Helfende Hände mit Herz

Kleiderkammer der Martinskirche hofft auf baldige Öffnung

Ute Eichmann (links) und Larissa Averhage sind aktiv bei der Initiative „Helfende Hände mit Herz“. Sie bringen Ordnung in die Kleiderkammer im Gemeindehaus der ev. Kirche
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Ute Eichmann (links) und Larissa Averhage sind aktiv bei der Initiative „Helfende Hände mit Herz“. Sie bringen Ordnung in die Kleiderkammer im Gemeindehaus der ev. Kirche – in der Hoffnung, bald wieder öffnen zu können. Wer helfen möchte, ist jederzeit willkommen.

 An der Wand stapelt sich Kinderkleidung, sorgfältig gefaltet und übersichtlich nach Größen geordnet. Im Regal daneben liegen die Winterjacken, für die jetzt gerade natürlich kein Bedarf mehr ist. Zwei Kleiderständer sind vollgehängt mit T-Shirts, Jacken und Kleidern und dazwischen immer wieder der ein oder andere Plastiksack, der noch ausgepackt werden muss. Ute Eichmann fischt ein Shirt mit glitzernden Buchstaben vom Kleiderständer. „Die sind immer sehr gefragt und als erste weg“, sagt sie mit einem Lächeln. Wenn denn endlich wieder Menschen in die Kleiderkammer kommen und stöbern dürfen.

Drensteinfurt - Darauf warten die Initiatorin der Flüchtlingshilfe und ihre Helferinnen seit über einem Jahr, denn die beiden Räume unter dem Gemeindehaus der Martinskirche an der Bahnhofstraße sind zu klein, als dass in Pandemiezeiten sich Menschen gemeinsam dort hätten aufhalten können. Seit März des vergangenen Jahres ist die Kleiderkammer, die von den „Helfenden Händen mit Herz“ betrieben wird, geschlossen. Nun hoffen alle, dass die sinkenden Zahlen Besucher bald wieder zulassen.

Untätig war die Gruppe von derzeit zwölf Frauen allerdings nicht. „Im Gegenteil“, sagt Ute Eichmann: „Weil in den Lockdowns so viele Menschen aufgeräumt, renoviert und sortiert haben, war die Spendenbereitschaft riesig.“ Zwischendurch hätten sie in der Kleiderkammer kaum ein Bein an die Erde bekommen, so vollgepackt waren die Räume. Und nicht nur die – so manche Spende wurde in Garagen, Kellern und Zimmern der Helfer zwischengelagert. Sehr schnell überlegten die Helferinnen, wie es weitergehen sollte. Die Idee: Die Kleiderkammer wurde mobil.

Ute Eichmann fragte überall dort nach, wo sie von der Bedürftigkeit wusste, dann wurden Taschen und Pakete gepackt und kurzerhand zur Haustür gebracht. Als Mutter brauchte sie nicht lang zu überlegen: „Wir wissen ja, wie schnell Kinder aus ihren Klamotten herauswachsen und Neues brauchen.“ So brauchten sie im Prinzip nur nachzurechnen, welche Kinder in welchem Alter wo leben – und brachten Kleidung in entsprechender Größe. „Viele haben ja gar nicht damit gerechnet“, erzählt die umtriebige Initiatorin. Larissa Averhage ist eine der Helferinnen, sie bestätigt die Erfahrung: „Wir haben so viel Dankbarkeit erfahren“, sagt sie gerührt. „Das ist wirklich Ansporn genug weiterzumachen.“

Nicht nur Geflüchtete benötigen die Hilfe

Ihre Hilfe geht mittlerweile weit über den Kleidungsaustausch hinaus. Die Gruppe hilft bei Wohnungseinrichtungen, organisiert dafür auch mal Möbeltransporte und sucht gezielt nach Spenden für spezielle Lebenssituationen – längst nicht mehr nur für Geflüchtete. „Zu uns kommt mittlerweile jeder, der bedürftig ist oder bei dem es aufgrund eines Umstandes so eng wird, dass er nicht mehr weiter weiß“, erklärt Ute Eichmann. Das Sozialamt der Stadt verweist Hilfesuchende ebenfalls nicht selten an die „Helfenden Hände mit Herz“. Und weil eine gute Vernetzung wichtig ist, arbeitet die Gruppe eng mit der Hiltruper Flüchtlingshilfe und mit dem Drensteinfurter Verein Sonnenstrahl zusammen.

