Homeschooling in Drensteinfurt: Lehrer, Schüler und Sozialarbeiter gewinnen immer mehr Routine

Homeschooling in Drensteinfurt funktioniert dank neuer iPads und hochmotivierter Lehrer

Neue Wege in der Kardinal-von-Galen-Grundschule: Veronika Fohrmann (rechts) bereitet mit ihren Kolleginnen Birgit Ruppert (links) und Hannah Leffer den Wochenplan für eine vierte Klasse vor.
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Neue Wege in der KvG-Grundschule: Veronika Fohrmann (rechts) bereitet mit ihren Kolleginnen Birgit Ruppert (links) und Hannah Leffer den Wochenplan für eine vierte Klasse vor.

Anja Sachsenhausen bewegt sich auf allen Kanälen. Während die Schulleiterin der Teamschule telefoniert, laufen die E-Mails reihenweise ein, von Kollegen, von Eltern, von Schülern. Zwischendurch steckt eine der Betreuerinnen den Kopf zur Tür rein, winkt aber gleich ab und deutet an, später wiederzukommen. „Das Homeschooling bedeutet für uns alle einen großen zeitlichen Mehraufwand“, erklärt sie und meint vor allem die Mailflut, über die der Kontakt derzeit hauptsächlich stattfindet.

Drensteinfurt- Um die zehn Kinder kamen in der vergangenen Woche täglich in die Betreuung, die meisten Lehrer gestalten ihren Online-Unterricht von zuhause aus, es ist leer und still in der Schule. Und dennoch rauchen überall die Köpfe, gelernt und gelehrt wird eben online. Dankbar ist Sachsenhausen vor allem der Stadt als Schulträger und den IT-Supportern: „Die machen einfach großartige Arbeit, wir bekommen jede Unterstützung, die wir brauchen.“ Glücklicherweise läuft die Schulplattform iServ nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser.

So wie die Technik spielen sich auch die Abläufe ein. „Alle Beteiligten wachsen in die veränderten Aufgaben rein“, sagt die Schulleiterin. So wurden in den unteren Jahrgängen die Klassen beispielsweise in vier Gruppen eingeteilt, dadurch können die Lehrer besser Fragen beantworten und den persönlichen Kontakt halten. „Ein großes Lob geht an die Eltern, viele sind ihren Kindern wertvolle Hilfe und unterstützen, so gut sie können“, erklärt Sachsenhausen dankbar.

Sie weiß aber auch, dass das nicht in jedem Haushalt reibungslos funktioniert. „Die Bedingungen sind sehr unterschiedlich – und zwar nicht nur in technischer Hinsicht.“ Viele kämpfen mit dieser psychischen Belastung, „weil man diese Ausnahmesituation nicht einfach so nebenbei bewältigt“.

Natürlich sei jedem klar, warum wir das machen, doch in der Konsequenz sei es eben anstrengend, „zumal ja kein Ende in Sicht ist“. Anja Sachsenhausen macht Mut, wo sie kann. Ihr Hauptanliegen: „Wir müssen alle gesund bleiben, physisch wie psychisch.“ Sie und ihr Kollegium tragen ihren Teil dazu bei, hören zu, begleiten, beruhigen.

Kümmerin: Schulsozialarbeiterin Simone Minnemann kümmert sich um die Kinder, die betreut werden müssen – und ist darüber hinaus gemeinsam mit ihrem Kollegen Arne Maronde für alle Sorgen ansprechbar.

Erfreut stellt die Schulleiterin derzeit fest, dass Lob und Dankbarkeit von allen Seiten zurückkommen. „Das haben wir in der Form noch nicht erlebt“, sagt sie. Auch daraus ziehen sie und ihr Team Kraft. Natürlich gibt es auch kritische Rückmeldungen, „die sind aber überwiegend sachlich und helfen uns, konstruktiv nachzuarbeiten“.

Anja Sachsenhausen weist darauf hin, dass jede aktuelle Entwicklung auf der Homepage der Schule nachzulesen ist: www.teamschule.drensteinfurt.de. Dort stellen sich derzeit gezielt die beiden Schulsozialarbeiter Arne Maronde und Simone Minnemann vor und betonen, allen Beteiligten für Gespräche zur Verfügung stehen. Auf allen Kanälen.

