Vorzeitig in Rente

Hans-Ulrich Herding war fast 30 Jahre lang Abfall- und Umweltberater

Verlässt seinen Schreibtisch drei Jahre vorm Rentenalter:
Hans-Ulrich Herding hört mit 63 Jahren auf.
+
Verlässt seinen Schreibtisch drei Jahre vorm Rentenalter: Hans-Ulrich Herding hört mit 63 Jahren auf.

Fast 30 Jahre war Hans-Ulrich Herding im Fachbereich zwei eine verlässliche Größe. Als Bürgerberater in den Bereichen Umwelt- und Naturschutz, Abfallwirtschaft, Energieberatung und Klimaschutz hatte er in der langen Zeit für jeden Drensteinfurter ein offenes Ohr. Bei der Einweihung des Walbert-Brunnens am 30. Juni ist er zum letzten Mal offiziell dabei. Danach geht der Umweltbeauftragte der Stadt Drensteinfurt in den wohlverdienten Ruhestand.

Drensteinfurt - Als Herding im Februar 1992 seine Stelle im Bauamt Drensteinfurt antrat, hatte er neben dem Biologie-Studium bereits eine abgeschlossene Ausbildung zum Maschinenschlosser hinter sich. Sein theoretisches Wissen, seine praktische Berufserfahrung und seine Liebe zu Natur und Umwelt setzte er von Anfang an für die Stadt ein, von der er heute sagt: „Ich fühle mich mit Drensteinfurt verbunden.“

Zur Zeit seines Dienstantritts waren Albert Leifert Bürgermeister und Werner Wiewel Stadtdirektor. Die Umgehungsstraße (B58) und die Unterführung befanden sich im Bau. Damals war die Schließung des Bahnübergangs eine große Veränderung für die Innenstadt. Auf die zu diesem Zeitpunkt stattfindende erste Innenstadtsanierung hatte Herding in puncto Begrünung noch wenig Einfluss. Maßgeblich beteiligt war er bei der im selben Jahr eingeführten Papiertonne.

Von der Biotonne bis zum Energiebericht

Seitdem hat der städtische Abfall- und Umweltbeauftragte viele große und kleine Projekte begleitet. So die Umsetzung des Landschaftsplans Drensteinfurter Platte und die Baumbepflanzungen im Außenbereich. Die Einführung der Biotonne 1994 und des Gelben Sackes 1996 fielen in seine Zeit ebenso wie der erste Energiebericht der Firma Gertec, dessen Empfehlungen nach und nach umgesetzt wurden.

Unter seiner Führung fanden Umwelttage, Umweltpreise für die Bürger, Grünplanung, Patenschaften und zahlreiche Abfallsammelaktionen statt. 1997 war er an der Planung und Durchführung von Ausgleichsmaßnahmen für die Baugebiete beteiligt.

Im Grünen: Hans-Ulrich Herding setzte seine Liebe zu Natur und Umwelt von Anfang an für die Stadt ein.

1998 waren der Bahnhof und der Ankauf der Flächen sein großes Thema. Herdings Initiative ist es mit zu verdanken, dass die Bushaltestellen auf die Raiffeisenstraße verlegt und Fahrradabstellanlagen gebaut wurden. 2001 war er an den Umbau-Planungen vom Bahnhofsgebäude zum Kulturbahnhof involviert. Im selben Jahr kümmerte er sich um die solarenergetische Optimierung im Baugebiet Konrad-Adenauer-Straße. Neben den Bahnhöfen in den Ortsteilen standen die Sanierung und Anschaffung der Kunstrasenplätze auf seiner Agenda. Viel Arbeit bedeutete für Herding die zweimalige Teilnahme am European Energy Award mit Erlangung der Silbermedaille.

In den vergangenen Jahren waren es die Themen ISEC und der Umbau des Marktplatzes sowie des Kirchplatzes, die Herding auf Trab hielten. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit war aber auch die Abfallwirtschaft, denn, so sein Credo: „Abfall hängt auch mit Energie zusammen.“ Und: „Ich habe mir das nicht nehmen lassen, selbst am Abfalltelefon zu sitzen.“ Nicht ohne Stolz resümiert der 63-Jährige: „Ich habe mehr Wertstoffe aus dem Abfall geholt als andere Kommunen.“ Tatsächlich steht Drensteinfurt im Kreisvergleich an der Spitze der gesammelten Bioabfälle, Altpapier und der Abgabe von Schadstoffen.

Nicht alles, was er sich vorgenommen hat, kann der langjährige Mitarbeiter der Stadt Drensteinfurt auch abschließen. „Einiges muss mein Nachfolger erledigen. Nur um die Walstedder Kunststofflaufbahn werde ich mich noch kümmern.“ Da müsse er halt noch zwei- oder dreimal vorbeikommen.

Herding hat sich entschieden, drei Jahre vor dem eigentlichen Rentenalter in den Ruhestand zu gehen. Es sei in erster Linie sein langer Anfahrtsweg, der ihn dazu veranlasst habe. Immerhin sind es von seinem Wohnort Dülmen bis zur Stadtverwaltung und zurück 95 Kilometer und eineinhalb Stunden Fahrtzeit täglich. „Das passt so gar nicht mehr zu meiner Vorstellung vom Klimaschutz“, gibt er zu.

Angst vor Langeweile hat der angehende Pensionär nicht: Schon im Vorfeld hat er alte Kontakte aufleben lassen und wird für drei überregionale Zeitschriften Artikel mit dem Schwerpunkt Jagdpraxis schreiben. Dabei kommen Herding sein technisches Wissen, seine Freude am Fotografieren, Zeichnen und Schreiben entgegen. Tätigkeiten, die er bereits zur Finanzierung seines Studiums ausgeübt hat.

Wenn dann noch Zeit bleibt, sei da immer noch sein Jagdrevier. Da, so versichert er, könne man sehr viel Zeit lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare