Viele Regeln kaum umsetzbar: In Kita Zwergenburg herrscht seit einer Woche fast wieder Normalität

Das Außengelände der Kita Zwergenburg ist mit einem Absperrband in drei Teile eingeteilt. Kita-Leiterin Petra Wrede (links) und Erzieherin Petra Westhues (rechts) sowie Mutter Katrin Lohmann und drei Kita-Kinder zeigen, dass man hier wunderbar Abstand halten kann.
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Das Außengelände der Kita Zwergenburg ist mit einem Absperrband in drei Teile eingeteilt. Kita-Leiterin Petra Wrede (links) und Erzieherin Petra Westhues (rechts) sowie Mutter Katrin Lohmann und drei Kita-Kinder zeigen, dass man hier wunderbar Abstand halten kann.

Noch ist die Corona-Pandemie nicht ganz überwunden und doch kehrt an manchen Stellen schon wieder eine gewisse Normalität ein. So dürfen seit einer Woche wieder alle Kindergartenkinder in die Kitas kommen.

Drensteinfurt – Obwohl das für die Erzieherinnen einiges an Mehrarbeit bedeutet, ist es doch die Freude, die überwiegt. Eltern, Kinder und Erzieherinnen sind froh, dass die Kindergärten trotz Einschränkungen wieder für alle Kinder geöffnet sind.

„Wir werden jetzt schauen, wie wir das leisten können“, sagt Petra Wrede, Leiterin der Kita Zwergenburg. 105 Kinder sind angemeldet, 85 Kinder kamen in der vergangenen Woche – mit steigender Tendenz. Angesichts der verschärften Hygieneregeln und der derzeitigen personellen Besetzung sei das nicht ganz so leicht. Vieles soll wieder stattfinden, auf einiges muss noch verzichtet werden. So könnten nicht, wie normalerweise üblich, 90 Kinder gemeinsam zu Mittag essen. „An jeder Tischseite darf beim Essen nur ein Kind sitzen“, erklärt die Kindergartenleiterin das Problem.

Neue Anweisungen bis Ende August gültig

Wie der Alltag in der Kita stattfinden darf, wird mit immer neuen Anweisungen vom Land geregelt. Die neuesten Vorgaben sollen jetzt erst mal bis Ende August ihre Gültigkeit behalten.

So schreibt das Land vor, dass Kinder nur innerhalb ihrer Gruppe bleiben sollen. Eine Anweisung, die das Team der Zwergenburg strikt befolgt. Hier gibt es keine Vermischung der Gruppen und auch die Erzieherinnen bleiben nur bei „ihren“ Kindern. Das Außengelände ist in drei Teile eingeteilt, es gibt in jedem Bereich einen eigenen Sandkasten mit eigenem Spielzeug.

Kita-Leiterin Petra Wrede (links) und Erzieherin Petra Westhues mit dem Paket „Mundschutz-Bastelset“.

Die Leseecke ist vorübergehend geschlossen. Lieder dürfen nicht gesungen werden. Weil aber das Team das Singen für pädagogisch sinnvoll hält, wird in der Zwergenburg trotzdem gesungen und zwar draußen und mit genügend Abstand. Auch die Geburtstagskinder kommen so zu ihrem Ständchen. Stattfinden darf der traditionelle Stuhlkreis, aber nur mit dem nötigem Abstand.

Das Frühstücks-Buffet der Kinder darf es aus hygienischen Gründen nicht geben. Hier haben sich die Erzieherinnen etwas Besonderes ausgedacht. „Jedes Kind darf bei uns ähnlich wie in einem Restaurant eine Bestellung aufgeben“, erklärt Gruppenleiterin Verena Westhues und fügt hinzu: „Die Kleinen genießen den Service.“

Nicht nur Eltern freuen sich auf den Kita-Start

Überhaupt sei es in den Gruppen im Moment total harmonisch. „Die Kinder kommen freudestrahlend herein“, berichtet sie.

Derzeit herrscht in Kitas eingeschränkter Regelbetrieb. Das bedeutet: Die Betreuungsstunden sind reduziert. Kinder, die normalerweise 45 Stunden in der Woche betreut werden, dürfen jetzt für 35 Stunden kommen. 35 reduzieren sich auf 25 Stunden, 25 auf 15 Stunden, erklärt Wrede. Die Eltern müssten angeben, wann die Kinder kommen. Die Bring- und Abholphase sei aufwendig, funktioniere aber gut. Noch immer dürfen Eltern die Kita nicht betreten. Darum bringen sie ihre Kinder an den für sie vorgegebenen Eingang und genau dort können sie ihr Kind auch wieder abholen.

Abstand halten kaum umsetzbar

Viele Regeln werden umgesetzt und eingehalten, einige sind eigentlich gar nicht praktizierbar. So habe das Ministerium die Anweisung gegeben, möglichst einen Abstand von 1,5 Metern zu den Kindern einzuhalten. „Das ist nicht alltagstauglich, wie sollen wir die Kleinen da trösten und gut versorgen?“, fragt Erzieherin Verena Westhues. Immerhin besuchen bereits einjährige Kinder die Kita. Die Abstandsregel gilt übrigens auch für das Team untereinander; kann sie nicht eingehalten werden, muss ein Mund-Nasenschutz getragen werden.

Damit auch alle Mitarbeiter sich schützen können, hat das Ministerium der Zwergenburg eine Kiste mit Schutzmasken geschickt. „Als wir die öffneten, trauten wir unseren Augen nicht“, berichtet Petra Wrede. Im Innern befanden sich Vliestücher und Gummibänder. „Das war kein Mundschutz, sondern ein Bastelset“, berichtet sie von der Überraschung, die jüngst Erzieher in vielen Kitas in NRW erlebten. Die Anleitung hätten sie sich aus dem Internet suchen müssen. Wrede ist empört: „Das gesamte Team findet das nicht gut.“

Eltern zwischen Kinderbetreuung und Job

Die Kita-Leiterin ist dankbar, dass die Eltern die schwierige Zeit so gut mitgetragen haben. „Wir haben viel positives Feedback bekommen“, freut sie sich.

Katrin Lohmann ist Juristin und Mutter von zwei Kindern. Greta (6) und Frieda (2) hat sie während der vergangenen Wochen zu Hause neben Homeoffice betreut. „Es gab gute und schlechte Tage“, gibt sie zu. Der Kindergarten habe ihr und den Kindern gefehlt. „Ich saß zwischen zwei Stühlen und hatte immer ein schlechtes Gewissen.“ Schön sei es für die ganze Familie gewesen, dass das Team über Videos Kontakt gehalten hätte.

Jetzt ist sie erleichtert, dass ihre Kinder wieder in die Kita dürfen. „Die Kinder kommen mit strahlenden Augen raus und sind total zufrieden“, stellt sie fest. „Die Zwergenburg ist nicht nur ein Ort zum Betreuen, sondern zum Wohlfühlen“, so ihre Wahrnehmung. Den Erzieherinnen bescheinigt sie eine logistische Meisterleistung. Dass sie die Vorgaben neben der Pädagogik so gut umsetzten, koste sicher viel Zeit und Nerven.

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