„Wir sind gut vorbereitet“

Flüchtlinge: Drensteinfurt bildet anders als Hamm keinen Krisenstab

2016 zur Hochzeit der Flüchtlingskrise war die Turnhalle der Lambertus-Grundschule Walstedde zu einem Flüchtlingsheim umgebaut worden. Das soll jetzt vermieden werden.
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2016 zur Hochzeit der Flüchtlingskrise war die Turnhalle der Lambertus-Grundschule Walstedde zu einem Flüchtlingsheim umgebaut worden. Das soll jetzt vermieden werden.

Die Bundesregierung lehnt einen Alleingang zur Lösung der aktuellen Krise um die Flüchtlingssituation an der griechisch-türkischen Grenze ab. Und doch warten Tausende. Die Rede ist von mindestens 13.000 Migranten, die nach der Öffnung der türkischen Grenze im Niemandsland an der griechischen Landegrenze auf Einlass warten. Viele von ihnen wollen nach Deutschland. Zusätzlich erreichen immer mehr Boote mit Flüchtlingen aus der Türkei die Insel Lesbos.

Drensteinfurt/Hamm – Sind die Kommunen auf eine erneute Flüchtlingswelle, wie sie Deutschland 2015 und 2016 überrollt hat, vorbereitet? Bürgermeister Carsten Grawunder geht nicht davon aus, dass sich die Ereignisse in dem damaligen Ausmaß wiederholen, dennoch behalte die Verwaltung die Situation aufmerksam im Blick.

Sollte eine große Zahl von Flüchtlingen kommen, habe sich die Situation dennoch verbessert. Anders als vor fünf Jahren betrage die Vorlaufzeit sieben Tage, ehe die Bezirksregierung Arnsberg Personen zuweise. In der jüngeren Vergangenheit seien überwiegend Familien mit Kindern nach Drensteinfurt gekommen. Es stünden aber auch Räume für alleinstehende Männer bereit, ebenso Matratzen und Haushaltspakete. „Wir sind gut vorbereitet, sodass wir im Moment noch keinen Krisenstab bilden müssen“, macht Bürgermeister Grawunder deutlich. Thomas Hunsteger-Petermann, Oberbürgermeister von Drensteinfurts Nachbarstadt Hamm, hingegen hatte Anfang der Woche einen Krisenstab einberufen.

Alte Feuerwehr und Schulturm in Rinkeorde für Flüchtlingsunterkünfte geplant

Unterbringungsmöglichkeiten gibt es zur Zeit in der Alten Feuerwache in Drensteinfurt und im Schulturm in Rinkerode, so Grawunder. Überlegungen, die Turnhalle der Lambertus-Grundschule in Walstedde erneut in ein Flüchtlingsheim umzufunktionieren, gebe es nicht und Grawunder versichert: „Das wollen wir auf jeden Fall vermeiden.“ Wenn auf einen Schlag eine große Zahl Migranten komme, müsse geschaut werden, wo man verdichten könne. Natürlich sei es nicht möglich, im Voraus zu sagen, wie sich die Situation entwickele. Er habe aber bei der Bezirksregierung deutlich gemacht, dass es wenig sinnvoll sei, Personen zuzuweisen, wenn kein Wohnraum zur Verfügung stehe. Es gelte dann, gesamtverantwortlich an solch eine Situation heranzugehen.

Erst sollen Großstädte für die Unterkunft on Flüchtlinge aufkommen

„Es gibt Landeseinrichtungen in Großstädten, die zur Zeit noch genügend Luft hätten oder sogar leer stehen, eine von ihnen ist Hamm“, so Grawunder. Solche Kapazitäten müssten zuerst genutzt werden. Laut Hamms OB Hunsteger-Petermann können bis zu 500 Plätze im Glunzdorf und an der Zentralen Unterbringungseinrichtung am Alten Uentroper Weg bereitgestellt werden. Die Alfred-Fischer-Halle, in der zu Zeiten des ersten Flüchtlingsstroms viele Menschen untergebracht wurden, würde nur für den absoluten Notfall benötigt. Das Leid der Flüchtlinge lasse ihn aber nicht unberührt, betont Drensteinfurts Bürgermeister Grawunder. Er sei der Meinung, Europa müsse die Flüchtlinge aufnehmen.

Flüchtlinge nicht alleine lassen

Wichtig sei aber, dass für Kommunen, die sich um Migranten kümmern, von den verantwortlichen Ebenen Geld bereitgestellt wird. So gebe es noch immer für geduldete Flüchtlinge ab dem vierten Monat keine Entschädigung seitens Land oder Bund. Zudem sei er der Meinung, dass auch Länder wie Ungarn und Polen in die Pflicht genommen werden müssten. Man könne nicht nur die angenehmen Seiten der EU mitnehmen, sondern auch deren Lasten mittragen, so Grawunder weiter. „Menschen zum Spielball zu machen, wie es Erdogan gerade praktiziert, ist unerträglich.“

Abschließend stellt er fest: „All die Jahre hat Drensteinfurt selbst vor der Flüchtlingskrise Menschen aufgenommen und integriert und dabei gute Strukturen aufgebaut.“ Selbstverständlich werde man Menschen, die kommen, auch willkommen heißen.

114 Flüchtlinge

Insgesamt leben zur Zeit 114 Flüchtlinge in Drensteinfurt, davon sind 47 Personen geduldet. 2016 in der Hochzeit der Flüchtlingskrise waren es 340 Flüchtlinge, die in Stewwert versorgt werden mussten.

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