Es gibt also immer etwas zu tun. In der Hoffnung, die Kleiderkammer bald wieder öffnen zu können, freuen die Helferinnen sich vor allem über Herrenkleidung in kleinen Größen sowie über Haushaltstextilien wie Handtücher und Bettwäsche. Larissa Averhage hat dazu eine dringende Bitte: „Wir brauchen gut erhaltene Sachen, am besten in einem Zustand, wie man selbst reinschlüpfen würde.“ Ein Appell, der auf schlechten Erfahrungen beruht. Einige geben komplett Unbrauchbares ab. „Quasi Müll“, bringt Ute Eichmann es auf den Punkt.

Darüber hinaus freut die Gruppe sich über jede weitere helfende Hand: „Wir müssen jetzt viel sortieren und ordnen, um wieder Besucher empfangen zu können.“ Was es dazu braucht? „Nicht viel“, sagt Larissa Averhage, „zwei, drei Stunden Zeit in der Woche und eine Portion Tatkraft.“ Im besten Fall noch die Einstellung der Helferinnen: „Es ist doch der Sinn von Solidarität, dass wir nicht nur fordern, sondern auch geben.“

Und Ute Eichmann nennt noch den Lohn für das ehrenamtliche Engagement: „Das schönste Geschenk ist doch, wenn die Menschen mit einem Lächeln aus der Kleiderkammer gehen, weil sie ein Schnäppchen gemacht haben.“

Helfende Hände mit Herz

Ute Eichmann kann nicht wegsehen, wenn andere Hilfe brauchen, auch die Schicksale der Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland strömten, ließen die 47-jährige Drensteinfurterin nicht kalt. „Man muss etwas tun“, sagte sie und scharte kurzerhand Gleichgesinnte um sich, die zunächst mal Spenden sammelten, um sie an die Geflüchteten weiterzugeben. Schnell wurde die „Flüchtlingshilfe“ zum Selbstläufer, Menschen brachten Kleidung, Haushaltsartikel und sogar Möbel, die Ute Eichmann zunächst im eigenen Haus lagerte.

Der Deutsch-Ausländische Freundeskreis (DAF) hatte zuvor bereits eine Kleiderkammer in der evangelischen Martinskirche betrieben, die geschlossen wurde, weil der DAF sich vor allem um die Beratung und weitere Unterstützung der geflohenen Menschen kümmerte. Und so übernahm die Flüchtlingshilfe, und die Kleiderkammer blieb geöffnet. Die Initiative gab sich den Namen „Helfende Hände mit Herz“ – und machte genau dies zum Programm.

Alle hoffen, dass es bald wieder losgeht, dann stehen die Räume und die Kleidung allen Bedürftigen jeden ersten und dritten Dienstag im Monat von 9 bis 11 Uhr sowie jeden zweiten und vierten Montag von 16 bis 18 Uhr offen.

Informationen gibt es zum einen bei Facebook, wo die Flüchtlingshilfe eine eigene Gruppe hat. Fragen, zum Beispiel zu Spendenmöglichkeiten, können auch per E-Mail gestellt werden an helfende-haende-mit-herz@gmx.net oder telefonisch bei Ute Eichmann unter 01 72 / 739 53 25.

Das schönste Geschenk ist doch, wenn die Menschen mit einem Lächeln aus der Kleiderkammer gehen, weil sie ein Schnäppchen gemacht haben.

Ute Eichmann, Initiatorin Helfende Hände mit Herz

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