Rettung in letzter Minute: Umbau des „Hotels zur Post“ zur Tagespflege macht gute Fortschritte

In der künftigen Empfangshalle: Dr. Birgit Salomon (links) und Elke Willecke zeigen, dass das ehemalige „Hotel zur Post“ eine erstaunliche Verwandlung erlebt.
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In der künftigen Empfangshalle: Dr. Birgit Salomon (links) und Elke Willecke zeigen, dass das ehemalige „Hotel zur Post“ eine erstaunliche Verwandlung erlebt.

„Ende September ist alles fertig“, stellt Architekt Hermann Wulfekammer fest. Was vor Monaten scheinbar undenkbar war, liegt jetzt in greifbarer Nähe: Jeder, der am „Hotel zur Post“ vorbeikommt, sieht die erstaunlichen Fortschritte und die Verwandlung vom baufälligen Denkmal zur schmucken Tageseinrichtung der Marga-Kamphus-Stiftung. Zwölf Personen werden hier demnächst betreut.

Drensteinfurt – „Es war eine Rettung buchstäblich in letzter Minute“, sagt Wulfekammer: „Es hätte nicht viel gefehlt, und das Gebäude wäre zusammengestürzt.“ Fehlende Balken, in der Luft hängende Innenwände, unterschiedliches Mauerwerk: Probleme hat es genug gegeben.

Auch innen hat das Gebäude eine erstaunliche Verwandlung erlebt. Hell und sauber sind die Wände, die Holzdecken strahlen Ruhe und Sicherheit aus. „Im Trockeneisstrahlverfahren wurden die fast schon schwarzen Wände gesäubert“, informiert Dr. Birgit Salomon von der Marga-Kamphus-Stiftung. Der Vorteil beim Trockeneis, das aus reiner Kohlensäure besteht, liegt im hohen Reinigungseffekt, es hinterlässt keinerlei Rückstände. Dass nach einem unglücklichen Start „jetzt alles nur noch schön ist“, liegt laut Salomon am „unermüdlich optimistischen“ Architekten und an den heimischen Firmen.

Ohne Handwerker geht nichts

„Nur mit Firmen vor Ort ist eine so gute Zusammenarbeit möglich“, bestätigt Wulfekammer: „Die Handwerker kennen sich, reden und kooperieren miteinander.“

Weil das Gebäude ein Denkmal ist, habe man versucht, der Vorgabe des Denkmalamtes entsprechend viele Elemente zu behalten oder nachzukaufen. Dabei sei ein historischer Baustoffhändler in Lemgo mit passenden Klinkersteinen hilfreich gewesen: 4000 Steine mussten ausgetauscht werden. Die Sandsteinsockel war auf der Westseite gar nicht vorhanden und wurde ergänzt.

Hier entsteht ein kleiner Wintergarten.

Für Umbau viel Technik nötig

Der Haupteingang ist an der Mühlenstraße vorgesehen. „Heimlicher Haupteingang wird wohl der Eingang an der Kurzen Straße mit den Pkw-Stellplätzen werden“, glaubt Salomon. Um eine einheitliche Höhe der Räume zu bekommen, wurde der Boden ausgehoben und komplett aufgearbeitet. Das erforderte ein hohes Maß an Technik, denn neben Schotter wurde eine Betonsohle für die Thermik als Schutz vor Feuchtigkeit aus dem Boden eingearbeitet sowie neue Leitungen verlegt. Die Baumaßnahmen begonnen hier bereits vor knapp einem Jahr.

Jetzt sind der Ruhe- und Empfangsraum, der Therapieraum, die Küche, Sanitärräume und das riesige Badezimmer schon gut vorstellbar. In der ehemaligen Upkammer werden die Büros untergebracht, die demnächst über eine Treppe erreichbar sind. Angrenzend befindet sich eine Räucherkammer, in der passenderweise die Heizung untergebracht wird.

Historische Kammer soll bleiben

Kurioserweise führt von der Upkammer, die einst als Festsaal diente, ein kleiner Eingang in eine Kammer, in der in alter Zeit Gäste übernachten konnten. Dieser Bereich soll historisch mit alten Tapeten, Putz und entsprechenden Installationen erhalten bleiben. „Es wird eine Art Museumsraum, der zu bestimmten Zeiten öffentlich zugänglich ist“, erklärt der Architekt.

Der Dachboden ist gedämmt, soll aber nicht benutzt werden. Die schönen Holzdecken wurden unter dem Putz hervorgeholt. Im 50 Quadratmeter großen Eingangsbereich bestechen eine Klinkerwand und ein Ofen aus alter Zeit. Insgesamt stehen mit Keller und Büroräumen 300 Quadratmeter zur Verfügung. Allein 220 Quadratmeter werden für die Tagespflege genutzt. Der Keller wurde übrigens tiefergelegt um Stehhöhe zu erreichen. Hier finden Waschmaschine und Trockner Platz. Die Sonnenterrasse kostet noch einmal viel Arbeit, da Ebenerdigkeit für Rollstuhlfahrer benötigt wird.

Auch Bäckerei soll umgestaltet werden

Gute Nachrichten gibt es auch von der ehemaligen Bäckerei Becker, einem weiteren Projekt der Marga-Kamphus-Stiftung. Hier soll einmal ein Café entstehen. Im Moment findet eine Bausicherung mit dem Ziel des späteren Ausbaus statt. „Wir werden später die Baugenehmigung beantragen“, erklärt Salomon. „Ist die erteilt, beginnen wir im nächsten Jahr mit den Baumaßnahmen“, gibt Architekt Wulfekammer einen kleinen Ausblick in die Planung.

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