Fachgerechte Beratung

Hier drückt der Schuh: Petra Scheffer fordert, Kinderschuhabteilungen wieder zu öffnen

Fühlen ob der Schuh auch wirklich passt. Petra Scheffer betont die Wichtigkeit der persönlichen Beratung gerade beim Kauf von Kinderschuhen.
+
Fühlen ob der Schuh auch wirklich passt. Petra Scheffer betont die Wichtigkeit der persönlichen Beratung gerade beim Kauf von Kinderschuhen.

Als im Dezember der zweite Lockdown zahlreiche Geschäfte zur Schließung zwang, waren Babyfachgeschäfte davon ausgenommen, um jungen Familien Sicherheit zu bieten. Sicherheit wünscht sich Petra Scheffer ebenfalls, besonders für ihre jüngsten Kunden.

Drensteinfurt – So wie alle anderen Schuhgeschäfte musste ihr Geschäft „Step In“ mit dem neuerlichen Lockdown schließen. So hätten Eltern keine Möglichkeit, durch Anprobieren und fachgerechte Beratung den für das Kind optimalen Schuh zu finden. Die Folge seien Druckstellen bis hin zu Fehlstellungen des empfindlichen kindlichen Fußes. Deshalb appelliert die Schuhhändlerin, die Kinderschuhabteilungen unter Corona-Auflagen zu öffnen.

Dass Beratungsbedarf da ist, weiß kaum jemand so gut wie die Inhaberin von „Step In“. Bis zu 30 Anrufe von Kunden erhält sie pro Tag, die meisten von Eltern besonders kleiner Kinder. „Kein Wunder“, sagt sie, denn oft schon nach sechs bis acht Wochen wächst der kindliche Fuß aus dem Schuh raus. Die Eltern wollten nur das Beste für ihr Kind, sie könne die Sorge gut verstehen. Außerdem steht der Winter vor der Tür und vielen fehlten passende warme Schuhe.

Kinderschuhe müssen nicht nur schön aussehen, sondern fachmännisch angepasst werden. Und das geht nur im direkten Kontakt und nicht im Internet, betont Petra Scheffer, Inhaberin des Schuhgeschäfts „Step In“.

„Ich habe Sorge, die Kinder müssen Schuhe tragen, die nicht passen“, erklärt Scheffer. Alles was sie dagegen unternehmen kann, ist den Kunden Fern-Beratung anzubieten. „Die Eltern schicken mir Fotos, wie der Schuh sitzt, über WhatsApp, per Mail, über Facebook oder Messenger, manche schicken auch Videos, wie das Kind läuft“, berichtet sie. Solche Anfragen erhalte sie täglich oft bis 22 Uhr. Mit diesen Infos suchen die Mitarbeiter von „Step In“ Modelle heraus und schicken diese zu den Familien nach Hause. „Es ist zeitaufwendig und anstrengend, aber wir machen das gern.“ Trotzdem würde sie sich wohler fühlen, wenn sie am Kinderfuß fühlen könnte, wie der Schuh sitzt, sagt Scheffer.

Fuß ausmessen geht nicht digital

Natürlich käme ihr ihre langjährige Erfahrung zugute, aber gerade, wenn Einlagen getragen werden, könne man einfach nicht sehen, ob der Schuh richtig sitzt. Eine persönliche Beratung, das Ausmessen des Fußes und das Fühlen durch einen Fachverkäufer funktioniere nicht online. Darum wünscht sie sich selbstverständlich unter Beachtung aller Corona-Regeln die Öffnung wenigstens der Kinderschuhabteilung nach Terminvergabe. Um das zu erreichen, hat sie sich jetzt mit Kollegen zusammengetan und sich wie schon beim ersten Corona-Lockdown im Frühjahr an den CDU-Landtagsabgeordneten Henning Rehbaum gewandt. Bisher ohne Erfolg.

Mittlerweile haben sich auch die Schuh-Einkaufsvereinigung Rexor, die Verbundgruppe des Schuhhandels ANWR Schuh sowie der Kinderschutzbund für die Öffnung speziell der Kinderschuhgeschäfte ausgesprochen. Gemeinsam wurde ein Schreiben an den Vizepräsidenten des Wirtschaftsrats der CDU Friedrich Merz verfasst. „Kommt es erst einmal zu Fehlstellung der Kinderfüße, sind die Folgekosten hoch“, macht Scheffer deutlich. Oft sei dann eine Behandlung beim Orthopäden erforderlich.

Gesunde Kinderfüße statt Fehlstellungen

Scheffer blickt im Moment wenig optimistisch in die Zukunft. „Ich rechne damit, dass der Lockdown noch bis Mitte März geht“, teilt sie mit. Somit würde die Schuhmesse virtuell stattfinden. Sie kaufe also Schuhe, ohne sie vor Ort gesehen zu haben oder die Qualität des Materials fühlen zu können. „Da kann so ein Einkauf ganz schön in die Hose gehen“, so ihre Sorge. Noch schlimmer sei, dass im Lockdown keine Ware geliefert würde und wenn das Lager leer sei, könne auch kein Schuh verkauft werden. Das betreffe vor allen Dingen die Frühjahrsware.

Die Schuhhändlerin hofft darauf, dass die Regierung den Ernst der Lage erkennt und die Kinderschuhabteilung doch bald geöffnet werden darf. Bis dahin sei sie auch weiterhin für ihre Kunden da. „Es geht mir nicht darum, mehr Geld zu verdienen, wie mir schon unterstellt wurde, sondern einzig darum, dass Kinder gesunde Füße haben“, versichert sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare