Bürgermeister nach der Kommunalahl 2020

Grawunder im Interview: „Wahl ein erster echter Prüfstand“

Carsten Grawunder erlebte in Drensteinfurt einen entspannten Wahlabend.
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Erlebte einen entspannten Wahlabend: Schon früh zeichnete sich ab, dass Bürgermeister Carsten Grawunder sein Amt weitere sechs Jahre ausüben werden kann. Die Bekanntgabe der Ergebnisse verfolgte er in der Teamschule zusammen mit Ehefrau Heike Mersch-Grawunder und seiner Familie.

Der alte Bürgermeister ist auch der neue Bürgermeister. Carsten Grawunder ist am Sonntag mit 82,55 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt worden. Im Interview blickt Grawunder auf den Wahlkampf unter Corona-Bedingungen zurück und voraus auf die künftige Zusammenarbeit mit den Parteien in einem veränderten Rat.

Sind Sie zufrieden mit dem Wahlergebnis?

Auf jeden Fall, das ist mehr als ich erwartet habe.

Sehen Sie das starke Ergebnis mit über 80 Prozent Zustimmung als Bestätigung ihrer bisherigen Arbeit?

Ja, aber nicht nur: Zum einen verstehe ich das Ergebnis als Bestätigung der bisherigen geleisteten Arbeit. Es kann also nicht ganz viel falsch gewesen sein. Zum anderen verstehe ich das Wahlergebnis als Vertrauensvorsprung, dem ich gerecht werden muss und möchte.

Eine hohe Zustimmung kann aber auch eine große Erwartungshaltung aufbauen, oder?

Das weiß ich gar nicht. Für mich war diese Wahl der erste echte Prüfstein. Natürlichhabe ich in den sechs Jahren als Bürgermeister viele Gespräche geführt und dort erfahren, wann Leute zufrieden sind mit meiner Arbeit und wann nicht. Aber ich hatte keine Chance, richtig zu ermessen, was die Drensteinfurter von meiner Arbeit halten. Ich glaube, dass ich das Ergebnis richtig interpretiere, dass die Leute damit zufrieden sind. Und es ist meine feste Absicht, diese Arbeit gut fortzusetzen, damit sich die Wähler in ihrer Entscheidung bestätigt fühlen, sich richtig entschieden zu haben.

Wird die Arbeit als Bürgermeister jetzt schwieriger angesichts einer absoluten Mehrheit der CDU im Rat?

Das wird man sehen. Bisher ist es uns gelungen, die Beratungen im Rat und in den Ausschüssen so gut vorzubereiten, dass wir sehr oft mit großer Mehrheit oder einstimmig die Entscheidungen getroffen haben. Natürlich hat die CDU mit einem Sitz mehr ein anderes Gewicht. Da wird es meine Aufgabe sein, weiter gut mit der CDU und allen anderen Fraktion zusammenzuarbeiten. Die Parteien werden jetzt in den nächsten Wochen Gespräche führen, wie sich die Ausschüsse neu zusammensetzen und wer Fraktionsführer wird. Und dann habe ich vor, mit der CDU und allen anderen Fraktion Gespräche zu führen und dort auch grundsätzliche Fragen anzusprechen, die sich für die neue Ratsperiode und die nächsten Jahre stellen.

2014 wurden Sie von SPD und Grünen nominiert. Jetzt kam Unterstützung nur von der SPD – und die hat an Stimmen verloren.

Das ist dem allgemeinen Trend geschuldet. Ich selbst finde es überraschend, dass die Grünen nicht wie im Landestrend stärker dazugewonnen haben.

Was erwarten Sie für die Zusammenarbeit mit den Grünen in den nächsten Jahren? Immerhin hatten sie mit Heidi Pechmann eine Gegenkandidatin für die Bürgermeisterwahl aufgestellt. Und die Grünen haben etwa beim Thema Kunstrasen eine klar andere Position bezogen als die Verwaltung.

Beim Thema Kunstrasen sind die Grünen von allen anderen überstimmt worden. Allzu viele Erwartungen können sie mit jetzt sechs Sitzen nicht haben, alle ihre Themen durchzubringen. Ich habe immer mit den Grünen zusammengearbeitet und habe leider nie erfahren, was sie an meiner Arbeit gestört hat, sodass sie mit einer eigenen Kandidatin ins Rennen gegangen sind. Ich würde mir wünschen, dass ich auch mit den Grünen Gespräche über die Arbeit in den nächsten Jahren führen kann. Ich bin der Auffassung, dass auch die grünen Themen wie Klimaschutz und weitere Umweltschutzthemen wichtig sind und bleiben. Und daher werden auch die Grünen Gelegenheit finden, sich einzubringen.

Wie haben Sie den Wahlkampf mit ihrer Herausforderin Heidi Pechmann erlebt?

Als fair: Das haben wir im Vorfeld so verabredet und da haben wir uns auch dran gehalten. Die Wähler hatten das nicht anders gewollt.

Blicken wir auf die FDP: Die Liberalen haben eine Stimme hinzugwonnen.

Wir werden sehen, wie es sich auswirkt. Es hat bisher nur ganz wenige Themen gegeben, wo sie grundsätzlich gegen etwas waren, was wir beschlossen haben. Auch dort werde ich Gespräche führen und hoffe auf konstruktive Zusammenarbeit.

Wie war es für Sie, Wahlkampf unter Corona-Bedingungen machen zu müssen?

Das war eigenartig und sehr speziell. Ich hatte mir verschieden Dinge für den Wahlkampf überlegt. Ich hatte beispielsweise keinen Familienurlaub geplant, weil ich davon ausgegangen war, von einem Wahltermin zum nächsten zu eilen. Das fand wegen Corona nicht statt und es war mir auch wichtig, besonders sorgsam mit dem Virus umzugehen und Dinge eher sein zu lassen als etwas zu riskieren. Der Wahlkampf war folglich überschaubar.

Was sind die wichtigsten politischen Entscheidung, die in der neuen Wahlperiode anstehen?

Wir müssen unser Baugebniet Mondscheinweg voranbringen. Da müssen Entscheidungen über die Wärmeversorgung getroffen werden. Die Planungen für die Grundschule Rinkerode gehen weiter. Die Gebäude sind in absehbarer Zeit zu klein. Da muss etwas passieren. Das gilt auch für das Feuerwehr Gerätehaus in Rinkerode, um in dem Ort zu bleiben. Hier sind wir auf der Suche nach einer Fläche für einen neuen Standort. Und das Rathaus erfüllt die energetischen Voraussetzungen nicht mehr, es ist auch nicht barrierefrei. Das können wir nicht aufschieben. Die Erweiterungen der Grundschulen in Walstedde und Drensteinfurt stehen an und laufen zum Teil bereits. Die Kinderbetreuung ist ein ganz wichtiges Thema. Bei den Neubaugebieten müssen wir den Bedarf so planen, dass die Kitaplätze rechtzeitig fertig werden.

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