkeit der einzelnen Regelungen und Verordnungen regelrecht erbost. „Wenn ich sehe, wie sich in Supermärkten und Gartencentern die Kunden nicht selten auf die Füße treten, ohne dass da jemand für Ordnung sorgt, während ich hier alle Hygieneregister ziehe und trotzdem eingeschränkt arbeiten muss, finde ich das ungerecht und unverständlich.“

Allerdings ist sie heilfroh, wieder Kunden im Laden empfangen zu können. Dabei liegen ihr vor allem die Jüngsten am Herzen: „Ein Kinderschuh muss bestimmte Kriterien erfüllen, das bedarf einfach einer Fachberatung und Anprobe.“ Und die ist auch gefragt. Ob Anrufe oder E-Mails – mit dem Bekanntwerden des Terminshoppings kamen schon in der vergangenen Woche täglich die Anfragen, „auch abends und am Wochenende“, erzählt sie und schmunzelt. Entsprechend voll ist der Kalender, aber es gebe noch genug Kapazität. Darüber hinaus vergeben sie und ihre Mitarbeiterinnen auch spontan vor der Ladentür Termine.

Treue Kundschaft in Drensteinfurt

Die Kundinnen bei Cruse Fashion strahlten am Montag um die Wette. „Hauptsache mal wieder raus und in eine richtige Ankleidekabine“, sagt Daniela Hoppe begeistert. Gleich mit Bekanntwerden der Lockerung griff sie zum Hörer und vereinbarte für sich und ihre Mutter einen Termin am Montag.

In dem Bekleidungsgeschäft können sich nun bis zu sechs Kunden aufhalten, und die Nachfrage ist groß. Filialleiterin Conny Smeilus hatte ihre Kunden gleich per E-Mail informiert – und schwärmt: „Das klappt richtig gut.“ Verwundert ist sie darüber nicht, denn „die Drensteinfurter sind die besten Kunden der Welt“. Während des Lockdowns haben sie dem Modegeschäft die Treue gehalten und vor der Tür eingekauft. Der Winterbestand sei entsprechend geschrumpft.

Daniela Hoppe (links) ist begeistert, dass sie endlich wieder shoppen darf – mit Beratung und Anprobe. Dass sie für ihren Besuch bei Cruse Fashion einen Termin mit Conny Smeilus vereinbaren musste, stört sie nicht.

Mit Distanz zurück ins Geschäft

Annette Dortmann vom gleichnamigen Fahrradgeschäft konnte zunächst gar nicht glauben, dass es wirklich losgehen sollte. „Wir mussten erst mal ein wenig aufräumen, weil wir ja nur die Werkstatt betrieben haben.“ Sie hat entschieden, bis zu vier Kunden im Laden zu empfangen, „so können wir gute Beratung leisten und fühlen uns sicher“. Der „Corona-Tisch“ im Eingang erfüllt alle Anforderungen, Kunden können sich auch hier mit der Luca-App per QR-Code registrieren. Mit dem nahenden Frühling stehen die Kunden in den Startlöchern, berichtet Annette Dortmann, so hat sie bereits in der vergangenen Woche in einen gut gefüllten Kalender geblickt.

Bei Lanfer profitiert Inhaberin Elke Kiffe ebenfalls von einem Trend: „Die Menschen kochen und backen viel, entsprechend gefragt sind die Haushaltsartikel.“ Auch sie ist froh, dass Kunden wieder reinkommen können, statt Bestellungen an der Haustür abzuholen. Sie stellt fest: „Der Kontakt und das Gespräch gewinnen an Wert.“

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