Das goldene Kalb: 26.000 Euro für "Dolce Vita"

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Rinkerode – Landwirt Alois Loddenkemper züchtet Kühe. Sein Ziel sind Tiere, die nicht nur viel Milch geben, sondern sich vor allen Dingen durch Gesundheit und Langlebigkeit auszeichnen.

Jetzt wurde ihm auf dem 28. HighlightSale der Rinder-Union West in den Zentralhallen in Hamm eine besondere Auszeichnung zuteil: Sein fünf Monate altes Kälbchen „Dolce Vita“ war mit einem Verkaufspreis von 26.000 Euro Topseller des Tages.

90 Kühe und etwa 100 Kälber unterschiedlichsten Alters, dazu 5 bis 10 Zuchtbullen leben auf dem Hof von Alois Loddenkemper in Rinkerode. Der 60-jährige Landwirt, der seit seinem 18. Lebensjahr den Hof betreibt, kennt seine Tiere und behält den Überblick.

Seit Jahren beschäftigt er sich mit der Zucht besonders hochwertiger Tiere. „Dass sie viel Milch geben ist nur ein Parameter“, sagt er. Ebenso wichtig seien die Gesundheit, die Langlebigkeit, die Melkbarkeit und das Fundament. „Nur eine gesunde Kuh gibt Milch“, so der Züchter. Auf seinem 60 Hektar großen Hof baut er Mais und Kresse für seine Tiere an, während er das Kraftfutter zukauft.

Ein Bild von einem Kälbchen: „Dolce Vita“ war mit 26.000 Euro Topseller des Tages in den Zentralhallen.

Um die besten Kühe zu züchten, arbeitet der Landwirt mit dem Embryotransfer. Die Großmutter von „Dolce Vita“ kam über die Rinder-Union West eG als tiefgefrorener Embryo aus Amerika nach Deutschland und wurde auf dem Betrieb von Carsten Wiesmann in Herbern geboren.

Später wuchs sie auf dem Bauernhof von Alois Loddenkemper auf, der sie aufzog und züchterisch weiterentwickelte. Mithilfe des Embryotransfers kann eine Kuh gleich mehrere Nachkommen im Jahr bekommen. Dabei wird die Zuchtkuh mit dem Samen von ausgesuchten Zuchtbullen besamt, später werden ihr einige der Embryos entnommen und anderen Kühen, sogenannten Leihmüttern, eingepflanzt. Ein Verfahren, das bei Kühen durchaus vertretbar sei, beim Menschen jedoch eher fragwürdig, so Loddenkempers Meinung.

Dass die Zucht des Landwirts sich sehen lassen kann, zeigt auch, dass er bereits etliche Tiere ins Ausland verkauft hat. So gibt es Nachkommen seiner Kühe in Italien, Holland, der Türkei und Russland. Wenn diese Tiere dann Preise erzielen, was durchaus vorkommt, erscheint Loddenkemper als Züchter. Dies sei wiederum eine gute Werbung für ihn. Durch den Zuchtverband oder bei Auktionen würden andere Züchter auf ihn aufmerksam.

„Dolce Vita“ des Drensteinfurter Züchters Alois Loddenkemper erlöste den Spitzenpreis der Auktion.

Wird ein Kälbchen geboren, darf es einen Tag bei der Mutter bleiben, ehe es in eine mit Stroh ausgelegte Box geht. „Länger geht nicht, das würde den ganzen Betrieb durcheinander bringen und macht die anderen Kühe nervös“, sagt er.

Ein Kälbchen abzugeben falle ihm jedes Mal schwer, sei aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht anders möglich. Schon in der Vergangenheit hat der Sechzigjährige einige Erfolge erzielt. So kam auch die Nummer 1 der genomischen Bullen im Jahr 2008 aus seinem Stall.

Rinkerode scheint überhaupt ein heimlicher Standort für gute Tiere zu sein. Auch Ludger Wiewer machte bei der Auktion in Hamm auf sich aufmerksam. Seine abgekalbte Färse „WR Monday“ sicherte sich mit 6.000 Euro den Spitzenpreis ihrer Kategorie. Die junge Kuh wird demnächst in der Eifel zuhause sein. Loddenempers Kälbchen „Dolce Vita“ ersteigerte der Zuchtverband.

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