Kampf gegen Windmühlen um Erhalt des Amtshofs

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Der Amtshof aus der Vogelperspektive.

Drensteinfurt - In den vergangenen drei Jahren hat der Drensteinfurter Manfred Blanke ungezählte Stunden damit verbracht, die Geschichte des Amtshofs aufzuarbeiten. Er malte Zeichnungen und Aquarelle vom ursprünglichen, alten und neuen Amtshof und zuletzt futuristische Bilder der ehrgeizigen und zukunftsträchtigen Idee eines medizinischen Versorgungszentrums auf dem historischen Gelände. Mit der Zeit kamen etwa 4000 Dateien zum Thema Amtshof zusammen. Zuletzt schaffte es ein Artikel von Blanke in das Jahrbuch des Kreisheimatvereins. Nun hat er fast sichere Gewissheit: Die ganze Arbeit scheint umsonst gewesen zu sein.

Lange Zeit sah es so aus, als ob das medizinische Versorgungszentrum Realität werden würde. Es schien so, als würden alle beteiligten Stellen, unter anderem der Besitzer, der Graf von Meran, die Stadt, vertreten durch Bürgermeister Carsten Grawunder, das Denkmalamt, der Kreis und natürlich Dr. Heinrich Binsfeld und seine Investoren hinter dem Projekt stehen.

Jetzt ist die Realisierung aussichtsloser denn je und Architekt Manfred Blanke bleibt wohl nur noch die Enttäuschung. „Ich habe das Gefühl, niemand will mehr mit mir reden“, stellt er bedauernd fest.

Manfred Blanke setzt sich dafür ein, im Amtshof ein Gesundheitszentrum anzusiedeln.

Dabei sei er von der Wertigkeit des historischen und teilweise unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes überzeugt. Nach seinen Recherchen wäre es sogar möglich, dass der Amtshof ein Werk des berühmten Architekten Conrad Schlaun ist.

Aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammt diese Zeichnung des Amtshofs.

Vermutlich um das Jahr 600 zur Zeit Karls des Großen gab es an der Stelle des Amtshofes eine Hofstelle. 851 wurde er als „Villa Stenforde in regione Dregi“ erstmals im Zusammenhang mit der Überbringung einer Reliquie des heiligen Alexander durch Waltbrath, einem Enkel des Herzogs Widukind, erwähnt. Diese rastete wahrscheinlich auf dem Hof, aus dem der Amtshof später hervorging. Hier, auf sächsischem Boden auf dem Hof Steinfurt im Drengebiet, kam es wohl zu einer Wunderheilung. „Das ist ein schönes Omen für ein Gesundheitszentrum“, findet Blanke. An das Ereignis erinnert im Übrigen die bronzene Statue am Markplatz.

„Schmuckstück für Drensteinfurt“

Im 9. Jahrhundert entstand der Oberhof mit 17 Unterhöfen und einer örtlichen Gerichtsbarkeit, später der Südhof, am Ende wurde es der Nordhof oder Amtshof. Mit der Zeit wurde eine Burganlage mit Gräften errichtet. Im 15. Jahrhundert gab es Befestigungsanlagen, so belegen es Unterlagen. Die gesamte heutige Anlage ist in U-Form aufgebaut und wurde bis Ende des 20. Jahrhunderts landwirtschaftlich genutzt. Zurzeit dient sie einem Zirkus als Lagerstelle.

Manfred Blanke will weiter um den Erhalt des Amtshofs in Drensteinfurt kämpfen.

Der älteste Teil des Amtshofes ist das innengeschossige Fachwerk-Wohnhaus aus dem 18. Jahrhundert. Das eingeschossige Fachwerk-Wohnhaus erinnert an ländliche Herrensitze aus der Renaissance im Münsterland. Auf den Schaugiebeln sieht man halbkreisförmige Wagenräder aus Sandstein. Am Schaugiebel besonders reizvoll drei Okuli, kreisrunde Fensteröffnung. Bild Quer dazu erstreckt sich das barocke Fachwerkhaus, das auf einem Gewölbekeller ruht, der auf vielfältige Weise genutzt werden könnte, glaubt Blanke. „Ich könnte mir ein gemütliches Lokal mit Kaminfeuer vorstellen“, so der Hobbyhistoriker.

Das Stallgebäude aus Backstein aus dem Jahr 1886 stellt eine architektonische Besonderheit dar. Besonders auffällig ist der symmetrisch aufgebaute Staffelgiebel mit Schmuckelementen und einem bekrönenden Halbkreis aus Sandstein. Über den beiden großen Stalltoren erheben sich Dachgauben mit klassizistischen Dreiecksgiebeln. Herausragende Details sind schmiedeeiserne Beschläge und die architektonisch außergewöhnlich reizvolle Backsteinkappendecke im Innern des Stalls, die auf gusseisernen Säulen und Stahlträgern ruht.

Der Hobbyhistoriker Manfred Blanke hat Ansichten vom Amtshof gemalt.

Die Scheune steht auf einem Natursteinsockel, so dass keine Feuchtigkeit von unten in die Pfosten gelangte. Bis heute habe das Lärchenholz die Zeit nahezu unbeschadet überstanden.

Wenn gleich Skeptiker meinten, ein Abriss sei aufgrund des ersten Eindrucks die beste Möglichkeit, hält Manfred Blanke entgegen: „Der äußere Eindruck täuscht.“ Er ist davon überzeugt: „Der zentral gelegene Amtshof könnte zu einem Schmuckstück werden, der das Ortsbild von Drensteinfurt bereichert.“

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