Stille statt stampfender Hufe: Ohne Corona hätten am Sonntag Pferde und Trabrennfahrer das Erlfeld erobert

Kein Happy End: Bernd Bußmann, Detlef Orth, Klaus Storck und Ari Mohammed haben lange gehofft, das der Renntag doch stattfinden kann – nun richten sich den Blick auf ein besonderes Ersatz-Event im September.
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Kein Happy End: Bernd Bußmann, Detlef Orth, Klaus Storck und Ari Mohammed haben lange gehofft, das der Renntag doch stattfinden kann – nun richten sich den Blick auf ein besonderes Ersatz-Event im September.

Klaus Storck wird am Sonntag wohl mehr als einmal wehmütig daran denken, dass jetzt eigentlich Pferde und Trabrennfahrer am Erlfeld um die besten Plätze kämpfen sollten.

Drensteinfurt – Auch die vielen Besucher auf der Rennbahn, die Kuchentheke, kurz gesagt die ganze Atmosphäre wird er vermissen. Doch der Rennverein ist nicht in Agonie verfallen, sondern hat stattdessen einen Plan B geschmiedet. Wenn es glattgeht, können sich die Drensteinfurter auf ein besonderes Ereignis im Oktober freuen: ein Radrennen auf der Pferdebahn.

Für die vielen Helfer des Renntags wird es am Wochenende wenigstens eine kleine Party geben, sie soll den Zusammenhalt stärken und die Jungs bei Laune halten. „Wir würden jetzt mitten in den Vorbereitungen stecken“, sagt Klaus Storck, während sein Blick über die Rennbahn schweift. Einen Moment habe man darüber nachgedacht, die Rennen vielleicht doch stattfinden zu lassen.

„Pferde würden wir wohl bekommen“, berichtet Detlef Orth, sportlicher Leiter des Rennvereins. Doch schnell fügt er an: „Wir veranstalten das aber nicht für uns, sondern auch für die Menschen, die oftmals mit der ganzen Familie zur Rennbahn kommen.“ Darüber hinaus sei man wirtschaftlich auf den Erlös der Eintrittskarten und Platzwetten angewiesen. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass der Wettumsatz in Drensteinfurt auf der Bahn der Beste in ganz Deutschland sei.

Positive Blicke in Richtung 2021

Es gebe zwar schon Rennbahnen, die Rennen mit beschränkter Publikumszahl durchführen. Aber wenn nur 300 Wettbegeisterte erlaubt seien: Wem soll man dann die Karte verkaufen, fragt Orth.

Man bereite jetzt optimistisch alles auf den Renntag 2021 vor. So wurden neue See-Container angeschafft, um bessere Lagermöglichkeiten zu schaffen. Man beobachtet, ob und mit welcher Kapazität andere hoch dotierte Rennen stattfinden dürften. Und dann gebe es ja immerhin auch noch die Hoffnung auf einen Impfstoff gegen Corona. Allen Unsicherheiten zum Trotz wolle man schon mal einen Termin für das kommende Jahr suchen und mit den anderen Vereinen abstimmen, informiert Storck.

Leistungsschwankungen bei Pferden

Für den Rennverein ist der Ausfall des Renntags nicht nur aus emotionalen, sondern auch aus handfesten finanziellen Gründen besonders bitter. „Wetterbedingt war der Renntag 2019 für uns nicht optimal, so haben wir alle Hoffnungen auf 2020 gesetzt“, lässt Storck durchblicken. Zu Beginn der Corona-Pandemie hielt sich noch ein Fünkchen Hoffnung. Er zerplatzte, als schließlich alle Großveranstaltungen auch über die Sommerferien hinaus verboten waren. Aber, stellt Storck sachlich fest: „Die Gesundheit steht im Vordergrund!“

Auch für die Pferde hat der Ausfall der Saison Auswirkungen. „Sollen die Pferde trainiert werden oder nicht?“, habe sich für viele Trainer die entscheidende Frage gestellt. Die Folge seien absolute Formschwankungen gewesen, berichtet Detlef Orth. In den ersten Rennen, die vor sechs Wochen – noch ohne Zuschauer – stattfinden durften, spiegelte sich das im Ergebnis wider. „Die ganze Geschichte wurde völlig durcheinander gewürfelt, Außenseiter gewannen, Favoriten blieben auf der Strecke“, so Orth.

Auch für die Rennfahrer habe die Corona-Pandemie immense Umsatzeinbußen bedeutet. Viele Pferdebesitzer hätten gar ihre Pferde abgeben müssen – nicht selten gerade solche Besitzer, die nur ein einziges Pferd trainieren. Schließlich seien alle ländlichen Bahnen zu 100 Prozent abgesagt worden.

Renntag in Drensteinfurt

Radrennen auf der Rennbahn

Auch der Radsportclub Olympia Buer mit Profis und Hobbyrennfahrern musste wegen Corona etliche Veranstaltungen ausfallen lassen. Und hier kommt Drensteinfurt ins Spiel: Michael Zurhausen, Vorsitzender des Vereins, der selber Trabrennpferde besitzt, und der schon mal ein Vergleichsrennen zwischen Pferden und Radrennfahrern veranstaltet hat, kam auf die Idee, in Drensteinfurt auf der Trabrennbahn ein Radrennen zu veranstalten.

Sein Ziel ist es, Fans beider Sportarten (Rad- und Pferdesportlern) auch in diesem Jahr eine Veranstaltung zu bieten. Geplant ist ein „Zirkel“, bestehend aus drei Renn-Veranstaltungen jeweils auf Natur-Bahnen: in Bedburg-Hau am Niederrhein (13.September), in Gelsenkirchen (Ende September) und zum Abschluss dann in Drensteinfurt (Mitte Oktober). Der genaue Termin steht noch nicht fest. Laut aktueller Planung dürfen 300 Zuschauer kommen.

Geplant sind ein Mountainbike-Hobbyrennen und ein Cross-Duathlon, eine Option ist ein Vergleichsrennen zwischen Pferden und Rennradfahrern. Zusätzlich soll es einen Kunstmarkt im Erlfeld geben. Anfang September werden Mitglieder von Olympia Buer nach Drensteinfurt kommen, um die Bahn für das Radrennen zu testen.

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