Auch die Zahl der Schädlinge steigt

Hitze bereitet Bauern sorgen: Mancher Ertrag ist gleich Null

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Thomas Moddick zeigt seine 180 Tonnen geerntete Wintergerste.

Vor fast drei Wochen stöhnten die Menschen in der Region und in vielen Teilen Deutschlands über Temperaturen bis über 40 Grad. Das heiße Wetter war nicht nur für die Bevölkerung eine Herausforderung, auch die Pflanzen litten unter der extremen Hitze.

Drensteinfurt – „36 Grad oder noch mehr sind für das Getreide schon brutal“, sagt der Pflanzenschutzexperte Bernhard Berkemeier. Der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsvereins, Thomas Moddick, bestätigt: „Jeder Tag über 30 Grad tut dem Weizen nicht gut.“

Mittlerweile ist das Getreide auf allen Feldern eingefahren und Moddick zieht eine doch noch positive erste Bilanz. „Die Getreideernte in Stewwert ist gut bis sehr gut“, stellt er fest. Weizen und Triticale zeigen keine Verluste. Probleme gebe es lediglich bei der Wintergerste. „Die hätte Regen gebraucht“, sagt der Landwirt.

Besonders als Zweitfrucht, bei der der Acker umgepflügt werden musste, fehlte das Wasser. Die Bauern, die direkt Ende Februar die schönen Tage genutzt hätten, um Nährstoffe auf die Felder zu tragen, hätten Schlimmeres vermeiden können. „Wer bis Ende März gewartet hat, hat Ertrag verschenkt“, ist er sich sicher.

Hitze bereitet Bauern Sorgen: Alternative Getreidearten

Moddick glaubt, dass zukünftig nachhaltiger Ackerbau mit dem Einbringen von Humus immer wichtiger werde. Eine andere Möglichkeit sei auch die Aussaat von Roggen, der ebenso wie Triticale mit der Trockenheit gut klarkomme. Tatsächlich biete der Roggen einen geringeren Proteingehalt, der gut zur Fütterung passe. „Je weniger Eiweiß in der Nahrung, desto weniger Stickstoff in der Gülle“, resümiert der Pflanzenschutzexperte.

Die Getreidefelder in Drensteinfurt sind mittlerweile abgeerntet.

Nicht so gut war das Wetter für den Raps. Mit der zunehmenden Wärme steige die Zahl der Schädlinge. Zudem dürften nicht mehr die gleichen Spritzmittel wie früher verwendet werden und die Düngeverordnung wirke sich auch nicht positiv aus, so Moddick.

Auch die Bauern aus der Nachbarschaft haben zu kämpfen

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„Im Herbst musste der Rapserdfloh bekämpft werden und im Frühjahr der Kohltriebrüssler“, erläuterte Berkemeier. Insgesamt sei das gesamte Blühverhalten durch die extreme Hitze und Trockenheit anders“, habe er beobachtet. Dies äußere sich auch durch kleinere Schoten.

Ein echtes Problem sei die Trockenheit aber für das Grünland. „Die Wiesen werden braun, der Ertrag ist im Moment gleich Null“, so Moddick.

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Zufrieden seien die Landwirte mit dem ersten und zweiten Schnitt gewesen. Der dritte und vierte Schnitt fehle, was zu Problemen bei der Fütterung führe. Darum hätten viele Landwirte als Ersatz bereits Getreide gehäckselt und siliert, denn die Futtervorräte würden immer knapper. Was am Ende aus der Maisernte wird, sei noch nicht sicher und hänge vom Wetter in den nächsten Wochen ab. Allerdings prognostiziert Moddick bereits heute: „Spitzenerträge wird es nicht geben.“

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