10 Jahre danach: Kyrill und seine Folgen in Drensteinfurt

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Die Loretokapelle war ein Opfer des Orkans Kyrill in Drensteinfurt. Gut zu erkennen ist an den neuen Dachpfannen, dass das Dach nach den Schäden durch Kyrill wieder hergestellt werden musste.

Drensteinfurt - Der Orkan Kyrill beeinträchtigte am 18. und 19. Januar vor zehn Jahren das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas nachhaltig. Damals fegten die Böen mit Geschwindigkeiten von bis zu 225 Kilometern pro Stunde auch über weite Teile Deutschlands. Millionen Menschen waren zeitweise ohne Strom, der Bahnverkehr wurde teilweise eingestellt, Flüge gestrichen, Schulen und Kindergärten geschlossen. Kyrill forderte 47 Todesopfer und führte zu Sachschäden in Milliardenhöhe. Auch wenn Drensteinfurt seinerzeit vergleichsweise glimpflich davon kam, hatten die Drensteinfurter Feuerwehrleute doch bis dato einen Orkan solchen Ausmaßes noch nie erlebt. Der damalige Leiter der Freiwilligen Feuerwehr, Heinz-Jürgen Gottmann, erinnert sich.

 „Wir hatten damals rund 80 sturmbedingte Einsätze“, berichtet der heutige Kreisbrandmeister. Im gesamten Kreis Warendorf registrierten Polizei und Feuerwehr 840 Einsätze.

In erster Linie seien es Bäume gewesen, die umzustürzen drohten. Diese wurden gesichert und bei unmittelbarer Gefahr sofort gefällt. Auch Dachpfannen oder sogar ganze Dächer fielen dem Orkan zum Opfer, ebenso Verkehrsschilder und Kaminabdeckungen. „Einen Personenschaden gab es zum Glück bei uns nicht“, betonte Gottmann. Mit rund 80 Einsatzkräften seien die Feuerwehrleute unterwegs gewesen, am anderen Morgen ging es mit Aufräumarbeiten weiter.

Der heutige Kreisbrandmeister Heinz-Jürgen Gottmann erlebte vor zehn Jahren den Sturm Kyrill und seine Auswirkungen als Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Drensteinfurt mit.

Dann wurden Bäume gefällt, außerdem Krater in Asphaltdecken geschlossen, die durch entwurzelte Bäume entstanden waren. Betroffen seien alle Ortsteile gewesen – das Ausmaß aber stand in keinem Vergleich zum Sauerland, in dem Kyrill ganze Schneisen der Verwüstung hinterlassen hatte. In Rinkerode in der Davert zum Beispiel war eine 120 Jahre alte 25-Meter-Buche mit einem Stammdurchmesser von einem halben Meter, noch zu Zeiten von Kaiser Wilhelm gepflanzt, durch die Wucht des Orkans in die Knie gezwungen worden.

Die Schulen im Stadtgebiet beendeten ihren Unterricht vorzeitig, damit die Kinder und Jugendlichen unbeschadet nach Hause gelangen konnten. Auch im Kreis Warendorf kam der Bahnverkehr teilweise zum Erliegen.

Einig seien sich die Feuerwehrleute, dass sie so einen gewaltigen Orkan zuvor noch nie erlebt hatten und in der Folgezeit bis heute auch kein vergleichbarer Sturm aufgetreten sei. Wenngleich sich die Unwetterspitzen doch häuften und in immer kürzeren Abständen aufträten. „Beispiele dafür sind die Hochwasserkatastrophen in Oelde, Münster, Mersch, Kreis Borken und Rinkerode“, erklärt Kreisbrandmeister Gottmann.

Aus den Ereignissen der vergangenen Jahre habe die Feuerwehr gelernt. Das ganze Konzept sei technisch aufgerüstet worden und mit den Unwettereinsätzen gewachsen. So gebe es jetzt sogar ein extra Fahrzeug vom Land NRW, das bei Hochwasser eingesetzt werden kann. Bei Katastrophen werden die Einsatzkräfte stabsmäßig vom Kreishaus in Warendorf aus koordiniert.

„Wir arbeiten heute unheimlich viel mit den Hilfsorganisationen zusammen“, berichtet Gottmann. Bei jedem Einsatz seien diese mit vertreten. „Das klappt sehr gut, wir können jetzt gezielt und ganz konkret abarbeiten und so der Bevölkerung die größtmögliche Hilfe anbieten“, fasst er zusammen.

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