In Quarantäne, aber am Leben: Schwer verletzte Katze verdankt ihr Leben Menschen, die nicht wegschauten

Milena Weßel päppelt das verunglückte Tier im Tierheim in Ahlen auf.
+
Milena Weßel päppelt das verunglückte Tier im Tierheim in Ahlen auf.

Manchmal macht eine einzige Entscheidung den Unterschied aus, ob ein Tier leben oder sterben wird. Die schwarze Katze, die vor gut einer Woche schwer verletzt am Radweg entlang der B 63 in Höhe Rubberts Mühle umherirrte, verdankt ihr Leben Menschen die nicht weggeschaut haben.

Walstedde – Mit viel Mühe und Geduld fingen drei Frauen die Katze ein und sorgten für Hilfe. Bis heute weiß man nicht, ob die schwarze Fellnase entlaufen oder einfach an der Straße ausgesetzt worden war.

Als Annette Rubbert am Montagmorgen mit ihrem Hund Mali unterwegs war, fiel ihr die schwarze Katze sofort auf. „Sie blieb einfach sitzen, obwohl der Hund kam“, erinnert sie sich. Beim Näherkommen flüchtete die Katze in den Graben, dabei sah die Walstedderin, dass das Tier an der Seite verletzt war.

Langes hin und her bei Ansprechpartner

Die Katze ihrem Schicksal zu überlassen, war für sie keine Option. Ihr erster Gedanke, bei der Stadt anzurufen, brachte keinen Erfolg. Dort war niemand zu erreichen. Der Tierarzt verwies auch auf die Stadt, letztendlich telefonierte sie mit dem Tierheim in Ahlen. Dort bat man sie, die Katze einzufangen und vorbeizubringen. Gerne hätten sie mit einer Lebendfalle ausgeholfen, aber die waren zu diesem Zeitpunkt alle im Einsatz. So suchte sich die engagierte Frau Hilfe.

Gemeinsam mit ihrer Schwester und einer Nachbarin überlegten sie das weitere Vorgehen. Sie beschlossen, drei Katzenkörbe mit Futter in der Nähe der Katze aufzustellen. Regelmäßig fuhr eine der Frauen hin, um zu kontrollieren, ob die Katze in einer der Kisten lag. Beim Kontrollgang von Andrea Mattner um 18 Uhr war das der Fall, das Tier flüchtete aber beim Näherkommen. Mit viel Geduld gelang es ihr, die Katze in die Kiste zu locken. Zu diesem Zeitpunkt war im Tierheim aber niemand mehr zu erreichen, es gab auch keinen Anrufbeantworter, der weiterhalf. Annette Rubbert rief die Tiernothilfe an und bekam die Order, sich an das Kleintierzentrum in Oelde zu wenden. Am Telefon bat man sie, sofort zu kommen.

Hilfe von vielen Seiten: An dieser Stelle an der B 63 in Höhe Rubberts Mühle fanden Annette Rubbert und ihr Hund Mali die schwer verletzte Katze. Andrea Mattner lockte sie am Ende in die Katzenkiste.

Gefahr der Amputation gebannt

Nach der Untersuchung teilte die behandelnde Ärztin mit: „Die Katze ist vermutlich angefahren worden und mehrere Tage schwer verletzt herumgelaufen. Das Bein ist völlig vereitert und es besteht die Gefahr, dass es abgenommen werden muss.“ So wurde das Tier stationär aufgenommen, bekam Antibiotika und sollte erst einmal aufgepäppelt werden. Bei der Untersuchung stellte man fest, dass die Katze gechippt, aber der Chip nirgendwo registriert ist.

Am Freitag hatte die Tierärztin Dr. Maria Halbuer-Kobrink dann auf Anfrage des WA aber überraschend gute Neuigkeiten. „Das Sprunggelenk sieht unerwartet richtig gut aus, das Antibiotika hat geholfen, der Eiter ist verschwunden, die Katze ist zutraulich, ganz lieb und frisst gut“, teilte sie telefonisch mit. Am Dienstagmorgen holten Mitarbeiter des „Mammut Tierheims Ahlen“ die Katze ab.

