Gift in der Erde

Mit großen Erwartungen kündigten Vertreter der Conoco Mineralöl GmbH, der Ruhrgas AG und der Ruhrkohle AG das Gas-Projekt im Kreis Warendorf 1995 an.

DRENSTEINFURT ▪ Nun also doch: Im Kreis Warendorf wurden beim Fracken giftige Stoffe in den Boden gepumpt. Gestern musste die Bergbaubehörde in Arnsberg einräumen, dass bei der Probebohrung auf dem Acker in Hoetmar (Natarp I) am 8.

Oktober 1995 in einem Bereich zwischen 1 840 und 1 947 Meter Bohrlochtiefe und am 16. Oktober 1995 zwischen 1 800 und 1 896 Metern gefrackt wurde. Dabei wurden, so der Abschlussbericht des Konsortiums, insgesamt 121 200 Liter Frack-Flüssigkeit, 41,7 Tonnen Sand und 65 400 Kubikmeter Stickstoff mit einem Druck von 210 Bar ins kohleflözführende Karbongestein gepresst. „Mengenangaben zu den einzelnen Substanzen sind im Abschlussbericht nicht enthalten“, teilt die Bezirksregierung nun mit. Allerdings wird erwähnt, dass sich unter diesen Substanzen ein Stoffgemisch namens „SSO 21 M“, ein Aufschäummittel, das heute als wassergefährdend (Wassergefährdungsklasse 2) eingestuft wird, befand. Ein weiteres Gemisch, GBW-3/30, enthält zwei Bestandteile, von denen einer ebenfalls heute als wassergefährdend gilt.

Bei der Bohrung in der Drensteinfurter Bauernschaft Rieth wurde definitiv nicht gefrackt, betont die Bezirksregierung Arnsberg. Allerdings hatten sich vor 15 Jahren dort andere Probleme ergeben, die Landwirt Josef Sellhorst erst heute richtig einschätzen kann. Ihm gehört die Fläche, auf der damals gebohrt wurde. Nach Abschluss der Arbeiten, erinnert er sich, wurde das Bohrloch geschlossen und die Bohrstelle abberaumt. Nach gut sechs Monaten sei noch einmal eine Baufirma gekommen. „Uns wurde mitgeteilt, dass die Bergbaubehörde Einwände gegen die Bohrlochschließung gehabt habe. Der Pfropfen sollte dicker werden“, macht der Landwirt im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Jetzt stellte sich heraus, dass das Konsortium, das damals Gas suchte, sich nicht an die Abmachungen gehalten hatte und nicht genehmigtes Material in das Bohrloch kippte. „Das fiel bei den regelmäßigen bergbehördlichen Überwachungen auf“, so die Bezirksregierung. Um welche Stoffe es sich dabei handelte und ob eine unterirdische Giftmülldeponie angelegt wurde, konnte ein Sprecher der Behörde gestern nicht erklären. „Alle Fachreferenten sind nicht mehr erreichbar“, so die Auskunft aus Arnsberg. Nur soviel: „Auf Verlangen des Bergamts Kamen wurde diese Füllung wieder entfernt.“

Heute fällt der Ertrag von Landwirt Sellhorst auf seiner Fläche in Rieth nicht besonders üppig aus. „Das ist aber normal“, so Sellhorst. Der Boden sei sehr stark verdichtet gewesen. Es brauche bestimmt 30 Jahre, bis der sich wieder erholt habe. Aber wenn er genau nachdenke, sei der Ertrag rund um das Bohrloch noch ein wenig schlechter.

Geforscht hat die Bezirksregierung auch nach dem Verbleib der Frack-Flüssigkeit und des Wassers, das bei den Bohrungen in Rieth eingesetzt worden ist. „Die ersten 322 000 Liter des bei der Bohrung „Natarp 1“ geförderten Gemisches aus Frack-Flüssigkeit und Formationswasser wurden in der Kläranlage Hamm entsorgt“, hat die Behörde herausgefunden. Die über weitere acht Monate geförderten rund 1,107 Millionen Liter Formationswasser (Wasser, das in Gesteinssporen gespeichert ist) wurden nach Auswertung der Beprobungsergebnisse über das Grubenwasserrückhaltebecken des Bergwerks „Westfalen 1“ in Ahlen in die Mattenbecke geleitet. Ebenfalls beprobt wurden Bohrschlämme und Bohrklein und zum Teil – rund 1 177 Tonnen aus beiden Bohrungen – zunächst entwässert und dann auf der Bergehalde „Westfalen Ost“ eingebaut. ▪ war

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare