Liederabend über die Sehnsucht nach Frieden

Der studierte Musiker Konstantin Vassiliev (links) und Liedersänger Günter Gall führten am Freitag durch den Liederabend in der Alten Synagoge.
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Der studierte Musiker Konstantin Vassiliev (links) und Liedersänger Günter Gall führten am Freitag durch den Liederabend in der Alten Synagoge.

DRENSTEINFURT - Einen Liederabend zum Thema „Soldatenleben - Lieder zu Krieg und Frieden“ veranstaltete am Freitag der Förderverein Alte Synagoge. Liedersänger Günter Gall und der studierte Musiker Konstantin Vassiliev trugen dazu Texte und Lieder vor.

Von Mechthild Wiesrecker

Sag mir, wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben. Sag, wo die Soldaten sind, was ist geschehen?“ Dieses allseits bekannte Lied benutzte der Vorstandsvorsitzende des Fördervereins Alte Synagoge, Dr. Kurt Omland, am Freitag als Einstieg in die doch recht schwere Thematik des stattfindenden Liederabends in der Alten Synagoge mit dem Thema „Soldatenleben - Lieder zu Krieg und Frieden“.

„Es geht um Trauer über die Toten und die Friedenssehnsucht der Menschen“, so Omland. „Es geht aber auch um die verschiedenen Sichtweisen von Soldaten und Krieg, dem verklärten Heldentod und dem Kameradschaftsmythos. Jede weitere Interpretation überlasse ich den beiden Künstlern des heutigen Abends.“

Mit Trommelschlag und Gitarrenspiel fand der Liedersänger Günter Gall, der bereits zum zweiten Mal in Drensteinfurt gastierte, den Weg zur Bühne. Der studierte Musiker Konstantin Vassiliev vermochte dabei seiner Gitarre derartige Töne zu entlocken, dass sich die rund 20 Zuhörer unmittelbar in die Atmosphäre marschierender Soldaten hineinversetzten konnten.

Mit klarer und lauter Stimme rezitierte Gall Gedichte und historische Texte quer durch die Literatur. Er sprach und sang unter anderem vom Krieg aus vielen Jahrhunderten, vom siebenjährigen Krieg, dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, der deutschen Besatzung der Niederlande und aktuellen Aspekten wie Neonazis. Seine stimmlichen Variationen setzte er dabei wirkungsvoll ein, um den Zuhörern das Thema noch näher zu bringen. Ausdrucksstark und dramatisch war sein Gesang zum Beispiel in der Vertonung des Gedichtes „Stimmen aus dem Massengrab“ von Erich Kästner oder „Die Legende vom toten Soldaten“ von Bertold Brecht.

Still wurde es, als Gall über die Rolle der Frau im Krieg rezitierte. Vom Lagerbordell zur Arbeiterin in der Pulverfabrik bis zur Kriegswitwe reichte sein Gesang. Passend zum bevorstehenden Holocaust-Gedenktag sang der Osnabrücker ein Lied in jüdischer Sprache.

Beim „Annemarieken wohin führt dein Weg“, das beschwingt und locker wirkte, durften die Gäste mitsingen. Soldaten werden menschlich gemacht, in all dem Schrecken gibt es auch ein wenig Freude. Mit einem selbst geschriebenen Lied erinnerte Gall an Hans Calmeyer, der Tausende Juden vor dem Tod bewahrt hat und dem im Hain der Gerechten in Jerusalem ein Baum gewidmet ist. Mit Erich Frieds „Gespräch mit einem Überlebenden“, in dem es heißt „Was hast du damals getan, was du nicht hättest tun sollen?“ wird die Frage von aktiver und passiver Schuld aufgeworfen. Humoristisch waren die Illustrationen des Osnabrücker Zeichners Olaf Thielsch, die einige Lieder untermalten.

Gall begleitete sich selbst auf der Trommel, spielte Gitarre und Dulcimer. Sein Duopartner Konstantin Vassiliev an der Gitarre, am Glockenspiel und am Harmonium untermalte auf beeindruckende Weise die vorgetragenen Lieder. Vassiliev, zuständig für die musikalischen Arrangements, gab mit der Gitarre einige teils selbst komponierte oder bearbeitete Kabinettstücke zum Besten.

Die Gitarre beherrscht er meisterhaft, ja hauchte ihr selber Leben ein, mal rasselte sie wie ein Säbel, mal marschierte und paukte sie. Die gewollten Dissonanzen verstärkten die Eindringlichkeit der Lieder nahezu perfekt.

Am Ende des rund zweistündigen Programms ließen die beiden Akteure ein begeistertes, aber auch nachdenkliches Publikum zurück.

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