In Quarantäne: Die schwarze Katze hatte Glück und kommt im Tierheim in Ahlen aktuell zu Kräften.

Volles Haus im Tierheim

Für das Tierheim war die Walstedder Fundkatze die 57. Katze. Eine Zahl, die sich, so Tierheim-Mitarbeiterin Milena Weßel, stündlich ändern kann. Im Tierheim sind fast immer alle Plätze belegt. Neben den Katzen, von denen 45 Kitten sind, gibt es noch 22 Hunde und einige Tiere in Pflegestellen. Insgesamt können sie auf fünf Tierpflegestellen zurückgreifen. Hier kommen die Tiere hin, die besondere Betreuung brauchen. Doch: Dem Mammut Tierheim in Tönnishäuschen fehlt es an Arbeitskräften, an Platz und immer wieder an Geld. Die Städte zahlen einen Betrag für aufgenommene Tiere, der die tatsächlichen Kosten nicht annähernd deckt.

„200 bis 250 Euro Kosten verursacht ein Tier, das nicht verletzt oder krank ist“, erklärt Milena Weßel und fügt hinzu: „Jedes Tier wird gechippt, registriert, sterilisiert oder kastriert, entwurmt, entfloht und geimpft.“ Ist das Tier verletzt oder krank, was häufig der Fall ist, stiegen die Kosten rasant in die Höhe. Wird einer der Findlinge abgegeben, muss der neue Besitzer 100 Euro bezahlen. „Obwohl das nicht einmal unsere Kosten deckt, ist es einigen Menschen zu viel“, berichtete die Tierschützerin.

Mehr Anfragen wegen Corona

Im Moment werden viele Tiere gefunden oder abgegeben. Das sei in den Sommermonaten normal. Schließlich nimmt das Tierheim Katzen und Hunde aus acht Städten, unter anderem auch aus Drensteinfurt, auf. Besonders dramatisch sei es im Sommer 2018 mit 150 aufgenommenen Katzen gewesen.

Corona habe die Zahlen nicht erhöht. „Niemand hat sein Tier aus Angst vor Ansteckung abgegeben“, versichert sie. Durch Homeoffice sei aber das Interesse an einem Tier gestiegen, weil viele zu Hause waren. Da sei es Aufgabe gewesen, zu hinterfragen, was nach Corona kommt. Ob das Tier dann auch noch optimal versorgt werde.

Für die Walstedder Findelkatze ist es noch einmal gut ausgegangen. Im Moment lebt sie noch, wie jeder Neuzugang, auf der Quarantänestation. Wenn das Bein gut verheilt ist, wird sie in die Vermittlung kommen und hoffentlich ein gutes neues Zuhause finden.

Unterstützung

Das Tierheim kann mit einer Spende unterstützt werden; per Überweisung wahlweise auf das Konto bei der Sparkasse Münsterland Ost (IBAN: DE 38 4005 0150 0000 0062 62; BIC: WELADED1MST) oder bei der Volksbank Ahlen (IBAN: DE14 4126 2501 0105 9055 00; BIC: GENODEM1AHL).

Das Tierheim freut sich auch über weitere Ehrenamtliche, die Tiere ausführen möchten, zudem über Feucht- oder Trockenfutter für Hunde und Katzen, Tierspielzeug, Transportboxen und vieles mehr.

Vanessa und Marius Lödding betreiben seit gut einem Jahr ihre Reitanlage „Gut Lödding“ am Holunderweg 11. Durch eine aufwendige Rettungsaktion in der benachbarten Kleingartenanlage „Ahsetal“ wurden sie kürzlich auf den Verein „Katzenkinder-Nothilfe“ aufmerksam und nun sind fünf Katzen und zwei Kater die Lieblinge des Reitanlagen-Teams.

Ein dramatisches Erlebnis hatte eine Tier-Mama: Drei Eichhörnchenbabys sind in Dortmund auf einem Dach aus ihrem Nest geklettert, hinuntergerutscht und unter Dachpfannen stecken geblieben.  Leider konnte die Feuerwehr nicht alle retten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare