3000 Eichen in Drensteinfurt

Die Giftraupe ist zurück - "Müssen lernen, damit zu leben"

Eichenprozessionsspinner Drensteinfurt Walstedde
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Der Eichenprozessionsspinner hat zahlreiche Eichen in der Stadt befallen, so auch diese in der Walstedder Dorfbauerschaft.

Der Eichenprozessionsspinner ist wieder da und an einigen Stellen sogar in einer unvorstellbar großen Zahl. An manchen Bäumen bedecken die gefährlichen Raupen den Stamm der Eiche wie einen dichten Teppich.

Drensteinfurt – Obwohl die Stadt dem Schädling den Kampf angesagt hat, ist eine vollständige Beseitigung aller Nester eine Utopie. Rund 3000 Eichen gibt es im Innen- und Außenbezirk von Drensteinfurt und seinen Ortsteilen, von denen eine Vielzahl befallen ist.

Auf der Homepage der Stadt können besorgte Bürger den Standort befallener Eichen eintragen. Das bedeutet aber nicht, dass sofort jemand kommt, der die Schädlinge entfernt. „Die Stadt ist bemüht, wird es aber nicht schaffen, Drensteinfurt frei vom Eichenprozessionsspinner zu bekommen“, räumt Martin Brinkötter, Leiter des Ordnungsamtes, ein. Man sei noch immer auf der Suche nach der effektivsten Maßnahme, um die Bürger zu schützen. Die unzähligen Nistkästen, die an vielen Eichen hängen, gehören mit zu den Versuchen, die Schädlinge mithilfe von Meisen zu bekämpfen.

Weiterhin setzt die Stadt auf Absaugen und heißes Wasser. „Biologische Mittel werden wir in diesem Jahr noch nicht anwenden“, versichert Brinkötter. Werden Bäume gemeldet, gebe es eine ganz klare Prioritätenliste. Sind Eichen an Kindergärten, Schulen, Friedhöfen, am Freibad – kurz an stark frequentierten öffentlichen Plätzen – befallen, werde schnellstmöglich reagiert. Bei allen anderen befallenen Eichen gilt: Abstand halten. „Genau dafür haben wir Warnschilder aufgestellt“, macht Brinkötter deutlich und fügt hinzu: „Wir müssen lernen, damit zu leben.“

Der Schädlingsbekämpfer wird im Moment noch keine Nester im Außenbezirk entfernen. „Wir wollen warten, bis alle Raupen im Nest sind“, erklärt der Ordnungsamtsleiter. Dass das durchaus Sinn macht, bestätigt auch Michael Steinkamp von der Schädlingsbekämpfungsfirma Berthold Angelkort aus Herbern. „Aus wirtschaftlichen Gründen ist es sinnvoll zu warten, denn nicht alle Raupen entwickeln sich gleich“, macht er deutlich.

Schon jetzt befinden sich die Raupen im dritten Larvenstadium, in dem die Brennhaare gefährlich werden können. Daher rät er Abstand, von den Nestern zu halten. Schilder aufzustellen, sei sinnvoll. „Jeder muss selber entscheiden, ob er das Risiko eingehen will“, so der Fachmann. Die Firma Angelkort, die auch von der Stadt beauftragt wurde, setzt auf zwei Methoden, um die Raupen zu entfernen: „Das Absaugen ist einfach und effektiv“, erklärt Steinkamp eine Möglichkeit. Besser sei jedoch das Heiß-Wasser-Schaumverfahren. Dies sei für die Mitarbeiter ungefährlicher, weil sie dem Nest nicht so nahe kommen müssen. Außerdem würden die gefährlichen Härchen sofort gebunden und fliegen nicht durch die Luft. Durch das heiße Wasser wird der Eiweißstoff in den Härchen unschädlich. Am Ende können die Nester, anders als beim Absaugen, bei dem die Nester als Sondermüll gelten, als Bioabfall entsorgt werden. Der Schaum bestehe aus einer natürlichen Mischung aus Mais- und Kartoffelstärke, sei absolut unschädlich, giftfrei und könne somit auch an sensiblen Bereichen eingesetzt werden. Einziger Nachteil: Die ausziehbare Lanze des Gerätes reicht nur bis zu einer Höhe von acht Metern.

Prophylaktisch könne ein biologisches Mittel angewandt werden. Der „Bacillus thuringiensis“ könne aber nur vor dem dritten Larvenstadium angewandt werden. Der Nachteil: Das Bakterium ist nicht nur für den Eichenprozessionsspinner schädlich, sondern auch für andere Raupen, wie zum Beispiel die der Schmetterlinge.

Michael Steinkamp spricht von einer Gefährlichkeit der Raupen, die bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen an der Haut auslöst. Besonders schlimm könne es werden, wenn Härchen eingeatmet werden und sich in der Lunge festsetzen. Atemnot und Asthma könnten die Folge sein. „Schützen kann man sich davor nur, wenn man Gebiete mit großem Befall meidet“, teilt er mit. Um einen Eichenwald mit Befall sollte man einen Bogen machen“, sagt er. Natürlich müsse man auf Hunde besonders achten und Kindern klare Anweisungen geben, nicht in die Nähe von Nestern zu gehen.

Gefährlich sei es, Nester selbst zu entfernen. Steinkamp rät Privatpersonen, die Bekämpfung den Fachleuten zu überlassen. Vielen sei nicht klar, dass die Raupe ihre Haare abwirft, wenn sie in Gefahr ist. Dies sei zum Beispiel der Fall, wenn man sie mit Gift oder Lack besprüht oder mit Feuer abbrennen möchte. Allein durch die Thermik verteilten sich die Härchen besonders gut. Den Grund für den Massenbefall des Eichenprozessionsspinners sieht der Fachmann im milden Winter. „Es gab kaum Frost, sodass alle Eigelege überlebt haben“, stellt er fest.

Schlussendlich bleibt die Frage, wie die Eiche mit dem haarigen Schädling umgeht. Die gute Nachricht: „Einer gesunden Eiche macht ein Massenbefall nichts aus“, so Steinkamp.

Standorte melden

Auf der Internetseite www.drensteinfurt.de finden Bürger, wenn sie in der Suchmaske Eichenprozessionsspinner eingehen, eine Auflistung der Standorte, an welchen Straßen Bäume bereits befallen sind. Sie können hier auch weitere Standorte melden. Die Seite bietet zudem weitere Informationen über den Eichenprozessionsspinner.

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