Kardinal-von-Galen-Schule wird zum digitalem Lernort

In der Kardinal-von-Galen-Grundschule ist in diesen Tagen ein bisschen mehr Leben, 46 Kinder waren in der vergangenen Woche in der Betreuung. Norbert Bolz war nicht überrascht, im Gegenteil: „Ich erwarte, dass es noch mehr werden.“ Der Schulleiter und sein Kollegium blicken auf eine ereignisreiche Woche zurück, denn die Schule ist binnen weniger Tage zu einem digitalen Lernort hochgerüstet worden – mit WLan im gesamten Gebäude, iPads für alle Kinder, die kein eigenes haben, und multimedialen Boards, die in allen Klassenräumen die Kreidetafeln ersetzen.

Veronika Fohrmann sitzt am Freitagmittag mit zwei Kolleginnen im Lehrerzimmer und bereitet am iPad den Plan für die kommende Woche vor. Auf der Plattform Padlet stellen sie Aufgaben und Spiele ein, laden Arbeitsblätter und Erklärvideos hoch. Dabei haben die Lehrerinnen genauso viel Spaß wie ihre Schüler. „Die meisten Videos sind wirklich toll gemacht, das wertet viele Aufgaben und Lösungswege auf“, schwärmt Veronika Fohrmann. Einige Kollegen haben sich bereits inspiriert gefühlt, eigene Filmchen zu drehen, die sie dann hochladen.

Da flitzen die Finger über den Bildschirm.

Grundschullehrerin Veronika Fohrmann über die Arbeit ihrer Viertklässler mit den neuen Tablets

„Und davon profitieren wir alle, denn jeder Kollege kann auf die Wochenpläne zugreifen.“ Die Kinder ihrer vierten Klasse haben kein Problem mit den Tablets, „da flitzen die Finger über den Bildschirm“, sagt Veronika Fohrmann und schmunzelt. Tatsächlich sei die Anwendung der Plattform aber auch für die Jüngeren super gemacht, bestätigt Fachlehrerin Birgit Ruppert. „Für die unerfahrenen Lehrer unter uns ist der Umgang ebenfalls überwiegend leicht verständlich.“ Defizite erledigen sich schnell im hoch motivierten Austausch unter den Kollegen.

Norbert Bolz ist auch deshalb besonders stolz auf das KvG-Team. „Der Stadt danke ich für die tolle und schnelle technische Ausstattung, und den Kollegen klopfe ich einfach nur auf die Schulter für ihren Einsatz in der Sache und für die Schüler.“

Gewisse Routne in der Grundschule in Rinkerode

In Rinkerode stellt Grundschulleiterin Jutta Nienhaus fest, dass sich grundsätzlich langsam eine gewisse Routine einstellt, was die Abläufe der Stoffvermittlung angeht. „Das ändert allerdings nichts an der traurigen Situation, dass Lehrer und Schüler allein zu Hause sitzen und uns allen der gemeinsame Schulalltag fehlt“, sagt sie mit Bedauern. Bis zu 17 Kinder kommen derzeit in die Betreuung. Jutta Nienhaus bleibt jedoch motiviert und positiver Stimmung. Digital bestens ausgerüstet, haben alle Lehrer täglich zu ihren Schülern Kontakt. „Wenn ich der Situation etwas abgewinnen kann, dann die Tatsache, dass wir in Sachen neue Medien derzeit unheimlich viel voneinander lernen.“

Dennoch sei die Situation verständlicherweise in vielen Familien emotional angespannt, das sei nicht zu vernachlässigen. „Verunsicherte Eltern hinterlassen automatisch auch bei den Kindern Unsicherheiten“, formuliert die Schulleiterin ihre Erfahrungen. Allerdings lasse sich das auf die Distanz vielfach gar nicht erkennen. Ihr Blick richtet sich auf die Zukunft: „Deshalb freuen wir uns alle, wenn die Kinder zurückkommen, persönlich vor uns sitzen und wir wieder gemeinsame Lernroutinen entwickeln können.“

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