Fahrbarer Blumenwagen umfunktioniert

Kerzen, Sterne und Tannenbäume: Drei Walstedder Jungen stellen Mini-Weihnachtsmarkt auf die Beine

Für jeden Geschmack etwas dabei: Der Mini-Weihnachsmarkt mit den selbst gebastelten Dingen Leo Schnitker (von links), Fiete Breer und Thore Tiggemann kommt gut an in Walstdedde.
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Für jeden Geschmack etwas dabei: Der Mini-Weihnachsmarkt mit den selbst gebastelten Dingen Leo Schnitker (von links), Fiete Breer und Thore Tiggemann kommt gut an in Walstdedde.

Klassische Weihnachtsmärkte gibt es in diesem Jahr nicht. Im Lambertusdorf aber können Spaziergänger auf der beliebten Hunderunde am Friedhof stattdessen einen Mini-Weihnachtsmarkt bestaunen.

Walstedde – Der Mini-Weihnachtsmarkt besteht aus einem einzigen Stand mit kreativen weihnachtlichen Holzarbeiten, selbst gemachten Kerzen, Postkarten und kleinen Lichterketten. Der Schriftzug „Open“ auf einer Tafel lädt ein, stehenzubleiben, um dann vielleicht das eine oder andere Stück zu kaufen. Hinter dem Projekt stecken drei zwölfjährige Schüler.

Die Geschichte des Mini-Weihnachtsmarkts beginnt bereits im März dieses Jahres. Im Lockdown, als vieles nicht mehr möglich war, entdeckten Fiete Breer, Thore Tiggemann und Leo Schnitker, wie viel Freude es ihnen bereitet, zu basteln. Seitdem sind sie mit Feuereifer dabei und stellen täglich ein oder zwei neue Dekostücke her. Dabei werden sie von Tag zu Tag besser.

Geschickte Zwölfjährige: Leo Schnitker (links im mittleren Foto) schüttet Wachs in eine Kerzenform, sein Brüder Hannes hält das Sieb.

Mini-Weihnachtsmarkt lief zu Beginn schleppend

„Uns war langweilig“, erklärt Thore. Und dann wollten die Jungs auch gerne ihr Taschengeld aufbessern. Ein bisschen gebastelt haben die drei schon immer. „Einmal haben Fiete und ich eine Seifenkiste gebaut“, erinnert sich Thore. So kam die Idee auf, zu Ostern kleine Hasen auszusägen, um sie für kleines Geld zu verkaufen. Thore bekam von seinem Opa einen fahrbaren Blumenwagen aus der Gärtnerei geschenkt. Den haben die drei extra lackiert, damit er etwa mehr hermacht.

Den idealen Platz für den Wagen fanden sie vor dem Grundstück von Fietes Familie an der Straße am Friedhof. Hier kommen täglich viele Spaziergänger vorbei – und durch Corona noch einige mehr als sonst. Auf den Wagen stellten sie eine Schatztruhe für das Geld, die sie mit einer Kette befestigten. Am Anfang lief das „Geschäft“ schleppend an. Doch die drei Schüler machten immer weiter. Zu den Hasen gesellten sich Blumen und Nistkästen, zu Muttertag ausgesägte Herzen und Aquarellbilder auf Postkarten, zum Sommer Leuchttürme und Windlichter.

Geschickte Zwölfjährige: Fiete Breer schleift eine Holzscheibe glatt.

Die drei jungen Bastler ergänzen sich

Die Zwölfjährigen arbeiteten die meiste Zeit nicht zusammen, sondern Corona-gerecht jeder für sich. Dabei zeigte sich, dass sie sich gut ergänzen. Leo kann gut mit Holz umgehen, Thore ist der Tüftler und Fiete der Künstler. Das Material brauchten sie nicht zu kaufen, sondern sie nahmen einfach das, was bereits da war: Holz aus dem Schuppen und alte Paletten. „Einmal hat uns ein Nachbar alte Eichenbretter geschenkt“, erinnert sich Leo. Die waren zwar gut, aber, so verrät er augenzwinkernd: „Nur für Sterne super, denn Kurven konnten wir in dem harten Holz nicht sägen.“ Manchmal bekamen sie auch von Leos Vater, der als Schreiner arbeitet, einige Holzreste.

Weil sie merkten, dass das Interesse da war, hatte Fiete die Idee, einen Weihnachtsmarkt anzubieten. Da der alte Wagen zu klein geworden war, musste ein neuer Stand her. Pünktlich zum ersten Advent stand der fahrbare Miniweihnachtsmarkt mit vielen Holzarbeiten bestückt und liebevoll dekoriert bereit. Leo ergänzte das Sortiment mit bunten selbstgegossenen Kerzen.

Geschickte Zwölfjährige: Thore Tiggemann sägt einen Tannenbaum aus.

Geld-Diebe und faire Behandlung

Die Nachbarschaft sammelte eifrig Kerzenreste und seine Mutter unterstütze ihn bei der Herstellung. Mit der Resonanz sind die drei zufrieden. Die meisten Leute, die etwas mitnehmen, bezahlen auch dafür. Manchmal käme es auch vor, dass jemand etwas nimmt, ohne zu bezahlen, aber dafür gebe es auch Menschen, die einfach so Geld geben.

Nur einmal, da waren sie sehr enttäuscht, denn da hatte jemand die Schatzkiste mit dem Geld gestohlen. „Die Kette wurde durchgesägt oder -geschnitten“, erklärt Fiete traurig. Seitdem steht dort eine verschlossene und sicher angeschraubte Geldkassette.

Nach Weihnachten wollen die jugendlichen Handwerker erst einmal kürzertreten, aber nicht ganz aufhören. „Es macht Spaß und wir verdienen etwas damit“, sagen sie. Zufrieden sind nicht nur Thore, Fiete und Leo, sondern auch ihre Eltern. „Das ist eine sinnvolle und tolle Beschäftigung, gerade jetzt zur Corona-Zeit“, findet Regina Schnitker. „Die Jungen sind kaum am Handy und haben gar keine Zeit, um am Computer zu zocken“, ergänzt Silke Breer. Besonders schön sei aber, dass das verdiente Geld immer gerecht geteilt werde, ohne zu schauen, wer was gemacht hat.

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