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Rinkeroder Kirchturm wird abgetragen und verkauft

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Von: Mechthild Wiesrecker

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Der Turm wird in einer kleinen katholischen Diasporagemeinde in Hessen wieder aufgebaut.
Der Turm wird in einer kleinen katholischen Diasporagemeinde in Hessen wieder aufgebaut.

Rinkerode - Ende April rückten die Abrissbagger an und machten die Friedenskirche dem Erdboden gleich. Heute wird der Turm, eines der Wahrzeichen Rinkerodes, abgetragen und an seinen neuen Bestimmungsort transportiert.

Schwertransporter und Kran beginnen am frühen Morgen damit, nach und nach die Teile des Turmes der ehemaligen Friedenskirche mitsamt den drei Glocken abzuheben und zu verladen. Bereits gestern wurde mit den ersten Arbeiten zum Abbau begonnen. In einer kleinen katholischen Diasporagemeinde in Hessen wird der Turm wieder aufgebaut werden. „Die Entscheidung, den Turm zu verkaufen, ist uns nicht leicht gefallen“, erklärt Astrid Marsmann, Vorsitzende des Presbyteriums.

Eine Zeit lang habe man gehofft, dem Turm einen neuen Standort auf dem katholischen Friedhof in Rinkerode zu geben. „Der Umzug, ein neues Fundament und die Unterhaltung des Turmes hätten Kosten verursacht, die niemand zahlen wollte oder konnte“, so Dieter Fetting, Baukirchenmeister der evangelischen Kirche Drensteinfurt.

Es sei auch die Idee aufgekommen, eine der Glocken, die klanglich mit den vorhandenen Glocken harmoniert hätte, in den Glockenstuhl der Martinskirche zu integrieren. Auch diese Überlegung sei aufgrund der finanziellen Lage der ev. Kirche verworfen worden. „Die Überprüfung der Statik hat ergeben, dass in einem solchen Fall ein neuer Glockenstuhl erforderlich wäre“, teilt der Baukirchenmeister mit. Ebenfalls an den Kosten scheiterte die Idee, die Haube des Turmes mitsamt den Glocken vor der Martinskirche aufzustellen.

So trat das Presbyterium an das Unternehmen Glockenbörse heran, das sich auf den Verkauf und die Vermittlung gebrauchter Glocken spezialisiert hat. Auf diese Weise kam der Kontakt zur Gemeinde in Hessen zustande.

„Uns war es wichtig, dass die Glocken einem sakralen Zweck zugutekommen und eine entsprechende Wertschätzung erhalten“, versichert Astrid Marsmann. Zudem fügt Fetting hinzu: „Diese Lösung fanden wir am besten, da nicht nur die Glocken übernommen wurden, sondern der gesamte Turm. Somit kann das, was einst durch Spendenmittel entstand, weiterleben.“ Nach positiver Rücksprache mit der Kreiskirche und der Landeskirche, die der Vorentscheidung der Presbyter vor Ort zustimmten, wurde die Verhandlung abgeschlossen.

Sobald der Turm vollständig abgetragen ist, beginnt der Investor Karl-Heinz Stieg mit auf dem 3 500 Quadratmeter großem Gelände mit dem Bau von zwei kleineren Einfamilienhäusern mit möglichem Altenteil und dem Bau von zwei größeren Häusern mit je fünf Eigentumswohnungen (unsere Zeitung berichtete).

Seit Anfang 2014 die Entwidmung der Friedenskirche aufgrund der kritischen finanziellen Lage der Gemeinde beschlossen wurde, beschäftigte sich das Presbyterium damit, eine für alle Beteiligten gute Lösung zu finden. Seinerzeit habe man versucht auf dem Grundstück, das im Bebauungsplan als Gemeindebedarfsfläche ausgewiesen ist, eine caritative Einrichtung zu finden, die mit der vorhandenen Bausubstanz etwas anfangen konnte. Erst nachdem kein Investor gefunden wurde, hätten die Verantwortlichen eine Bebauungsplanänderung beantragt. Dabei sei der jetzige Investor eine große Hilfe gewesen. Anfragen und Eingaben der Bürger und der Stadt mussten berücksichtigt werden und machten es erforderlich, dass Karl-Hinz Stieg seine Planung bestimmt zehn Mal ändern musste, berichtet Baukirchenmeister Fetting.

Nachdem im März 2016, nach zwei Jahren, die Bebauungsplanänderung bestätigt wurde, war klar, dass der Turm, der zu einem bestimmten Zweck gebaut worden war, nach Schließung der Kirche aus baurechtlichen Gründen dort nicht stehen bleiben konnte. Im Vorfeld habe es viele Leserbriefe und Anrufe empörter Rinkeroder gegeben. Vom Bolzplatz, den man nicht abgeben wollte, über die grüne Idylle, den erwarteten Baulärm, bis zur emotionalen Bindung an das Gotteshaus – die Reaktionen waren vielfältig.

„Die Entwidmung der Kirche war eine sehr emotionale Angelegenheit“, erklärt die Vorsitzende des Presbyteriums. Beim Abriss der Friedenskirche jedoch sei die Reaktion der Leute eher verhalten gewesen. „Das Abtragen des Turmes ist für viele Rinkeroder noch einmal ein trauriger Abschied“, bedauert Astrid Marsmann. Mit dem Erlös durch den Verkauf des Turmes werden die entstandenen Kosten gedeckt, der Rest verbleibt in der Gemeinde und wird einem gemeinnützigen Zweck zugeführt werden.

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