Abschaffung von Steuervorteilen?

Keine Benachteiligung von Frauen: Olaf Scholz stößt bei Männer-Vereinen auf Unverständnis

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Beim MGV dürfen Frauen zwar nicht mitsingen, aber passiv Mitglied werden.

Dreinsteinfurt - Bundesfinanzminister Olaf Scholz will, dass reine Männer-Vereine nicht den Status einer gemeinnützigen Organisation und die damit verbundenen Vorteile genießen. Zwei Vereine in Drensteinfurt könnten davon betroffen sein.

„Vereine, die grundsätzlich keine Frauen aufnehmen, sind aus meiner Sicht nicht gemeinnützig. Wer Frauen ausschließt, sollte keine Steuervorteile haben und Spendenquittungen ausstellen“, so die Argumentation von Scholz. Tatsächlich fühlen sich weder die Junggesellenschützen noch der Männergesangverein von dem Vorstoß des Bundesfinanzministers angesprochen.

Sebastian Ringhoff, Vorsitzender des Junggesellenschützenvereins, stellt sofort klar: „Wir haben uns bisher gar nicht als gemeinnütziger Verein eintragen lassen.“ An dem Punkt bräuchte eigentlich nichts mehr gesagt werden. Doch der Vorstand möchte sich dem Thema stellen und hat sich ausführlich mit dem Gedankengang des Bundesfinanzministers auseinandergesetzt.

Scholz macht es Vereinen schwerer, Feste auf die Beine zu stellen

„Die Junggesellenschützen wurden 1925 mit dem Zweck gegründet, junge Männer in Drensteinfurt zusammenzubringen“, informiert er. Genau betrachtet, trage der Verein eine Menge zum Gemeinwohl bei, indem er durch das Schützenfest die Verbundenheit im Ort stärke. Auf diese Weise trage man dafür Sorge, dass die Jugendlichen im Ort feiern können und der Tradition verbunden bleiben.

Durch den Vorstoß von Olaf Scholz werde es für betroffene Vereine noch schwieriger, Feste auf die Beine zu stellen, sollte ihnen der steuerliche Vorteil genommen werden. „Das schadet diesen Vereinen mehr, als die Bevölkerung und andere Vereine davon profitieren könnten“, findet Ringhoff.

"Wir schließen Frauen nicht aus"

Abschließend stellt er fest: „Wir schließen Frauen nicht von unseren Festen aus.“ Das Schützenfest sei keine reine Männerveranstaltung und könne nur im Miteinander beider Geschlechter wirklich erfolgreich sein.

„Die Politik sollte sich davon lösen, in allen Bereichen Männer und Frauen mit aller Macht gleichstellen zu wollen“, so seine Meinung. Würde Scholz mit seiner Idee Erfolg haben, dürfte es keine Männergesangvereine und keine Landfrauen mehr geben. Glücklicherweise, so versichert er, habe es in Drensteinfurt bisher keinerlei Beschwerden darüber gegeben, dass nur Männer im Junggesellenschützenverein eintreten dürfen.

Vereine bleiben entspannt

Josef Klein, Vorsitzender des Männergesangvereins (MGV) Drensteinfurt, fühlt sich ebenfalls nicht von Scholz’ Plänen betroffen. „Bei uns dürfen alle Frauen passiv Mitglied werden“, sagt er. Tatsächlich hätten auch einige Frauen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht und seien bereits passive Mitglieder. „Ich sehe das ziemlich entspannt“, sagt er.

Der Finanzminister habe nicht in alle Richtungen gedacht. Der MGV sei nun einmal ein Männerchor, in dem Frauen nicht aktiv mitsingen könnten. „Es entspricht der Natur, dass eine Frau nicht in einem Männerchor singen kann“, lautet sein Kommentar.

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